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Unterwasserfotograf : Überwältigendes Blau

  • -Aktualisiert am

Bild: FAZ

Unterwasserfotograf Christian Miller aus Franken lebt heute in Cairns und setzt sich für den Schutz der Meere ein. Den Anblick eingepferchter Haie und Rochen hält er nicht aus.

          5 Min.

          Von all meinen Freunden habe ich mich verabschiedet und erklärte ihnen, dass ich mit Haien tauchen gehe und wahrscheinlich gefressen werde.“ Der 44-jährige Unterwasserfotograf und Umweltschützer Christian Miller erzählt schmunzelnd die Geschichte seines ersten Tauchganges in australischen Gewässern. Nachdenklich sitzt er auf einem Stuhl, hinter ihm der Strand und Palmen, die vor einem grauen, regnerischen Himmel im Wind schwanken. Miller trägt seine Sonnenbrille lässig auf dem Kopf und hat sich eine offene Trainerjacke übergeworfen. Er lebt zusammen mit seiner zweijährigen Tochter in Cairns, Australien. Das Barrier Reef ist sozusagen sein Vorgarten. Miller beschreibt seinen ersten Tauchgang mit großer Begeisterung. „Es ist ein Eintauchen in eine neue Welt. Mein Gehirn konnte all die Eindrücke gar nicht aufnehmen.“ Der passionierte Taucher bemüht sich, die überwältigende Erfahrung in Worte zu fassen: „Dann war da das intensive Blau und die Rochen und Haie. Ich bin einfach nur innerlich ausgeflippt und wollte für immer da unten bleiben.“ Er vergleicht das Tauchen mit dem Adrenalinausstoß beim Fallschirmspringen. „Es ist eine absolut einmalige Erfahrung“, fügt er an.

          Als junger Bauzeichner zog er los

          Bereits in jungen Jahren fühlte er sich unbewusst zur Unterwasserwelt hingezogen, verspürte den Drang, diese genauer kennenzulernen. „Meine Nase klebte immer an der Scheibe, und ich konnte den Meereslebewesen stundenlang zuschauen“, berichtet er begeistert. In Gunzenhausen, einer deutschen Kleinstadt in Mittelfranken, wo er seine Kindheit verbrachte, hatte er nur in Aquarien Zugang zur Unterwasserwelt. Als Kind zeichnete Christian Miller Tag und Nacht, meist Bilder exotischer Unterwassertiere. Um diese realistisch zeichnen zu können, verwendete er Fotos als visuelle Hilfe. „Ich wollte aber eines Tages unbedingt selbst Unterwasserfotos machen. Erst dann wäre das Kunstwerk komplett meines“, erklärt er mit einem Funkeln in den Augen, „deshalb habe ich später das Tauchen mit der Fotografie verbunden.“ In Deutschland machte der junge Miller eine Lehre als Bauzeichner. Mit 21 Jahren verspürte er jedoch den Drang, seine Heimat zu verlassen und die Welt mit all ihren Wundern zu erkunden. „Ich habe mir vorgestellt, irgendwo in den Bäumen zu leben und nichts zu besitzen“, witzelt er. Seine Mutter unterstützte ihn bei seinen Plänen und den Vorbereitungen und besuchte ihn auf seinen Reisen mehrmals. „Sie schenkte mir meine erste Unterwasserkamera, als ich in der Karibik arbeitete“, sagt er lächelnd. Seine Reisen konnte er durch eine Halbwaisenrente und mit dem Verkauf von einigen persönlichen Dingen finanzieren. Ausgerüstet mit Zeichenpapier und seiner Kamera, reiste Christian um die Welt, von Mittelamerika über Australien bis nach Asien.

          Schock in Indonesien

          In der Karibik war das Meer regelrecht ausgefischt, und ganze Hotels waren aus Korallen gebaut. Die erschreckende Verschmutzung der Meere durch Plastik sah er zum ersten Mal in Indonesien. Schockiert musste der junge Taucher feststellen, wie sehr der Mensch der Umwelt schadet. „Wir respektieren die Meere überhaupt nicht. Das hat mir die Augen geöffnet. Mir war gar nicht bewusst, dass es so viele Umweltprobleme gibt“, erklärt er nachdenklich. „Das erste Mal, als ich den Wunsch verspürte, aktiv etwas dagegen zu unternehmen, war anlässlich des Besuchs eines Meeresgeheges, in welchem viele seltene Fische, aber auch Haie und Rochen gefangen gehalten wurden. Das habe ich einfach nicht ausgehalten, und ich verspürte den Drang, etwas dagegen zu unternehmen. Deshalb bin ich eines Nachts kurzerhand dorthin getaucht und habe die Tiere freigelassen“, gesteht er.

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