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Steinofenbäcker : Auf Tuff gebacken

  • -Aktualisiert am

Inzwischen sind sie rar, die Bäckereien, die auf alte Handwerkskunst setzen. Aber in der Südeifel gibt es einen Steinofenbäcker in siebter Generation.

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          Bäckereien wie wir sind eine echte Rarität“, sagt der Bäckermeister. Aber es gibt sie noch, die traditionelle Handwerkskunst des Backens. Umgeben vom Duft frischgebackener Brote und Brötchen, berichtet Bäckermeister Manfred Mannebach in seiner kleinen Bäckerei im Eifelstädtchen Kempenich im Brohltal von seinem Beruf. Traditionell in schwarzweiß karierter Bäckerhose und weißem T-Shirt gekleidet, steht der 70-Jährige in seiner urigen Backstube. Gebacken wird dort in zwei Steinöfen, die nach dem Königswinter-Modell gebaut wurden und ausschließlich mit Buchen- und Eichenholz befeuert werden. Die Öfen begleiten Mannebach schon sein ganzes Leben, da sie rund 100 Jahre alt sind. Sie werden nur zweimal am Tag angeheizt, da sie die Temperaturen lange halten können, weil sie von Sand umgeben sind. Die Produkte werden je nach Backzeit und benötigter Temperatur in zwei Durchgängen direkt auf aus der Umgebung kommendem Weiberner Tuff gebacken, ganz ohne Backbleche. Einzig die Teige werden in den zwei vorhandenen Maschinen hergestellt, dies aber auch nur, um Zeit zu sparen. „Da geht einem das Herz auf, wenn die Ware nach harter Arbeit schön geworden ist“, sagt der Bäcker stolz. Der Familienbetrieb der Mannebachs ist in der siebten Generation, es gibt ihn mehr als 350 Jahre.

          Ein Arbeitstag dauert 10 bis 14 Stunden

          „Warum sind noch keine Brötchen da?“, fragten manche Kunden, die nichts von der harten Arbeit ahnten und das Handwerk nicht zu schätzen wüssten, berichtet der Bäckermeister. Aber das hindert den fröhlichen Mann nicht daran, seinen Beruf zu lieben. Mannebach erklärt, dass in seinem Betrieb nicht auf das Aussehen der Ware geachtet wird, sondern der Geschmack im Vordergrund steht. „Kein Arbeitstag läuft ab wie der andere.“ Der meist 10- bis 14-stündige Arbeitstag ist hart, da in dieser Zeit Teige hergestellt werden und die Waren in zwei Backdurchgängen abgebacken werden müssen, was ziemlich riskant ist, da keine Ware mehr nachgebacken werden kann, weil der Ofen nur zweimal am Tag befeuert wird. Was den Betrieb so besonders macht und von vielen anderen Bäckereien unterscheidet, sind die beschränkte Produktkapazität und die besonders familiäre Atmosphäre in der Backstube. Ihre Sauerteige setzen sie selber zusammen, und das fordert chemisches Knowhow. Es gibt viele Stammkunden, manche kommen aus Köln und Düsseldorf. „Man schmeckt noch richtig die Zutaten heraus und nicht die Chemie wie bei manchen Großbäckereien“, sagt eine Stammkundin. Das Sortiment im urig wirkenden Verkaufsraum wechselt fast jede Woche. Es gibt also immer wieder etwas Neues zu probieren.

          Mannebach sieht andere Bäckereien, auch Großbäckereien, nicht als Konkurrenz, da seine Kunden das traditionelle Handwerk zu schätzen wissen. Die nächste Generation des Betriebes ist bereits durch den 21-jährigen Sohn Loren gesichert, der die Begeisterung seines Vaters für das herkömmliche Backen teilt. Somit ist der Erhalt des Familienbetriebes für die nächsten Jahrzehnte gesichert.

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