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Senner im TV : Herzlicher Appenzeller Griesgram

  • -Aktualisiert am

Albert Neff ist ein Schweizer Senner, der es ins Werbefernsehen geschafft und Uwe Ochsenknecht in den „Wahnsinn“ getrieben hat. Besuch bei einer Schweizer Berühmtheit.

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          I chan fast nüd lebe, wenni en Tag lang ke Chäs gha han“, antwortete Albert Neff vor 20 Jahren auf die Frage eines Filmemachers, ob er gerne Käse esse. Diese Einstellung machte ihn zum perfekten Kandidaten für die Werbekampagne der „Appenzeller“-Käserei und brachte ihm Kultstatus ein. In den Werbeclips könnte einen der Blick Neffs zu Stein erstarren lassen, im Interview zeigt er, dass er mit dem griesgrämigen Senn auf der Leinwand nicht viel zu tun hat. Der 85-Jährige lebt im Örtchen Schlatt im Kanton Appenzell Innerrhoden mit seiner Frau Cäcilia in einer Wohnung in einem ehemaligen Schulhaus. Klein und gewitzt, spricht er einen auf Anhieb kaum verständlichen Dialekt.

          „Ich esse ganz viel Käse“

          „Wir waren auf der Alp Soll, da kamen fünf Männer auf uns zu. Einer sei Filmemacher und fragte mich, ob ich auch Käse esse. Da sagte ich, ich esse ganz viel Käse. Wir haben auf der Alp früher fast nichts anderes gegessen. Sie sagten, genau einen solchen wollen sie haben.“ So schildert Neff seine erste Begegnung mit den Leuten, die Werbespots im Alpstein drehen wollten. „Sie sagten, sie wollen filmen, aber man sehe von hier den Säntis nicht. Also mussten wir auf die Scheidegg gehen, weil man von dort alles vom Säntis bis zum Hohen Kasten sieht.“ Dass diese Begegnung Zufall war, bezweifelt er. Er vermutet, dass eine Angestellte von Appenzell Tourismus aus seinem Dorf auf ihn aufmerksam gemacht hat. Schmunzelnd schildert er, wie das Team in der Nacht auf der Alp Scheidegg einen Spot bei Vollmond drehte. „Als wir oben waren, wollte gerade der Mond nicht herauskommen. Da sind wir ins Gasthaus etwas trinken gegangen. Plötzlich hieß es raus, der Mond ist gekommen. Dann mussten wir alle nach draußen rennen.“ Manchmal waren die Drehtage lang, es brauchte viele Versuche, bis die Szenen abgedreht waren.

          Viel Text musste er nicht lernen

          In den Szenen, in denen er mitspielt, geht es um das sagenumwobene Geheimrezept des „Appenzellers“, des würzigsten Käses der Schweiz. Albert Neff und zwei weitere Sennen aus der Ostschweiz sind die Hüter dieses Rezepts und sitzen in Tracht auf einer Bank. Neugierige überlegen sich immer neue Wege, um das Rezept herauszukriegen. Die drei Sennen bleiben aber schweigend sitzen. „Viel auswendig zu lernen gab es nicht“, witzelt Neff. Mal ist ein junger Bauer, mal Uwe Ochsenknecht der Neugierige. „Einmal kam dieser Deutsche in einem Film vor. Die sagten mir, er sei ein bekannter Schauspieler. Ich wusste vorher gar nicht, wer das war. Aber er hat vom Käse geschwärmt und sagte, dass er gerne für etwas Werbung mache, wo er auch dahintersteht.“

          Kennt Neff das Geheimrezept? Natürlich nicht. Ob es eines gibt oder es nur ein Marketing-Gag ist, weiß er nicht. Er habe jedoch gehört, dass es bei der Firma tatsächlich zwei Leute gebe, die das Rezept kennen. Könnte er sich vorstellen, was das Rezept sein könnte? Er wird nachdenklich und verschwindet in der Küche. Einen Moment lang füllt das Ticken der alten Standuhr das Wohnzimmer, man hört ein Fluchen. Wegen des Dialektes versteht man zum Glück nichts davon. Wenige Momente später kommt Neff mit einem Teller mit Käse zurück und beschwert sich lautstark über die Verpackung, die nicht aufgehen wollte. „Do moscht e Mol probiere!“, sagt Neff und stellt den Teller auf den Tisch. Der Käse ist würzig und nicht für jedermann – räss eben. Neff isst selbst genüsslich ein Stück.

          Apfelsafttipp vom Ziegenbauer

          Der ehemalige Ziegenbauer hat Erfahrung mit der Herstellung von Käse. Nun gibt Neff doch noch ein Käse-Geheimnis preis, sein eigenes. „Früher gab es sechs, sieben Familien, die mir meinen Käse abgekauft haben. Von dem konnte man einen Teller auf den Tisch stellen, und sie stürzten sich darauf wie Hunde auf das Fleisch. Diesen Käse würzte ich in einem Wasserbad mit Salz.“ Er beugt sich nach vorne und senkt seine Stimme: „Wenn der Käse gesalzen war, blieb noch dieser Saft mit dem Salzwasser übrig. Ich habe noch etwas Apfelsaft dazugegeben und ihn noch mal über den Käse gegossen. Das gab ihm einen speziellen Geschmack.“ Cäcilia Neff lächelt milde, da sie die Geschichten wohl schon Dutzende Male gehört hat. Neff ist zu einer kleinen Berühmtheit geworden. „Ich merke nicht viel davon. Aber in einem Restaurant, in das ich manchmal gehe, um zu jassen, hat die Wirtin ein Bild von mir im Eingang aufgestellt. Es ist kein Bild, es ist lebensgroß wie eine Puppe.“ Vergangenes Jahr endete nach 20 Jahren die Zusammenarbeit mit der Käserei. Mit den zwei anderen Sennen aus den Spots trifft er sich gerne zu einer geselligen Jass-Runde.

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