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U-23-Nationalspieler : Zum Training von Trier nach Qatar

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Zwischen Regionalliga und Asien-Cup – Alex Shehada spielt als Stürmer für die U-23-Nationalmannschaft Palästinas

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          Ach, die Hälfte der Klasse war eh immer weg.“ Alex Shehada erklärt, dass er das Glück hatte, an einem Sportgymnasium zu lernen. Der große, breitgebaute Mann mit kurzgeschorenen schwarzen Haaren und Bart spielte bis zur letzten Saison Fußball in der A-Jugend der Regionalliga Südwest für die SV 07 Elversberg und hat sein Fachabitur am Heinrich-Heine-Sportgymnasium Kaiserslautern bestanden. Außerdem spielt er als Stürmer für die U-23-Nationalmannschaft Palästinas. Wie lässt sich das vereinbaren? Sowohl für große Turniere mit der SV Elversberg als auch für die mehrwöchigen Aufenthalte mit der palästinensischen Nationalmannschaft wurde der 18-Jährige freigestellt. So auch im Jahr 2018 für sämtliche Qualifikationsspiele für den Asien-Cup. „Wir hatten zuerst ein einwöchiges Trainingslager, dann fanden in den Wochen danach die Qualifikationsspiele statt.“

          Trainiert wird ganz früh oder spät

          Spiele und Trainingslager können jedoch nicht in Palästina stattfinden, erzählt der Stürmer. Zu groß sei das Sicherheitsrisiko. Wie viele andere Nationalspieler darf er nicht nach Palästina einreisen, die Grenzen seien von israelischer Seite streng kontrolliert. Also weicht die Mannschaft aus. Mal nach Qatar, mal nach Jordanien, dort finden am Tag mehrere Trainigseinheiten statt, meistens frühmorgens und spät am Abend. „Wegen der Hitze geht das gar nicht anders.“ Mittags wird keinesfalls gefaulenzt. Es gibt Videoanalysen des Trainings und der Spiele ebenso wie Regenerationsmaßnahmen, beispielsweise mit elastischen Bändern. Damit alle Jungprofis genug schlafen, geben sie um 22 Uhr ihr Handy ab, um fit für den nächsten Tag zu sein. Shehada ist Kind einer gebürtigen Hamburgerin und eines palästinensischen Vaters. Der Vater hat Geschichte studiert und arbeitet nun als Autor. Er entschied sich wegen des Krieges in seinem Heimatland, in Deutschland zu studieren. Dort angekommen, gelangte er über Köln nach Trier und lernte da Alexander Shehadas Mutter kennen. Sie war mit ihrer Familie von Hamburg in die Nähe Frankfurts gezogen. In Trier studierte sie für das Gymnasiallehramt und ist heute Lehrerin. Alexander Shehadas Familie ist so an vielen Orten daheim.

          Sein erster Profivertrag

          Er spielt für die palästinensische Nationalmannschaft, wohnt in Trier, Rheinland-Pfalz, spielte in der letzten Saison aber auch für die SV Elversberg im Saarland. Bei diesem Verein stürmte er nach Stationen bei der Eintracht Trier und dem 1. FC Kaiserslautern. Nächste Saison spielt er für eine Mannschaft in der Nähe Hamburgs. Wo fühlt er sich daheim? Er fühle sich sowohl deutsch als auch palästinensisch. Sein Zuhause ist Trier. Zu Hause kochen Mutter und Vater mal typisch arabisch, mal typisch deutsch, Alex isst beides gerne. Als er 2018 erstmals über Facebook von einem Betreuer der palästinensischen Nationalmannschaft kontaktiert wird, zögert der Sportler nicht. Er ist stolz darauf, für Palästina zu spielen, und wird das auch zukünftig tun. „Ich habe mich für Palästina entschieden“, antwortet er auf die Frage, ob er sich auch vorstellen könnte, für die deutsche Nationalmannschaft zu spielen. Für die nächste Saison, seine erste Saison im Herrenbereich, hat Shehada bei der SV Drochtersen/Assel seinen ersten Profivertrag unterschrieben, vierte Liga, aber der Club spielt nächstes Jahr DFB-Pokal. Er hofft, dass er dort ebenso erfolgreich ist wie mit der SV Elversberg, mit dem er 2019 die A-Jugend Regionalliga Südwest und den Saarlandpokal gewann. Die wichtigen Relegationsspiele gegen Offenbach, die einen Aufstieg in die Jugendbundesliga ermöglichen, hat der Verein verloren. Shehada wird sich entscheiden müssen, einige Termine mit der Nationalmannschaft wird er wahrscheinlich verpassen. Er möchte sich zuerst darauf konzentrieren, im neuen Verein Fuß zu fassen, dort die Saisonvorbereitung absolvieren. Wenn er für wichtige Spiele nominiert wird, möchte er trotzdem nach Jordanien oder Qatar fliegen, um sich das Trikot der Palästinenser überzustreifen.

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