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Seifenkistenrennen : Ein Pokal für jeden Teilnehmer

  • -Aktualisiert am

Rasant durchs Dorf: In der Schweiz treten einmal im Jahr 85 Seifenkistenfahrer gegeneinander an. Das ist nicht ohne, ist der Ort klein und die Disziplin selten.

          Ein regnerischer Morgen in Rossau, einem Weiler von Mettmenstetten im Herzen der Schweiz. Am Wochenende fahren hier keine Busse. Nordöstlich liegt Hauptikon, ein Weiler der noch kleineren Gemeinde Kappel am Albis. Pferdeäpfel liegen auf dem Gehsteig, das Läuten von Kuhglocken ist omnipräsent. Zwischen diesen Mikrosiedlungen im Kanton Zürich rasen an einem Sonntag knapp 100 Halbwüchsige in Seifenkisten die Landstraße hinunter. Der Grand Prix Rossau findet seit 1964 jedes Jahr auf der Rossauer Straße statt. Um zehn Uhr, nachdem jede Seifenkiste kontrolliert und die Startnummern ausgeteilt worden sind, beginnt das Rennen mit dem ersten Lauf. Die Teilnehmer, die zwischen 8 und 16 Jahre alt sind, machen drei Läufe, die zwei besten Zeiten werden zusammengezählt. Ein 10-Jähriger mit Motorradhelm erreicht gerade das Ziel mit seinem grün-orangen, mit Sponsorenaufklebern gepflasterten Wagen, während oben an der Kurve eine 14-Jährige gerade um den letzten Leitkegel dreht und sich auf den Schlussspurt begibt. In einem Lieferwagen auf der Weide neben der Straße sitzen zwei Helfer mit dem Kommentator, der über Lautsprecher die Zuschauer auf den neuesten Stand hält.

          In Säcke gewickelte Heuballen

          Auf beiden Seiten werden die im Schlamm stehenden Familien durch eine rot-weiße Absperrung von den Fahrern getrennt. In Plastiksäcke gewickelte Heuballen dienen als Tore für die Slalomabschnitte. „Es hat als Dorfrennen angefangen und ist immer größer geworden“, erklärt Jürg Meili, der ehemalige Präsident des Sport Clubs Rossau. 40 Jahre lang hat er sich um die Koordination des einzigen Rossauer Events gekümmert. „Am Anfang stoppten wir so die Zeit“, sagt der großgewachsene 59-jährige Bauer und blickt auf seine Armbanduhr. Bei den ersten Rennen gab es fast keine Regeln, und man musste seine Kiste selbst bauen. „Man hat lernen können, mit einem Team etwas auf die Beine zu stellen“, sagt Meili in der Festwirtschaft, einer Scheune, die mit Tischen und Bänken ausgestattet ist. Helfer warten auf die Mittagszeit, wenn die Kinder hereinrennen und nach Bratwürsten und Cervelats schreien.

          Qualifikation für die Meisterschaft

          Mittlerweile ist das Rennen einer der 20 offiziellen Schweizer Seifenkisten-Derbys und Teil der Qualifikationen für die Schweizer Meisterschaft. 2014 durfte der Grand Prix Rossau sogar Austragungsort der Meisterschaft sein, zur Ehre seines fünfzigsten Geburtstages. „Als Veranstalter muss man sich sehr gut bemühen, um finanziell durchzukommen.“ Sowohl der winzige Ort als auch die Tatsache, dass es keine geläufige Sportart ist, machen dem Organisationsteam zu schaffen. Die wichtigste Einnahmequelle ist das Programmheft mit den Sponsoren. Besonders attraktiv ist der winzige Ort aber nicht für Werber. „Da hat mir einer mal gesagt: Ihr seid auch am Ende der Welt.“

          Dass Seifenkistenrennen unbeliebt sind, liegt teils daran, dass es sich um ein teures Hobby handelt. Für eine gute Kiste zählt man 1000 Franken, hinzu kommen Wartungskosten und Transporte. Meili erklärt: „Es ist ein toporganisiertes Rennen, deshalb kommen die Menschen gerne aus der ganzen Schweiz.“ Zum Beispiel müssen die Teilnehmer nicht eine eigene Seifenkiste haben. Ein Motorradhelm genügt. Hinzu kommt, dass sich wenige Strecken für Seifenkistenrennen eignen. Die Straße darf nicht allzu befahren sein, weil sonst das Absperren nicht möglich ist. Auch muss die Neigung stimmen. Hier sind nur Felder, es kann also nichts Gefährliches passieren, wenn ein Kind die Bahn verlässt. „Wir hatten noch nie einen Unfall“, sagt Meili stolz.

          Um enge Kurven, als sei das nichts

          An diesem Nachmittag fährt ein kleiner Junge direkt in einen der Lautsprecher. Eine zuschauende Mutter schiebt ihn wieder auf die Bahn. Ein Vater hebt den Lautsprecher auf, der gerade verkündet, dass ein Lautsprecher umgeschossen wurde. Der Kleine nimmt das Rennen wieder auf, verpasst aber eine Kurve. Das gibt eine halbe Sekunde Strafe. Der Nächste fährt um die engen Kurven, als seien sie nichts, beugt sich nach vorn und wird aerodynamischer. Spitzengeschwindigkeiten von 50 Kilometern werden auf der Straße erreicht, bei der weiter unten ein Schild hängt: „30 fahren, den Kindern zuliebe!“ Gegen 17 Uhr versammeln sich viele in der Festwirtschaft. Fröhliches Geschnatter ist zu hören. Hier stehen 85 Pokale, einer für jeden Teilnehmer. Nun folgt die Rangverkündigung. Jedes einzelne Kind bekommt Applaus, ob es Dritter oder Drittletzter geworden ist.

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