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Turniertanz : Die Rumba beschert Gänsehaut

  • -Aktualisiert am

Bild: Anke Kuhl, Labor Frankfurt

Sie schwitzen, um einen Pokal zu ertanzen. Junge und junggebliebene Paare auf dem Nichtturniertänzer-Turnier im kleinen bayrischen Ort Lauf an der Pegnitz.

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          Tanzen ist die Poesie des Fußes, sagt der englische Dichter John Dryden. Ähnlich ansprechende Beschreibungen könnten auch auf die 39 Tanzpaare aller Altersklassen zutreffen, die in der Tanzschule Steinlein in Lauf an der Pegnitz beim Nichtturniertänzer-Turnier der TSG Bavaria aufeinandertreffen. Von acht Tanzschulen aus Bayern sind die Tanzbegeisterten angereist. Unter den Teilnehmern ist auch die achtzehnjährige Schülerin aus Ansbach Ann-Kathrin Kuchta. Ihre blauen Augen sind mit goldenem Glitzer umrandet, ihr Körper ist in ein wunderschönes rotes Kleid gehüllt. Ihr Auftreten ist selbstbewusst. Zunächst hat sie auch keinen Grund zur Unruhe, weil die Veranstaltung nach einführenden Worten und der Vorstellung der Kampfrichter mit einer Sichtungsrunde für Standard beginnt, deren Ziel es ist, die startenden Paare in zwei ungefähr gleich große Gruppen aufzuteilen.

          Da es für Ann-Kathrin und ihren gleichaltrigen Tanzpartner Martin Schweyer das erste Turnier ist, plädierte er nur für die Teilnahme in der Kategorie „lateinamerikanische Tänze“. „Eigentlich wollte ich alles auf einmal machen, aber am Anfang ist es wahrscheinlich gar nicht so ungeschickt, die ganze Sache etwas ruhiger anzugehen“, gesteht sich nun auch Ann-Kathrin ein. So lehnen sich die beiden entspannt zurück, während auf Grund der hohen Teilnehmerzahl vier standardtanzende Gruppen ausgelost werden, die im Wechsel Langsamer Walzer, Tango und Quickstep tanzen. Auf Wiener Walzer wird aus Zeitgründen zunächst verzichtet.

          Nur eine Gruppe ist auffallend homogen

          Unter den vielen Zuschauern werden erste Spekulationen über mögliche Sieger geäußert. In den Gruppen zeigen sich Niveauunterschiede im Hinblick auf Technik und Figurenreichtum. Nur eine Gruppe ist in einem Punkt auffallend homogen. In ihr wurden die älteren Mitstreiter zusammengefasst, um sie nicht gleich zu Beginn durch die Dynamik, die das ein oder andere jüngere Paar an den Tag legt, zu demotivieren. Eine etwas ältere Dame am Nebentisch sagt: „Da haben wir keine Chance. Uns geht doch schon nach der Hälfte der Zeit die Luft aus.“ Nach einer Pause, in der die Tanzschule Pizza, Kuchen und Eis anbietet, wird es spannend für Ann-Kathrin.

          Nun sind die Lateintänzer gefordert. Erneut in vier Gruppen aufgeteilt, präsentieren die Paare Cha-Cha-Cha, Samba und Rumba. Ann-Kathrin ist in ihrem Element. „Rumba ist mein Lieblingstanz, weil dabei so viel Gefühl im Spiel ist, dass man eine Gänsehaut bekommt.“ Eine gute Figur geben Ann-Kathrin und Stefan bei allen Tänzen ab, doch ist die Konkurrenz groß, und die beiden bangen, ob sie der besseren Kategorie zugeordnet werden. Zuerst wird das Ergebnis für die Standardtänzer bekanntgegeben. Man sieht strahlende Gesichter, aber auch den einen oder anderen, der sich enttäuscht abwendet, weil er „nur“ Gruppe B erreicht hat. Weiterhin besteht für alle die Hoffnung auf einen Pokal oder eine Urkunde, denn die beiden entstandenen Gruppen ermitteln nun unabhängig voneinander einen Sieger sowie einen Zweit- und Drittplazierten.

          Deo-Haarspray-Wolken in der Damentoilette

          Außerdem setzen viele ihre Erwartungen auf die Lateintänze. Ann-Kathrin strahlt: „Wir haben uns für die A-Gruppe qualifiziert. Ich bin sehr glücklich darüber, schließlich trainiere ich mindestens vier Mal die Woche.“ Für viele bleibt allerdings wenig Zeit, sich beglückwünschen zu lassen, denn der straffe Zeitplan geht bereits zum nächsten Punkt über: Die Vorrunden in Standard B und anschließend Latein B. An diese schließen sich die Vorrunden der A-Gruppen an. Immer wieder verschwinden die geschminkten Mädchen in der Garderobe, um ihre langen schwarzen Röcke gegen kurze, ihre Standardschuhe mit den Fünf-Zentimeter-Absätzen gegen Lateinschuhe mit sieben Zentimetern auszutauschen. In der Damentoilette wird man von einer Deo-Haarspray-Wolke eingehüllt. Der Spiegel ist belagert von jungen Frauen, die ihr Make-up auffrischen. Es fliegen Sätze hin und her wie „In den Schuhen lauf’ ich mir heute noch Blasen“, oder „Schrecklich, wie rot ich im Gesicht bin!“

          Von solcher Hektik bleiben Zuschauer und Richter verschont. Den einen oder anderen Richter sieht man während der Pausen Freestyle tanzen und Späße treiben. Für Abkühlung sorgt ein kleiner Swimmingpool, in dem die Tänzer ihre Füße baden können. Ernst wird es erst, wenn die gegeneinander antretenden Paare für die nächste Runde aufgerufen werden. Dann gibt es skeptische Blicke, wird die Konkurrenz unter die Lupe genommen. „Wenn die beiden da hinten weiter sind, dann schaffen wir es auch auf jeden Fall!“, lässt ein vorübergehendes Paar verlauten.

          Von den eigenen Erfolgen zu Tränen gerührt

          Immer mehr Paare scheiden aus. Auch Ann-Kathrin schafft es nicht, unter die sechs Besten zu kommen, doch mit ihrem 10. Platz kann sie sehr zufrieden sein. Für die Finalisten hingegen ist es Anspannung pur. Vier Tänze am Stück. Zunächst im Standard, dann die Lateintänze. Die Gesichter sind inzwischen gerötet, die Hemden nassgeschwitzt, die Füße angeschwollen. Doch alle haben ein Lächeln auf den Lippen. Richtig professionell. Nachdem die letze Finalrunde vorüber ist, streben die Paare für einen Jive oder Discofox auf die Fläche. Nun können sie endlich entspannt tanzen, manch einer läuft zu ungeahnten Höchstleistungen auf, jetzt, wo der Stress vorbei ist.

          Beim Verkünden der Sieger ist die Stimmung mitreißend. Einige werden von den eigenen Erfolgen zu Tränen gerührt, immer wieder wird die Bekanntgabe von Jubelrufen unterbrochen. Die Gewinner halten Pokale in der Hand. Unter ihnen Vertreter der Tanzschule Ansbach, die nicht durch jugendlichen Ehrgeiz, sondern durch Erfahrung und enormes Können hervorstachen. Als Gesamtsieger gehen die aus Augsburg angereisten Studenten Daniel Liermann und Patrizia Hauff mit einem zweiten Platz im Standard A und einem ersten Platz im Latein A hervor. „Was will man mehr?“, fragt Patrizia in diesem Augenblick des Glücks.

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