https://www.faz.net/-gum-9rp8j

Schweizergarde : Von da an wollte der Junge aus Davos den Papst beschützen

  • -Aktualisiert am

Erinnerung an die Plünderung Roms

Drei Viertel der Schweizergarde starb beim „Sacco di Roma“ am 6. Mai 1527. Zur Erinnerung an die Plünderung Roms werden die Rekruten der Garde heute noch am 6. Mai vereidigt. Wenn Nando Adank allein im großen Palast ist, hat er viel Zeit, um über seine Zukunft nachzudenken oder wie er sich sein Leben nach der Garde vorstellt, da der Dienst ab und zu etwas eintönig sein kann. Alles andere als eintönig sind aber die Farben, die die Gardeuniformen, genannt Gala-Uniformen, so auffallend machen. Gelb, Rot, Blau sind die Farben des Hauses Medici, die mit dem Weiß des Kragens und der Handschuhe harmonieren. Die blauen und gelben Stoffstreifen unterbrechen in fließender Bewegung das Rot der Weste und der Hose. Obwohl man behauptet, dass Michelangelo die Uniform entworfen hat, ist sie eigentlich eine Variation der Kriegstracht der Medici. In der Renaissance war Rot die dominierende Farbe. Papst Leo X. bereicherte die Gardistenuniform mit Rot, die Farben Blau und Gelb wurden vom Familienwappen der Della Rovere, einer italienischen Adelsfamilie, aus der die Päpste Sixtus IV. und Julius II. stammen, übernommen. Die Helme stellt kein Schmied in Schweißarbeit mehr her, sondern ein moderner 3D-Drucker. Die Produktion im 3D-Druckverfahren bringt viele Vorteile mit sich, die Kunststoffhelme absorbieren weniger Hitze als die Blechhelme, die mit der Zeit unschöne Dellen und Risse aufwiesen und ersetzt werden mussten. Die alten Blechhelme heizten sich unter der starken römischen Sonne so stark auf, dass sie sogar zu Brandwunden geführt haben sollen. Nando Adank klärt auf, dass Hellebarden und Schwerter nur zur Zierde dienen. Für Ernstfälle gibt es moderne Waffen.

Arbeitsort Apostolischer Palast

Doch wenn er nicht allein im Apostolischen Palast ist, erblickt er Personen des öffentlichen Lebens wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, den US-amerikanischen Schauspieler Mark Wahlberg, den Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, und viele mehr. Der Apostolische Palast ist ein Arbeitsort von vielen Leuten, viele Büros und ein Staatssekretariat befinden sich dort. Hier werden alle administrativen Arbeiten vom Papst, meistens von Priestern, ausgeführt und bearbeitet. Den Dienst in Rom empfiehlt er jedem jungen 18- bis 30-jährigen Schweizer, der mindestens 1,74 Meter groß, praktizierender Katholik und ledig ist, da es für ihn unvergessliche Monate sind. Während des Aufenthalts bilden sich Freundschaften „wo miner Meinig nah z Läbä lang hebend“. Weshalb genau 1,74 Meter? Das hat mit dem optischen Eindruck zu tun. Papst Franziskus erhöhte die Stärke der Garde Ende 2018 von 110 auf 135. Auch für die Berufskarriere nach der Schweizergarde sind die zwei Jahre im Vatikan ein Sprungbrett, weil die Erfahrungen, die man im Vatikan sammelt, einzigartig sind. Jeder, der sich bereit erklärt, dem Papst zu dienen, verpflichtet sich für mindestens 26 Monate, ob man nach diesen Monaten wieder nach Hause reist, bleibt jedem selbst zu entscheiden.

Neben der Arbeit hat Nando Adank auch Zeit, in den Ausgang zu gehen, seine schmalen Lippen formen sich zu einem Lächeln, die Partys in Rom sind seiner Meinung nach klasse. Adank sehnt sich aber auch nach seiner Freundin in der Schweiz. Nach 26 Monaten wird er die Zeit in der Garde beenden – da seine Wege nicht mehr nach Rom führen.

Weitere Themen

100 Sekunden vor der Katastrophe

Untergangsuhr vorgestellt : 100 Sekunden vor der Katastrophe

Seit 1947 zeigen Forscher mit der Uhr, wie nah sie die Welt am Untergang wähnen. Nun stellten sie die Uhr auf 100 Sekunden „vor Mitternacht“ – und machen dafür vor allem zwei Bedrohungen verantwortlich.

Topmeldungen

Überfüllte Kliniken in China : Ein Patient alle drei Minuten

Überfüllte Kliniken, gewalttätige Angehörige, Arztkosten als Existenzbedrohung, Menschen, die sich selbst ein Bein amputieren – und nun auch noch ein unbekannter Virus: In China sollte man besser nicht krank werden.
Das Oberste Gericht in Warschau (Archivbild)

Justizreform in Polen : Richter gegen Richter

In Polen spitzt sich der Streit um die Justizreform zu: Während das Oberste Gericht verhindern will, dass die 500 neuen Richter Urteile sprechen können, beschließt das Parlament ein Gesetz, um stärker durchgreifen zu können.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.