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Tenor : Düstere Winterreise

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Bevor er singt, will er ganz genau wissen worüber und fühlt sich in den Text ein: Der junge portugiesische Tenor probt intensiv.

          João Terleira wurde von klein auf von seinem Vater, einem Bassisten, in die Musik eingeführt. Sein Vater hört gern kubanische Musik und Rock, aber auch klassische. Seine Mutter meldete ihn mit acht Jahren zum Klavierunterricht an. Mittlerweile hat der 31-Jährige den Unterricht aufgegeben, da er mit 16 Jahren seine Leidenschaft für den Gesang entdeckt hat. Nachdem er zuerst an der Faculdade de Ciências in Porto ein Biochemiestudium angefangen hatte, absolvierte er an der Escola Superior de Música e Artes do Espetáculo in Porto ein Gesangsstudium. Zwischen 2013 und 2015 studierte er auch in der belgischen Stadt Gent. Der Tenor, der in Caminha geboren wurde, gibt Konzerte in Portugal, Deutschland und Österreich. In Portugal hat er in berühmten Orten, wie in der Casa da Música, in der Igreja da Lapa und Igreja da Sé in Porto gesungen. Weiterhin hatte er bereits Engagements in der Vlaamse Opera in Gent, Belgien, und hat in der letzten Zeit in Kiel gearbeitet. Noch dieses Jahr wird João Terleira neue Projekte in Eutin und in Linz in Angriff nehmen.

          Mit dem Rotweinglas aufs Sofa

          „In meiner Schule hatte ich Deutschunterricht von der siebten bis zur neunten Klasse, der sehr hilfreich für das Verständnis und für den Akzent war, obwohl ich nicht so viele Vokabeln gelernt habe“, sagt João, weil er aufmerksam die Unterschiede zu seinen Freunden bemerkt, die erst mit 28 Jahren Deutsch lernen. Um ein neues Stück einzustudieren, fängt João immer mit dem Text an. Zunächst will er verstehen, was im Text steht, was er bedeutet und wie er interpretiert werden kann, indem er ganz ruhig mit seinem Rotweinglas auf dem Sofa sitzt, um sich in den Text einzufühlen. Er erwähnt, dass die deutsche Sprache gefühlvoll ist, aber im Gegensatz zu den romanischen Sprachen die Wörter nicht so stark verbunden werden. „Dank meinem Kontakt mit der deutschen Sprache und meinem Gesangslehrer, der in Deutschland studiert hat, ist alles nicht so kompliziert für mich“, erklärt er. Um deutsche Werke zu singen, fängt João immer sechs Monate früher an, sie zu lernen, bevor er sie im Konzert singt.Terleira ist Gründer der A-cappella-Gruppe Contraponto, die 2016 mit dem goldenen Knopf von Got Talent Portugals ausgezeichnet wurde und für die er Stücke arrangiert.

          Jedesmal hat er Lampenfieber

          Gefragt, ob er Unterschiede bemerkt, wenn er in Deutschland und Belgien oder in Portugal singt, sagt er, dass es in Portugal vielleicht ein kleineres Publikum gibt, weil die Lieder meist in einer fremden Sprache gesungen werden. Opern sind in Deutschland und Belgien für alle verständlicher. „Wenn es hier in Portugal ein größeres Angebot an Opernaufführungen geben würde, dann würden die Personen auch mehr Opern besuchen. Ich kann es aus eigener Erfahrung sagen, dass, als ich im letzten Januar in der Casa da Música die ,Winterreise‘ gesungen habe, immerhin 600 Personen da waren. Aber ich glaube, dass die meisten vorher nie geglaubt hätten, dass sich so viele Portugiesen für einen Liederzyklus von Schubert interessieren würden“, sagt der portugiesische Tenor. Die „Winterreise“ hat ihn viel Zeit gekostet, nicht nur wegen der Länge des Zyklus, sondern auch wegen der Bedeutung des Textes. „Als ich die Einladung bekam, die ,Winterreise‘ zu singen, habe ich mir überlegt, ob ich überhaupt fähig bin, dieses Werk zu stemmen. Der Text dieses Stückes ist sehr intensiv und düster für mein Alter – ich meine, er wäre eigentlich etwas für ältere Sänger, die schon mehr Lebenserfahrung haben.“ Jedes Mal, wenn João Terleira die Bühne betritt, hat er Lampenfieber. „Ich fühle, als ob mein Herz fast aus dem Mund rauskommen würde. Und je kleiner das Publikum ist, desto nervöser fühle ich mich – auch wenn ich für meine Eltern singe, ist es nicht angenehm –, trotzdem glaube ich, das ist eigentlich normal“, sagt der Tenor.

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