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Schweizergarde : Von da an wollte der Junge aus Davos den Papst beschützen

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Arbeiten im Apostolischen Palast im Vatikan: Der 23 Jahre alte Nando Adank dient in der Schweizergarde.

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          Es isch e riesigs Privileg. Es muess einem bewusst sii, dass nur mier Schwiizer das mache dörfend“, sagt der 23-jährige Nando Adank, als er mit leuchtenden Augen von seinen bisherigen Erlebnissen in der Päpstlichen Schweizergarde erzählt. Der Polymechaniker wurde vor 24 Monaten als Gardist vereidigt und musste seine Bereitschaft dazu erklären, sein bisheriges Leben für das Kirchenoberhaupt aufzugeben. Der 1,78 Meter große Davoser Nando trägt ein blaues Hemd, das an einen wolkenfreien Sommernachmittag erinnert. Seine vertrauenserweckenden, braunen Augen strahlen freundlich. Die Schweizergarde ist bekannt für ihre Professionalität und Disziplin. Ihre Aufgabe ist es, die Sicherheit des Papstes zu garantieren. Weitere Pflichten sind das Bewachen der Eingänge der Vatikanstadt, das Ausführen von Ehren- und Ordnungsdiensten und die Begleitung des Heiligen Vaters auf seinen internationalen Reisen. Sie sorgt dafür, dass nur berechtigte Persönlichkeiten den Apostolischen Palast betreten.

          Teil einer 500-jährigen Geschichte

          Geschmack auf diesen Beruf bekam Nando Adank bei einer Firmungsreise in den Vatikan, von da an wollte er den Papst beschützen. Die Firmungsreise war deshalb zustande gekommen, weil damals auch ein Davoser als Gardist vereidigt wurde. So ist Nandos Traum entstanden, selber auch Gardist zu werden. Er bewarb sich, wurde genommen, absolvierte die 18-wöchige Rekrutenschule und ist nun Teil einer 500-jährigen Geschichte. Der Dienst in der kleinsten Armee der Welt ist streng, doch vielseitig. Nando Adank erklärt, dass man in verschiedenen Schichten arbeitet. Sechs Tage ist man im Einsatz, dann hat man drei Tage frei. Dies hängt meist vom Programm des Papstes ab. Wenn das Kirchenoberhaupt nicht in Rom ist, gehen die älteren Gardisten und die Unteroffiziere mit ihm mit auf Reisen. Der Betrieb im Vatikan bleibt aber derselbe.

          Wieso hat sich Papst Julius II. eigentlich für die Schweizer entschieden? Der gute Ruf der Schweizer Söldner war bis zu ihm vorgedrungen. So orderte der Papst 1505 eine 150 Mann starke Leib- und Palastwache bei den Schweizer Eidgenossen, die schließlich 1506 bereit stand. Es herrschte die Angst, dass sich Feinde bei den jungen Söldnern verbargen. Deshalb wählte der Papst Schweizer Wächter, die für ihre Neutralität bekannt waren und immer noch sind. 1512 verlieh der Papst seiner Palastgarde den Titel „Hüter der Freiheit der Kirche“.

          Zum ersten Mal Heiligabend in Italien

          Die vier Wochen Ferien nutzt der Gardist aus, um in seine Heimat Davos zurückzukehren. „D Ferie hani persönlich brucht, zum ind Schwiiz z gah, will Meer und Strand hemmer in Rom.“ In den Weihnachtsferien verbrachte er in der Garde zum ersten Mal Heiligabend in Italien – er erzählt, dass es spannend und interessant war, das frohe Fest mal nicht mit der Familie in der Schweiz zu feiern, sondern mit der Schweizergarde im Vatikan. Ein bunter Abend mit Musik, Gesang, Weihnachtsgebäck und Geschenken ließ das Heimweh nach den verschneiten Schweizer Bergen vergessen. Den Papst sieht der 23-Jährige fast jeden Tag, da sich der Heilige Vater gerne ab und zu mal Zeit nimmt, um ein paar Worte mit seinen Beschützern, bekleidet in Blau, Gelb und Rot, auszutauschen. Zu extremen Situationen sei es während seines Dienstes noch nie gekommen – doch trotzdem schwitze man ein wenig an den Händen, da man bei dem heutigen Terror nie wisse, was passieren könne. Nichtsdestotrotz geben die Gardisten ihr Bestes, ihre Nervosität auszublenden. Ihnen wird beigebracht, in hektischen Situationen die Ruhe zu bewahren, denn „i de Rueh ligt d’Kraft“. Das lernen sie in verschiedenen Kursen, die in den zwei Jahren immer wiederholt werden. Einmal im Monat, am Ausbildungstag, machen sie auch Fallbeispiele, um Sicherheit in solchen Situationen zu gewinnen.

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