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Schweizer Whiskytreck : Auf dem Whiskytreck

  • -Aktualisiert am

Bild: Zuni von Zubinski

In 26 Appenzeller Berggasthäusern steht ein Whisky-Fass, von dem Wanderer kosten können. Räusche in luftigen Höhen gibt es nicht. Whiskytrinker sind Genießer.

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          I ha mi gfreut, wo i di rot Fassade mit de grüene Fensterläde und de rote Buechstabe gseh ha“, sagt Jakob Ehrbar. Nach einstündigem Aufstieg über Wiesen und Schneefelder zum Berggasthaus „Ruhesitz“ oberhalb von Brülisau betrachtet der Hobbywanderer mit einem zufriedenen Lächeln und Sonnenstrahlen im Gesicht die drei Grate des Alpsteins. Dann bewältigt er die letzten zehn Meter bis zur Holztüre des Restaurants und tritt ein. Das Erste, was der 50-Jährige sieht, ist ein Regal an der Wand, in dem 26 verschiedene zehn Zentiliter große Whiskyfläschchen ausgestellt sind. Auf der anderen Seite des Restaurants geht er hinaus und setzt sich an einen Holztisch auf der Terrasse, um das Panorama zu genießen. Die Aussicht lässt nicht zu wünschen übrig: Grüne, bewaldete Hügel und der strahlend blaue Himmel sind zu sehen. Im Rücken thront der fast bis zum Gipfel mit Fichten bewachsene Hohe Kasten. Wenige Treppenstufen führen von der Terrasse hoch zu einem etwas abseits gelegenen Holzhüttchen. Das Zwitschern der Vögel wird vom Klappern des Geschirrs und Gesprächen in unterschiedlichen Dialekten begleitet. Der Duft der Natur, des Kaffees, aber auch der „Chäshörnli“ – obwohl es mitten am Nachmittag ist – liegt in der Luft.

          Mit dem Wirt ins Höttli

          Der Wirt, ein hochgewachsener, blondhaariger Mann mit einer weißen Kochschürze um die Hüfte, tritt dicht gefolgt von einer jungen Frau aus dem Restaurant und steigt die Stufen zum Holzhüttchen hoch. Oberhalb der Türe hängt ein Schild mit der Aufschrift „Whisky-Höttli“. In diesem acht Quadratmeter großen Häuschen steht ein Fass mit selbstgebrautem Whisky. „Me hend en Rum-finisch, es isch e karibischs Rumfass, de ander het Pinot Noir, de eni e Bierfass ond so het jede Whisky en andere Gschmack“, sagt Hans Manser. 26 Restaurants aus der Alpstein-Gegend haben wie der „Ruhesitz“ ein eigenes Fass mit Whisky. Die Idee für diesen Whiskytreck, den es seit zwei Jahren gibt, stammt von der Brauerei Locher aus Appenzell. Da die Berggasthäuser unterschiedlich hoch gelegen sind und in jedem Fass vorher etwas anderes gelagert wurde, schmecken alle Whiskys einzigartig. „Es gibt viele, die mit den Bon-Heftchen den Whisky kaufen“, sagt der Wirt. Wer ein solches erwirbt, erhält in den Restaurants gegen einen Bon ein Fläschchen mit dem jeweiligen hauseigenen Whisky. Alle andern müssen den Whisky aus der Karte bestellen und aus dem Glas trinken. Die 26 verschiedenen Sorten an einem Tag zu probieren, ist aber unmöglich; der größte Höhenunterschied zwischen zwei Restaurants beträgt ungefähr 2000 Meter und zudem liegen die beiden 25 Kilometer auseinander.

          Hier ist eher der Alpenbitter bekannt

          Dieses Projekt hat die Berggasthäuser zusammengeschweißt und „e uh guets Verhältnis“ untereinander geschaffen. Sie machen gemeinsam Werbung und helfen einander, wenn nötig, auch mit Schlafplätzen aus. Manser hat mit seiner Frau jedes Restaurant besucht, den jeweiligen Whisky probiert und gekauft, oft auch in Begleitung der Kinder. Das Regal, in dem ihre gesammelten Whiskys stehen, hängt für alle sichtbar im Eingang des Restaurants. Ursprünglich war das Projekt nicht für so lange geplant, da es aber ein positives Feedback einbrachte, wurde es um zwei Saisons verlängert. Es sei jedoch mit hohen Kosten verbunden gewesen und anfangs auch mit Zweifeln, denn Whisky ist nicht bekannt in dieser Region, sondern eher der Appenzeller Alpenbitter, erklärt der Wirt und Familienvater. Jeder Wirt musste einen Platz haben für ein solches Fass, „ide Wetschaft ine, vielfach hendses im Chöller one“. Sie selbst haben auf Kosten der Kinder das Hüttchen, das ein Teil des Spielplatzes war, umfunktioniert. „Im Sommer gibt es wegen den wärmeren Temperaturen jedoch einen Verlust, der Whisky arbeitet aber dann auch mehr, als wenn er unten im Keller gelagert ist.“ Auch Missgeschicke passieren und so wurde einmal fälschlicherweise einem Gast der Whisky eines anderen Restaurants verkauft. Trotzdem sind die Wanderer zufrieden, was die Kaufrate von 95 Prozent derjenigen, die einen Whisky probiert haben, beweist. Räusche gab es bisher keine, denn Whiskytrinker seien Genießer, sagt der 45-Jährige mit einem verschmitzten Lächeln.

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