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Vegan lebende Bauerntochter : Anfangen statt abwehren

  • -Aktualisiert am

Sandra Seng ist Veganerin und die Tochter eines Rinderzüchters. Manchmal folgen alle dem Beispiel der Klimaschützerin und essen vegan auf dem Schwarzwaldhof.

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          Sie isst kein Fleisch, keine Milchprodukte, kein Ei. Sie trägt Birkenstock-Sandalen und ist ungeschminkt. So stellen sich wohl die meisten eine Veganerin vor. Aber so ist Sandra Seng nicht. Wie viele andere 19-jährige Mädchen trägt sie Sneaker, Lipgloss und Mascara zu ihren langen braunen Haaren. Sie ist Veganerin, eine begeisterte Klimaaktivistin und Tochter eines Rinderzüchters. Sandra wohnt mit ihrer Familie auf einem Hof in Furtwangen im Schwarzwald. Dazu gehören eine große Weide, ein Stall und Laika, die Hofhündin. Sandras Vater Robert Seng besitzt dreißig Rinder. Sie leben ungefähr zwei Jahre bei den Sengs und werden dann an einen Schlachter verkauft.

          Robert Seng pfeift seine Rinder herbei und treibt sie mit Laikas Hilfe Richtung Stall. „Für mich ist es nicht schlimm, dass mein Vater Geld mit dem Rinderverkauf verdient“, erklärt Sandra. „Natürlich fände ich es idealerweise anders besser, aber es ist mir lieber, dass mein Vater das Geld mit guter Landwirtschaft verdient als mit Massentierhaltung.“ Für sie ist „die ideale Welt“ eine Utopie, in der vieles anders wäre und ihre Familie nur von Landschafts- und Tierpflege leben könnte. Aber da dies nicht der Fall ist und wahrscheinlich niemals sein wird, machen sie das Beste daraus und behandeln die Tiere wenigstens gut.

          Sie hatten durch die Hitze nicht genug Heu

          Für Sandra gehören der Hof und die Rinderwirtschaft zu ihrem Leben, seit sie denken kann. Die Sengs besitzen noch eine große Waldfläche und betreiben Forstwirtschaft, ebenfalls eine wichtige Einnahmequelle. „Wir hatten heiße Sommer in den letzten Jahren und viel Dürre hier. Seitdem geht es dem Wald nicht sehr gut, die Bäume sind von Borkenkäfern befallen“, sagt Sandra und seufzt. Befallene Bäume lassen nicht nur den Wald sterben, minderwertiges Holz lässt sich auch schlechter verkaufen. Durch die Trockenheit ist auch der Heuschober längst nicht mehr so voll, wie er sein sollte. „Wir mussten einige Rinder schon verkaufen, da wir einfach nicht genug Heu hatten, um alle zu ernähren. Man sieht unserem Hof den Klimawandel deutlich an.“ Das war auch einer der Gründe, warum die Schülerin anfing, zu den Fridays-for-Future-Demonstrationen nach Freiburg zu fahren. Sie wollte nicht länger nur zuschauen. Sie wollte etwas tun. An einem Freitag hat sie eine bewegende Rede über Vegansein und dessen Folgen fürs Klima gehört. „Die Worte haben mich echt überzeugt, und als der Mann ,Go vegan‘ rief, war ich umgestimmt“, erzählt sie begeistert. „Ich habe mir vorgenommen, mich bis zur nächsten Demo vegan zu ernähren. Das habe ich auch geschafft, und ab da wollte ich mich gar nicht mehr anders ernähren.“ Zu Hause kam die Idee nicht sofort gut an. „Am Anfang war meine Familie total dagegen, dass ich vegan leben möchte, doch mit den richtigen Argumenten habe ich sie am Ende überzeugt. Heute kochen wir oft vegan zusammen.“ Sandra lacht. Ihr Vater holt die letzten Tiere von der Weide, Sandra schließt das Gatter.

          Eine Frage der Menge, Haltung und des Transportwegs

          Wenn die Tiere vom Viehhändler abgeholt und im nahe gelegenen Villingen beim Schlachthof Färber geschlachtet werden, ist Sandra meist in der Schule und kriegt es gar nicht mit. „Natürlich nehme ich es wahr, denn es ist ein Teil der Tierhaltung. Auch wenn ich selbst kein Fleisch esse, meine Augen verschließe ich nicht davor, denn das wäre den Tieren gegenüber respektlos.“ Robert Seng erklärt: „Wir sind es gewohnt, Tiere zu halten, sie großzuziehen und sie zu verkaufen. Fleisch essen ist für mich nicht gleich Fleisch essen. Es kommt auf die Menge, die Haltung und den Transportweg an.“ Früher haben die Sengs beim Dorfmetzger im Ort geschlachtet. Doch das rechnet sich nicht mehr. Sandra sagt: „Jeder weiß genug über den Klimawandel. Aber viele denken, dass sie ihr ganzes Leben ändern müssten. Aber das braucht es gar nicht. Kleine Schritte machen auch viel aus, man sollte erst mal anfangen, bevor man es direkt abwehrt!“

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