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Spiel das Jahres 2010 : „Dixit“ spielt mit Bildern und Gedanken

„Dixit”, das sind 84 großformatige Karten, die das Gedankenspiel bestimmen Bild: dpa

Das Kartenspiel „Dixit“ ist Spiel des Jahres 2010. Damit hat ein Spiel gewonnen, das sich mehr durch Kommunikation auszeichnet als durch Strategie. Es geht darum, was die Spieler aus 84 Bildkarten machen: eine Geschichte nämlich.

          „Dixit“ bedeutet, so weiß der Lateiner, so viel wie „er, sie, es hat gesagt“. „Dixit“ heißt nun auch das „Spiel des Jahres 2010“, das wie jedes Jahr von einer Kritikerjury gewählt wird, seit 1979 schon. Und gesprochen, so viel kann man schon sagen, wird bei diesem Spiel wirklich viel. Im Mittelpunkt stehen 84 Bildkarten mit unterschiedlichen Motiven: ein Mensch hinter Glas in einer Schneekugel, eine Schnecke, die eine unendliche Treppe hinaufkriecht, ein Teufel, der aus den Augen eines Würfels wächst. Dann geht es darum, was die Spieler daraus machen: eine Geschichte nämlich, manchmal genügt auch nur ein kurzer Satz.

          Jeder Spieler hat sechs Karten verdeckt vor sich liegen. Wer als Erzähler an der Reihe ist, wählt sich eine aus und sagt, was er damit assoziiert. Jeder Mitspieler gibt eine seiner Karten hinzu, damit es noch ein bisschen schwieriger wird. Dann werden die Karten gemischt und aufgedeckt. Welche Karte war es? Was hat er, sie, es eben nochmal genau gesagt?

          Wer gut erzählt, rückt mit seinem Holzhasen auf einem Spielfeld nach vorn, wer gut rät, ebenfalls. Aber wenn der Hinweis so offensichtlich ist, dass alle Mitspieler die Karte erraten, geht der Erzähler leer aus. Man muss also den Mittelweg finden zwischen dem Offensichtlichen und dem Verschlüsselten - und das ist gar nicht so einfach.

          Mindestens vier Spieler, maximal sechs

          Doch Gewinnen ist nur Nebensache: Zum Vergnügen wird das Spiel vor allem durch die schönen Illustrationen von Marie Cardouat. Aber auch dadurch, dass es ein Kommunikationsspiel für Menschen ist, die sich noch nicht so gut kennen. Oder sich besser kennenlernen wollen. Vier sollten es schon sein, sechs Spieler sind die Höchstzahl. Für den Fall, dass die Karten langweilig werden, gibt es ein Ergänzungsset.

          „Man lernt sich besser kennen, aber das Spiel ist auch zum Zuschauen schön“, sagt Stefan Glaubitz vom Spielevertrieb Asmodee, der Dixit für den französischen Ein-Mann-Verlag Libellud in Deutschland vertreibt. „Die Franzosen sind kommunikativer, was Spiele angeht, in Deutschland ist man eher strategisch. Da geht es meistens darum, Ressourcen zu sammeln. Wir sind glücklich, dass nun einmal etwas anderes gewonnen hat.“

          Erfunden hat das Spiel Jean-Louis Roubira. „Ich arbeite sehr viel mit Jugendlichen, die große Probleme haben, ihre Gefühle auszudrücken“, berichtet er. Das habe ihn auf die Idee für das Spiel gebracht. Er fand den Gedanken faszinierend, dass Bilder verschiedene Assoziationen und Gedanken ausdrücken können.

          Spiele, in denen es nicht in erster Linie ums Taktieren und Gewinnen geht, scheinen derzeit besonders gefragt zu sein. Bernhard Löhlein, Sprecher der Jury, hat einige Entwicklungen in der Branche ausgemacht: „Zum Beispiel wären Kommunikationsspiele zu nennen, von denen sich mehrere auf der Nominierungsliste befinden. Zwei-Personen-Spiele oder kurzweilige Würfelspiele sind auch ein Trend.“

          Am 2. August wird der Sieger in Hamburg prämiert. Der Sonderpreis „Spiel des Jahres plus“ für anspruchsvollere Spiele geht an „Die Tore der Welt“ von Michel Rieneck und Stefan Stadler, angelehnt an den gleichnamigen Roman von Ken Follett.

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