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Sportkommentator : Über zwei Leitern zu seinem Kommentatorenplatz

  • -Aktualisiert am

Randerscheinung mit Überblick: Reto Spörri arbeitet als Sportjournalist fürs Schweizer Fernsehen. Nur selten ist ihm langweilig

          Wie kann man denn den nicht machen?“ Reto Spörri springt vom Kommentatorenstuhl auf und wundert sich, dass der Spieler das leere Tor nicht getroffen hat. Das ganze Stadion steht, die Zuschauer sind angespannt. Spörri ist in der Bossard Arena, der Eishockeyhalle des Eissportvereins Zug. Dieser spielt im Achtelfinale der Champions Hockey League gegen den EHC Red Bull München und liegt mit 0:2 hinten. Während im Stadion die Wiederholung der verpassten Großchance abgespielt wird, geht ein Raunen durch das Publikum, denn mit diesem Tor wäre ihre Mannschaft für das Viertelfinale qualifiziert.Vier Stunden vorher kam der 52-Jährige am Medieneingang des Stadions an und betrat den Regiewagen. „Ich hätte gerne von den folgenden sechs Spielern Bilder vom Aufwärmen“, teilte er dem Regisseur mit. Diese sechs Spieler und ihre Statistiken werden den Zuschauern kurz vor Spielbeginn eingeblendet. Vom Regisseur erhielt er auch einen Presseausweis, mit dem er den Medienraum benutzen kann. Dort können sich Journalisten, Statistiker und Kommentatoren verpflegen.

          In Verbindung mit dem Regiewagen

          „Alles oder nichts ist heute das Motto für beide Mannschaften. Damit herzlich willkommen zum Spiel zwischen dem EV Zug und Red Bull München.“ Zu Testzwecken spricht er seine vorbereitete Einleitung ins Mikrofon. „Super. Es funktioniert alles“, sagt der Regisseur. In der modernen Arena befindet sich Reto Spörris Arbeitsplatz in der obersten Reihe. Auf dem Tisch steht ein Gerät, Codec genannt, mit dem er das Mikrofon ein- und ausschalten, die Lautstärke des Headsets verstellen oder sich mit dem Regiewagen verbinden lassen kann. Daneben befindet sich ein Monitor, auf dem die Fernsehübertragung eingeblendet ist. Auf dem Tisch liegen Blätter mit vorbereiteten Unterlagen, wie Statistiken oder Aufstellungen der beiden Teams. „Ich wähle heute die beiden Trainer, den Torhüter von München und Albrecht von Zug“, erklärt er dem Aufnahmeleiter in der zweiten Pause. Der hat seinen Arbeitsplatz am Spielfeldrand und gibt dem Kommentator Informationen, wie zum Beispiel, welcher Spieler eine Strafe absitzen muss. Mit den erwähnten Spielern und Trainern wird Spörri nach dem Spiel ein Interview führen. „Eine Fernsehproduktion setzt eine starke Teamarbeit voraus. Jeder hat seine Aufgabe, und jeder hängt vom anderen ab.“

          Hauptberuflich bei einer Versicherung

          Spörri kommentiert Fußball und Eishockey. In der Schweiz ist er vor Ort. „Wenn die Spiele im Ausland stattfinden, zum Beispiel ein italienisches Fußballspiel, erstatte ich vom Studio des Senders Teleclub in Volketswil aus Bericht“, erklärt der Reporter, der bis vergangenen September Seit mehr als 30 Jahren besitzt er eine Saisonkarte bei den SC Rapperswil-Jona Lakers und besucht so gut wie jedes Spiel. Hauptberuflich arbeitet er bei einer Versicherung.

          Bei einem Einsatz im Winter in Ambri im Tessin hatte er eine Autopanne. „Ich bin erst fünf Minuten nach Spielbeginn im Stadion angekommen. Zudem ist die Infrastruktur in Ambri so schlecht, dass ich über zwei Leitern zum Kommentatorenplatz klettern musste.“ Manchmal, vor allem im Fußball komme es vor, dass ein Spiel langweilig ist. Das sei aber das Einzige, was ihn an seinem Beruf stört. Das Spiel in Zug ist die ganzen 60 Minuten spannend. Im ersten und dritten Drittel dominiert der EV Zug, trotzdem schafft es der Schweizer Vertreter nicht, das wichtige Tor zu erzielen. Die Mannschaft aus München ist effizienter. Reto Spörri schaut oft auf seine Unterlagen, um den Kommentar mit Statistiken und Zahlen anzureichern. Auch den Monitor mit der Fernsehübertragung benutzt er oft, Eishockey ist eine schnelle Sportart, man muss Szenen oft zweimal anschauen. Nach dem Spiel eilt er zum Spielfeldrand, wo die Interviews stattfinden werden. Er rennt durch die Gänge, wo die Garderoben sind, bis zum Ende des Tunnels, der zum Eisfeld führt. „Was denken Sie über das Spiel heute Abend?“, fragt er Don Jackson, den Trainer der siegreichen Mannschaft. Während die Fans von Red Bull ihre Mannschaft feiern, begeben sich die Zuger enttäuscht in die Garderobe. Für Reto Spörri ist der Einsatz beendet.

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