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Stuttgarter Wilhelma : Die Affen beobachten uns wie wir sie

  • -Aktualisiert am

Bild: Jörg Mühle

In Corona-Zeiten mit weniger Besuchern verhalten sich einige Tiere in der Stuttgarter Wilhelma anders. Überhaupt sind langfristige Schäden noch unklar.

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          Plötzlich standen die Antilopen neben den Giraffen.“ Harald Knitter schüttelt den Kopf. Ein solches Verhalten ist dem Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stuttgarter Wilhelma noch nie untergekommen. „Als ich mich ihnen näherte, rannten sie sofort davon.“ Das Nebeneinander der scheuen Antilopen und der großen Giraffen zeigt sich tatsächlich nicht, solange der beliebte Zoologisch-Botanische Garten geöffnet hat. Doch die Corona-Krise mit ihrer unnatürlichen – oder vielleicht natürlicheren – Ruhe scheint die Hornträger ermutigt zu haben, auch mal außerhalb ihrer Komfortzone nach dem Rechten zu schauen. Seit die Wilhelma nach fast zwei Monaten der kompletten Schließung im Mai ihre Pforten wieder geöffnet hat, freilich mit einer auf 6000 limitierten Besucherzahl am Tag, suchen die Antilopen wieder Schutz zwischen kleinen Felsen ihres Geheges.

          Hier leben rund 11 000 Tiere

          Als einer der größten und meistbesuchten Zoos Deutschlands beherbergt die Wilhelma insgesamt rund 11 000 Tiere. Da zeigte sich in diesem Frühjahr auch anderes auffälliges Verhalten, zum Beispiel im Affenhaus. „Wenn wir Besucher haben, dann beobachten die Affen uns genauso wie wir die Affen“, erläutert der 52-jährige Knitter, der im grünen Wilhelma-Pullover durch die Anlage führt. Corona bedeutete für die Menschenaffen manchmal also schlicht – Langeweile. Deshalb bemühten sich die Tierpflegerinnen und -pfleger darum, ihre Schützlinge durch neue Spielzeuge oder das Verstecken des Futters auf Trab zu halten. Salatköpfe hingen von der Decke herunter, Bälle brachten Farbe ins Gehege mit seinen Gewirr aus Kletterseilen.

          Wer hingegen in der veränderten Situation stoisch bei seinen Verhaltensmustern blieb, das waren die Fische und anderen Aquarien- und Terrarienbewohner. Wie steht es seit der Wiedereröffnung eigentlich um das Infektionsrisiko für die Zoobewohner durch die Besucher? Tatsächlich besteht eines auch für die Tiere. Laut Knitter ist die Forschung inzwischen so weit, dass nachgewiesen ist, dass alle Katzenartigen und Hundeartigen sich mit Covid-19 anstecken können, ebenso Affen und Hamster. Daher dient die Maskenpflicht in der Wilhelma nicht nur dem Schutz der Besucher, sondern auch dem ihrer Bewohner. Anders als im New Yorker Bronx-Zoo, in dem sich acht Großkatzen mit dem Coronavirus infizierten, ist in der Wilhelma bislang kein Tier erkrankt.

          Zwei Monate ohne Einnahmen

          Auch der beliebte Zoo in Stuttgart ist von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise nicht verschont geblieben. „Wir hatten zwei Monate keine Einnahmen“, berichtet Knitter. Dies entspreche einem Verlust von rund drei Millionen Euro. Welche langfristigen Schäden und nachhaltigen Veränderungen die Pandemie für die Wilhelma haben wird, ist noch nicht abzusehen. Bislang hat man versucht, aus der Not eine Tugend zu machen. So wurde der Zeitraum des Lockdowns für die schon lange geplante Sanierung der Wege genutzt. Insbesondere die Arbeiten am häufig besuchten und mit vielen Blumen verschönerten Maurischen Garten konnten erheblich vorangebracht werden. Zur Vermeidung von Gruppenbildungen mit zu geringem Abstand werde es vorerst keine öffentlichen Fütterungen oder ähnlichen Veranstaltungen in der Wilhelma geben, sagt der Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit noch. Dies könne sich jedoch in Abhängigkeit von der allgemeinen Infektionslage kurzfristig wieder ändern. Harald Knitter setzt ein zuversichtliches Lächeln auf: „Wir hoffen auf eine baldige Rückkehr zur Normalität.“

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