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Spanische Hockey-Mütter : Jetzt ist sie Stürmerin

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Erst saßen sie nur auf der Bank und beobachteten ihren Nachwuchs. Heute rennen sie selbst auf dem Feld: Spanische Mütter spielen Hockey gegen Teenager.

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          Der Trainer ruft: „Noch fünf Minuten!“ Es riecht nach nassem Gras. Die begeisterten Rufe der Zuschauer übertönen die Worte des Trainers. Auf dem Spielfeld in Getxo, 20 Minuten von Bilbao entfernt, scheinen die Zuschauer nicht zu bemerken, dass die Sonne endlich herausgekommen ist, da sie das Spiel eifrig verfolgen. Die erwachsene Kapitänin der Müttermannschaft läuft am Spielfeldrand entlang und führt den Ball, verfolgt von zwei jugendlichen Spielern. Als sie sich dem Tor nähert, passt sie den Ball zu einer ihrer Teamkolleginnen. Die Torhüterin schaut trotzig auf die Spielerin vor ihr. Schnell läuft sie ihr entgegen, um einen möglichen Treffer zu verhindern. Die Spielerin geht in die Knie und holt kräftig mit dem Hockeyschläger aus. Der Schuss auf das Tor ist stark, aber der Ball pfeift am Kasten vorbei. „Der Wind ist heute nicht auf unserer Seite“, sagt eine Mutter, die auf der Bank sitzt. Der Schiedsrichter pfeift dreimal. Das spannende Spiel ist vorbei.

          Vor sechs Jahren entstand „Las Mamis“

          Fröhlich und vielfältig, beschreibt die heute 46-jährige Ana León, Zahntechnikerin, Mutter zweier Kinder und Spielerin in der Mütter-Hockeygruppe, die Gruppe. Immer wenn sie ihre Kinder Dienstag und Donnerstag um 18 Uhr zum Training ablieferte, schaute sie eine Weile zu, wie sie trainierten. „Dann nutzte ich die Gelegenheit, mit den anderen Müttern einen Drink zu nehmen. Wir sprachen über die Schulnoten unserer Kinder oder beschwerten uns über den Dauerregen in Bilbao.“ Da erkannte sie, dass sie die Zeit besser nutzen würden, sich dem Spiel anzuschließen, statt auf der Bank zu sitzen und zu warten. Ein paar Mütter waren in der gleichen Situation wie sie, und so entstand „Las Mamis“ im September vor sechs Jahren offiziell als eine Plus-35-Frauenhockeymannschaft.

          „Die meisten Spielerinnen hatten keine Erfahrung mit diesem Sport, noch weniger mit einem Mannschaftssport. Ich zum Beispiel habe noch nie irgendeine Art von Sport betrieben. Als ich das erste Mal hierher kam, schaffte ich kaum eine Runde ums Feld“, erklärt sie und zeigt auf das breite Spielfeld. „Jetzt bin ich Stürmerin, das heißt, dass ich kürzere Strecken laufen muss, dafür umso intensiver.“ Da das Training der Müttergruppe zeitlich mit dem der Jugendlichen zusammenfällt, ist es gut mit dem Familienleben zu vereinbaren.

          Acht Stunden im Bus

          Warum sie gegen die Gruppe der Jugendlichen und nicht gegen eine andere Gruppe von Müttern spiele? Ana erklärt, dass Hockey über 35 nicht gerade in Mode ist. In Ländern wie England oder Deutschland sind diese Mannschaften vorhanden, im Unterschied zu Spanien, wo es nur 14 gibt. In offiziellen Spielen treten sie gegen die bereits bestehenden Müttergruppen an, aber für die Trainingsstunden üben sie mit einer Gruppe Teenager. Offizielle Spiele werden in verschiedenen Städten durchgeführt. Eines der Turniere, an die sich die Spielerin erinnert, war dasjenige in Barcelona. Die 36 Mütter reisten acht Stunden mit dem Bus an, und als sie in der katalanischen Hauptstadt ankamen, spielten sie nach einem schnellen Mittagessen die fünf Spiele ohne Pause. „Wir waren auf dem vierten Platz, vor acht anderen Gruppen. Allerdings erinnere ich mich an diese Reise sehr gern.“

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