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Späte Hotelfachschülerin : Mit 36 zurück zur Schule

  • -Aktualisiert am

Julika Rehm ist gelernte Hotelfachfrau, studierte Juristin und drückt wieder die Schulbank. Ein Besuch im Klassenzimmer.

          Mutti regelt das schon!“ Ein Satz, von dem die 36-Jährige fast täglich Gebrauch macht. Julika Rehm wurde 1982 in Marburg geboren, nach dem Abitur studierte sie an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main Rechtswissenschaft. Die Liebe zu den Paragraphen besteht bis heute, gern erlöst sie ihre Mitschüler, die verzweifelt in den Gesetzesbüchern blättern. Nach ihrem Studium entschloss sie sich allerdings, in die Gastronomie einzusteigen, und begann vor zehn Jahren mit ihrer Ausbildung zur Hotelfachfrau im Golfclub in Gernsheim sowie dem dazugehörigen Hotel Brandhof in Seeheim-Jugenheim, wo sie anschließend als Servicekraft arbeitete. Parallel startete sie im Wein-Restaurant Vino Vita als stellvertretende Restaurantleiterin durch. Da bleibt natürlich nicht viel Zeit für Familie, Julika ist ledig und hat keine Kinder. Die Karriere stand für sie zuerst einmal im Vordergrund. Doch dann erfolgte die erschreckende Nachricht, Julika Rehm leidet an einer Arthrose im Knie und wird ihren Beruf nicht weiter ausüben können, zumindest in der Praxis. Daher suchte sie nach einer Alternative, die der Branche treu bleibt. So gelangte sie an die Hotelfachschule Heidelberg mit dem Ziel, nach ihrem Abschluss zur Hotelbetriebswirtin als technische Lehrerin an Berufsschulen oder Fachhochschulen der Gastronomie zu unterrichten.

          Schulausrüstung im Einhorn-Stil

          Mit 36 Jahren einen neuen Weg einzuschlagen bringt Herausforderungen mit sich. Dazu zählt natürlich der Schulalltag. Nach 17 Jahren kehrte Julika Rehm zurück auf die Schulbank mit allem, was dazugehört. „In eurem Alter hatte ich auch noch Buntstifte in allen möglichen Farben dabei“, sagt sie. Links neben ihr sitzt eine blonde 20-Jährige mit einer Schulausrüstung im Einhorn-Stil, rechts eine 24-Jährige, die sich neben Instagram und Co. mit kindlichen Zeichnungen in den Skripten den Unterricht versüßt. Während Julika Rehm vorbildlich auf jedes Arbeitsblatt das Datum schreibt, chatten und posten ihre Nebensitzer fleißig. Julika Rehm zückt lediglich ihr Handy, um Begriffe aus dem Unterricht nachzuschlagen. „Mit meinem Handy komme ich ja eigentlich ganz gut zurecht, aber mit dem Computer kann ich mich einfach nicht anfreunden“, mit leicht verzweifelter Stimme versucht sie vergeblich im EDV-Unterricht ein Dokument im richtigen Ordner abzuspeichern. Was für die restlichen Mitschüler Alltag ist, wird für sie zur Qual. „Ich bin weder mit Computer oder Smartphone aufgewachsen, noch waren es gängige Arbeitsmittel während meiner Schulzeit. Der gute alte Overhead-Projektor zählte in meiner Zeit zu den neueren Errungenschaften der Schule.“ Sie schmunzelt, bei den anderen bricht herzhaftes Gelächter aus. Nach eineinhalb Stunden qualvollem Ausfüllen einer Excel-Tabelle ertönt endlich die Pausenglocke.

          Bin ich hier im Kindergarten?

          Julika Rehm versucht, den Gesprächen ihrer Mitschüler zu folgen. Während diese über „aftern nach der Party“ und „den Besuch im Gym“ sprechen, versteht sie nur Bahnhof. Hier treffen zwei verschiedene Welten aufeinander. Julika Rehm versucht das mit Humor zu nehmen und kümmert sich nebenbei liebevoll um ihre Küken, wie sie sie selbst nennt. Denn die jüngere Generation vergisst gerne ab und an wichtige Termine oder auszufüllende Dokumente. Julika Rehm hingegen schafft es auch ohne Kalender, sie an Bafög-Formulare oder Schulveranstaltungen zu erinnern. Und egal, um was es geht, sie ist Ansprechpartner für alle, die Mutti eben. Doch obwohl sie viel auf sich nimmt und über einiges hinwegschauen muss, wird sie hin und wieder schwach. „Gruppenarbeit und Rollenspiele, wo bin ich hier, im Kindergarten?“, genervt schlägt sie die Hände über ihrem Kopf zusammen. Der Rest der Klasse freut sich über entspanntes Arbeiten, für Julika Rehm scheint das verschwendete Zeit zu sein. Genau diese Unterschiede stellen sie täglich vor neue Herausforderungen, da wird ihr die Tatsache, wieder Schülerin zu sein, erst richtig bewusst. Doch trotz alldem nimmt sie die ein oder andere Sache für ihr Leben mit und bewältigt den Schulalltag getreu ihrem Motto: „Mutti regelt das schon!“

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