https://www.faz.net/-gum-9kfmi

Urban Priol : Mit Satire das Leiden halbieren und das Lachen verdoppeln

  • -Aktualisiert am

Bild: Moni Port

Wie kriegen Sie derart gute Dialekteinschläge hin, Herr Priol? Der fränkische Kabarettist über Politainment und Witz-Tabus vor Schülern in Porto.

          Das – gefährdet – Arbeitsplätze!“, ahmt der Kabarettist Urban Priol einen deutschen Politiker mit einer tiefen, abgedämpften Stimme nach. Mit einer imposanten Präsenz auf der Bühne, einem ständigen Herumlaufen, begleitet von humorvoller Mimik, mit kleinen Pausen für einen kurzen Schluck Bier hält Priol mit politischen Pointen die Aufmerksamkeit der Zuschauer während der zweistündigen Show im Festsaal der Deutschen Schule zu Porto gefangen. Seine sprachlichen und gestischen Imitationen von deutschen Politikern kommen besonders gut an, wie die der Bundeskanzlerin oder des fränkischen Politikers Markus Söder, seines Landsmannes, oder der CSU-Politiker Alexander Dobrindt und Andreas Scheuer. Aber auch den Schwaben Winfried Kretschmann und den Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens Armin Laschet, ahmt er überzeugend nach.

          Seit zehn Jahren in Europas Schulen

          „Wie kriegen Sie derart gute Nachahmungen von Stimmen hin, mit den Dialekteinschlägen der unterschiedlichen Politiker?“, fragt ein Schüler, als Urban Priol am Tag nach seinem Auftritt mit den angehenden Abiturienten ins Gespräch kommt. „Ich weiß es nicht. Es ist wohl Talent“, lächelt der abenteuerlustige Kabarettist, der vor wenigen Tagen bereits an anderen Deutschen Schulen in Lissabon und an der Algarve aufgetreten ist. „Seit zehn Jahren besuche ich Deutsche Schulen in ganz Europa. Ich war bereits in Madrid, Belgrad, Athen, Mailand, Helsinki und Dublin“, erzählt der 50-jährige Sprechkünstler, der wie ein Tourist mit T-Shirt und kurzer Hose in den Deutschunterricht kommt.

          Mit Witz und Humor habe er bereits seine Schulzeit bewältigt. Schon als Jugendlicher besaß er die Fähigkeit, seine Lehrer besonders gut zu parodieren. „Meine Lehrer waren meine ersten Opfer“, grinst Priol. „Als 15-Jähriger entwickelte ich dann ein Interesse für Politik und begann auch Politiker zu parodieren.“ Nach seinem Abitur hat er Englisch, Geschichte und Russisch auf Lehramt studiert. Während seiner Zeit an der Uni sei der Monty-Python-Fan zudem Mitglied der dortigen Theatergruppe gewesen und habe für ein Jahr in England gelebt, wo er weiter geschauspielert hat, unter anderem in Dramen von Shakespeare, den er bewundere. „Nach der Uni bin ich einem Kabarett-Ensemble beigetreten, und 1982 hatte ich meinen ersten Auftritt.“ Begeistert wurde Priol zu jener Zeit auch durch das Fernsehprogramm „Scheibenwischer“, bevor er mit eigenen Fernsehsendungen wie „Alles muss raus“ und „Neues aus der Anstalt“ Erfolg hatte.

          Bloß nicht didaktisch werden

          um heutigen Zeitpunkt hat Priol als Kabarettist, als „Künstler einer Kleinkunst“, wie er selber sagt, die auf den Kellerbühnen in Paris entstanden ist, etwa 140 Auftritte im Jahr. „Das Kabarett hat eine große Akzeptanz gefunden und bereits einen großen Boom erlebt. Mittlerweile wird es vielleicht zu viel im Fernsehen gezeigt“, meint der Mann aus Mainfranken. Das Kabarett fuße auf der Kritik übenden Satire und hat laut Priol den Hauptauftrag, das Publikum zu unterhalten. „Die Shows sollen nie in einem didaktischen Ton sein. Sie enthalten den gespielten Witz und Comedy-Bestandteile.“ Für Priol gehe es beim Kabarett darum, Leute zum Lachen zu bringen: „Ich sehe die Satire als Mittel, das Leiden zu halbieren und das Lachen zu verdoppeln.“ Bei seiner Show muss er jedoch einen bestimmten Aspekt beachten: „Über persönliche Gebrechen wie Behinderungen oder Krankheiten darf man keine Witze machen“, sagt Priol mit ernstem Blick.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.