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Übersetzertreff : Vor imposanter Alpenkette um den besten Ausdruck ringen

  • -Aktualisiert am

Bild: Claudia Weikert

Das Übersetzterhaus im Zürcher Oberland zieht Sprachkünstler aus der ganzen Welt an. Sie sind gebildet und bescheiden. Für viele ist das ein Lieblingsort.

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          Nach dem Aufenthalt fühlt man sich als Teil eines internationalen Berufsnetzes“, schwärmt Iryna Herasimovich. Die sympathische 37-jährige Literaturübersetzerin aus Minsk ist im Übersetzerhaus Looren vorübergehend zu Gast. Das ehemalige Wohnhaus einer Verleger- und Biobauernfamilie liegt weit oberhalb des Zürcher Sees am Hang des Bachtels im Zürcher Oberland. Es bietet Literaturübersetzern aus der ganzen Welt die Gelegenheit, in ruhiger Atmosphäre konzentriert ihrer Arbeit nachzugehen. Dabei kommen der Austausch und die interessanten Gespräche zwischen den Gästen nicht zu kurz. „Es ist ein guter Geist im Haus, und dies liegt auch an den Gästen, die sehr bescheiden und gebildet sind“, sagt die 48-jährige Florence Widmer, eine Mitarbeiterin des Hauses. Nach ihrem Anglistik-Studium hat sie in den Vereinigten Staaten in Komparatistik promoviert.

          Ohne Zweitberuf geht es nicht, der Verdienst reicht nicht aus

          Die Nachfrage für einen Aufenthalt im Übersetzerhaus in Wernetshausen ist groß, die fünf Mitarbeiter und Hausmeister Marco Rüegg haben reichlich zu tun, um den Gastbetrieb, der von Gabriela Stöckli, einer promovierten Hispanistin, geleitet wird, am Laufen zu halten. „Vor allem in den Sommermonaten ist hier viel los, weil einige neben dem Übersetzen als Professoren oder Dozenten an Instituten arbeiten“, erklärt Florence Widmer. Ein zweiter Beruf ist oft notwendig, weil der Verdienst des Übersetzens allein nicht ausreicht. Literaturübersetzer werden in der Regel je Seite bezahlt. Das Honorar ist von Land zu Land verschieden; in den meisten Fällen liegt der Seitenpreis zwischen 15 und 20 Euro. Wenn man bedenkt, dass oft mehrere Stunden in die Übertragung einer einzigen Seite investiert werden müssen, ist das wenig. Aus diesem Grund werden sie von der Institution, die als Verein organisiert ist, finanziell unterstützt. Neben der günstigen Unterkunft von 25 Schweizer Franken die Woche für eines der Zimmer besteht für Übersetzer, die aus armen Ländern den Weg in die Schweiz auf sich nehmen, auch die Möglichkeit, eine finanzielle Unterstützung zu beantragen.

          Nebenbei ist der Kanadier Professor für Romanistik in Montreal

          Einmal in der Woche kocht der Hausmeister, um die Gäste an einem gemeinsamen Tisch zu versammeln. Beim Abendessen gehen die verschiedenen Sprachen durcheinander. „Wie Urlaub für Übersetzer“, lächelt der 50-jährige Benoit Léger aus Kanada. Er hat einen kräftigen Händedruck. Kaum zu glauben, dass er mit so etwas Feinem wie der Sprache zu tun hat. Zurzeit übersetzt er ein Buch von Carol Shields, verschiedene Kurzgeschichten für Erwachsene mit dem Titel „The Orange Fish“ aus dem Englischen ins Französische. Benoit Léger übersetzt schon seit ungefähr 25 Jahren literarische Texte; nebenbei ist er Professor für Romanistik und lehrt Übersetzung und Übersetzungsgeschichte an der Concordia Universität in Montreal. Hier ist er zum fünften Mal. „Es ist schön, mit anderen Übersetzern zu sprechen, wenn man tagsüber alleine arbeitet. Zu Hause habe ich meinen Alltag, hier habe ich keine Ablenkung.“ Der idyllische Garten mit der Aussicht auf den Zürchsee, die imposante Alpenkette und das Wohnzimmer mit den bequemen Sesseln und den Panoramafenstern bieten die perfekte Arbeitsumgebung.

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