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Brunnenheizer in Basel : Baden in Basels Brunnen

  • -Aktualisiert am

Bild: Zuni Fellehner und Kirsten Fabinski

Ein Künstlerkollektiv beheizt in den kalten Monaten die Stadtbrunnen Basels und beschert ein warmes Wintervergnügen.

          4 Min.

          Zu dritt ziehen sie jeden zweiten Mittwochmorgen mit Fahrrad und Anhänger, gefüllt mit Holz und ihren riesigen Apparaturen, durch die Stadt. Ob sie Schnaps brennen, sei die Standardfrage, erzählt der 29-jährige Silvan Waidmann. Er ist einer der 19 Brunnenheizer der Stadt Basel. Der rotbraune Hollywoodian-Bart und sein ebensolches schulterlanges Haar lassen seine künstlerische, offene Art erahnen. Besonders gut gefallen ihm die komischen Blicke der Passanten, die völlig verblüfft sind, wenn sie den Brunnenheizern bei ihrer Arbeit zusehen. „Das chan ä gueti Basis für interessanti Gspröch si.“ Zwischen acht und neun Uhr beginnt die Arbeit für drei von ihnen. Man spricht vom Heiztag. Den ganzen Tag über geben sie alles, um einen Basler Stadtbrunnen zu erhitzen, damit am Abend das Spektakel losgehen kann: das „Brunnen gehn“. In Basel wird nämlich jeden zweiten Mittwoch zwischen November und März ein Stadtbrunnen badetauglich gemacht. Offen ist diese Aktion für alle.

          200 öffentliche Brunnen

          Basel hat den Ruf der Brunnenstadt und ist stolz auf seine über zweihundert öffentlichen Brunnen: „Me dörf au i de Brünne bade. Vo dem her isch es au chli d Idee gsi die Tradition z verfestige und s au im Winter z mache“, erklärt der Heizer. Das Projekt wurde 2016 vom Künstlerkollektiv „Hotel Regina“ aufgegriffen, die die Brunnen wieder zu einem sozialen Treffpunkt erwecken wollten. Als die „Industriellen Werke Basel“ 1866 erstmals Trinkwasserleitungen direkt zu den Häusern führten, verloren die Stadtbrunnen ihre soziale Funktion. Ob man sie früher auch schon geheizt hat, um darin zu baden, ist unbekannt. Auf jeden Fall erwärmte man diese, um sie eisfrei zu halten. Im Januar 2017 heizte das Künstlerkollektiv erstmals wieder. Das Unternehmen wird durch eine Kollekte, Stiftungen sowie von „Gönnern“ finanziert. Zu diesen gehört man ab einem Beitrag von 100 Franken. Einen Chef gibt es nicht, sie versuchen die Hierarchie möglichst flach zu halten. Grundsätzlich kostet das „Brunnen gehn“ zwischen 5 und 25 Franken, die in die Kasse am Empfang fließen. Da es eine Kollekte sei, könne man auch, wenn man bei knapper Kasse sei, nichts bezahlen.

          Mit fußpedalbetriebener Pumpe

          Mit einem selbst gebauten Holzofen, vier Schläuchen, einer mit Pedal betriebenen Pumpe und jeder Menge Holz gelingt es ihnen, den Brunnen in acht bis neun Stunden auf 37 bis 41 Grad zu erwärmen. Der Heizprozess ist mit einem Durchlauferhitzer zu vergleichen. Den ersten Schlauch koppelt man mit dem Brunnenhahn, sodass das kalte Wasser direkt zum Ofen läuft. Im Idealfall kommt es dann mit 60 Grad wieder aus dem Ofen heraus und fließt direkt in den nächsten Schlauch. Das aufgeheizte Wasser gelangt nun in den Brunnen, der zu drei Vierteln gefüllt ist. Wenn der Wasserstand hoch genug ist, sodass es den Gästen später beim Baden ungefähr bis zu den Schultern reicht, schaltet man um. Der Hahn wird also abgestellt, und man beginnt, das Wasser aus dem Brunnen durch einen weiteren Schlauch durch den Ofen umzupumpen mit einer fußpedalbetriebenen Pumpe, die mit Ketten, Zahnrädern und einer Dreigangschaltung ausgestattet ist. So entspannt, wie es aussehe, sei es aber nicht. „Eben wie Fahrradfahren“, findet Waidmann schmunzelnd. Durch das ständige Treten bleibt das Wasser, das sich schon im Brunnen befindet, immer im Umlauf. Ziel ist, dass es nach dem Ofen wiederum 60 Grad erreicht.

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