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Tierheim : Justin Biebers Affe war hier

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Manches erinnert an einen kleinen Zoo, aber es ist ein Tierheim. Auch in München stranden vernachlässigte Tiere. Die Mitarbeiter fangen viel Leid auf.

          Durch ein heruntergekommenes Gebäude führen dunkle Gänge mit Käfigen – in Filmen ist eine derartige Darstellung keine Seltenheit. Im Tierheim München sieht es anders aus. Vom Parkplatz geht man über eine kleine Holzbrücke über einen Bach und erreicht die Altbauten, vorbei an Vogelvolieren, aus denen munteres Zwitschern zu vernehmen ist. Hinter einem Waschbärengehege befindet sich ein Teich, in dem Enten baden. Kurz dahinter liegt ein Gehege, das sich eine Ziegenfamilie mit einigen Sultanhühnern teilt. „Wir hatten auch schon ein Minipig“, sagt Mitarbeiterin Iris Greune. Auch der Affe von Justin Bieber, der 2013 beschlagnahmt wurde, war zu Gast. Obwohl das Gelände an einen Zoo erinnert, gibt es einen Unterschied: Das Tierheim kann sich seine Bewohner nicht aussuchen. Es nimmt Fundtiere auf, die von Privatpersonen, manchmal auch von der Polizei aufgegriffen werden. „Im Winter hatten wir über 200 Igel hier“, erklärt Iris Greune: „Es ist halt wahnsinnig viel Aufwand, allein das Saubermachen.“ Da kommt die Frage nach der Finanzierung auf. Die Stadt übernimmt die Kosten für die Fundtiere, denn die Versorgung dieser Tiere gehört zu den kommunalen Aufgaben. „Die Fundtiere sind aber nur ein kleiner Teil der Tiere, die hierherkommen“, sagt Iris Greune. Zum anderen gibt es Tiere, die von ihren Besitzern aus verschiedenen Gründen nicht mehr gehalten werden können. Es kommt auch vor, dass Tiere aufgrund von Vernachlässigung und Quälerei vom Veterinäramt beschlagnahmt werden. In seltenen Fällen versuchen die früheren Besitzer ihre Tiere teils mit Gewalt zurückzuholen. „Es ist manchmal schon gruselig“, bemerkt Greune.

          400 Wellensittiche in einem Zimmer

          Das Heim ist zum größten Teil auf Spenden angewiesen. Daher ist es eine große Hilfe, dass zu den etwa 60 Angestellten rund 100 Ehrenamtliche kommen, die das Tierheim täglich unterstützen. Zum Teil sind dies Rentner, die mit den Hunden spazieren gehen. Einige Hunde sind zu dritt oder viert in einem Gehege, um ihre Verträglichkeit mit anderen Hunden zu verbessern. Im Erdgeschoss des Kleintierhauses werden die Kaninchen gehalten, in der oberen Etage andere Nagetiere und kleine Vögel. Schon auf der Treppe hört man lautes Zirpen und Fiepen. Zurzeit sind 400 Wellensittiche in Quarantäne. Sie waren in einem Zimmer einer Münchner Wohnung untergebracht. Ein typischer Fall von „animal hoarding“, krankhaftes Sammeln verwahrloster Tiere. Um die Versorgung der Sittiche und anderer kranker oder verletzter Tiere kümmern sich sechs Tierärzte. Sie behandeln auch Tiere von armen Menschen, die sich das nicht leisten können.

          Neu ist das Katzendorf. Von außen wirkt der weiße Gebäudekomplex wie ein futuristisches Bürogebäude. Die Katzen leben in liebevoll mit Decken und Kratzbäumen eingerichteten Zimmern, in die Tageslicht fällt. Bauarbeiten für ein Hunde-Gebäude laufen. Dort soll ein Bereich für die Tierärzte entstehen mit OP-Möglichkeiten. Erklärtes Ziel ist natürlich, die Tiere weiterzuvermitteln. Das gelingt ganz gut. Etwa 70 bis 80 Prozent der Tiere, die ins Tierheim kommen, werden nach sechs bis acht Wochen wieder vermittelt. Gibt es mehrere Interessenten, wird entschieden, welches Zuhause am besten für das Tier ist. Wenn man ein Tier aufnehmen möchte, wird in der Regel eine Vorkontrolle durchgeführt. Auf den neuen Besitzer kommt eine Schutzgebühr zu, bei einem Hund sind das 200 bis 300 Euro, die zum Beispiel für die durch das Impfen oder Chippen entstehenden Kosten verwendet werden. Später gibt es eine unangekündigte Nachkontrolle. „Das erscheint manchen Leuten recht streng, aber wir wollen natürlich nicht, dass die Tiere nach ein paar Wochen wiederkommen“, erklärt Greune.

          Rottweiler sind schwer vermittelbar

          Acht Rottweiler leben hier, die schwer zu vermitteln sind. Sie werden nur an Personen abgegeben, die Erfahrung mit dieser Rasse haben. Um die Vermittlungschancen zu erhöhen, werden mit diesen Hunden besondere Trainings durchgeführt. Die Trainer unterstützen die neuen Besitzer, um Tier und Halter einen guten Start zu ermöglichen. Auch der Affe von Justin Bieber hat ein neues Zuhause gefunden. Nachdem er nicht aus dem Tierheim abgeholt wurde, hatte das Bundesamt für Naturschutz entschieden, den Affen in den Serengeti-Park Hodenhagen in Niedersachsen zu bringen. Nach der Quarantäne ist der Versuch, den Affen in die dort lebende Gruppe zu integrieren, geglückt: Das jüngste Affenweibchen entpuppte sich als verliebter Groupie.

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