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Schweizer Pistenbully : Der König der Nacht

  • -Aktualisiert am

Eiserne Krallen zerfetzen den Schweizer Schnee: Mit dem 400-PS-Bully die Piste Planatsch hinauf und 60 Kilometer durch die eiskalte Nacht.

          4 Min.

          Stehende Sessellifte, leere Pisten, ein kalter Wind, der über sie hinwegfegt – und vier Kässbohrer. Sie fahren versetzt hintereinander die Piste Planatsch im Skigebiet Sedrun im obersten Gebiet der Surselva unterhalb des Oberalppasses hoch, das in der Nähe der Schweizer Rhein-Quelle liegt. Die Raupen der Pistenbullys fressen sich in den Schnee: Es sind eiserne Krallen, die ihn zerfetzen. Sie schieben den Schnee vor sich her, vermischen die Schneeschichten. Hinten wird er geebnet und bleibt von geraden Rillen zerfurcht liegen. Der Schnee reflektiert das Licht der Scheinwerfer, die Kabine ist fast taghell. David Flurys rote Haare und sein Bart wirken schwarz. Sein Gesicht sowie die Mütze mit der schwarzen Aufschrift „Pistenbully“ leuchten weiß. Die Augen des Fahrers sind auf die Piste gerichtet, seine Hände umklammern das Steuerrad des Pistenfahrzeugs. Einen großen Teil der Unebenheiten fängt der gefederte Sitz ab, doch David Flury wird trotzdem durch die Unebenheiten hin und her geschüttelt. Das Fahrzeug erreicht den Fuß eines Hangs, der Fahrer wird in seinen Sitz gedrückt. Der Motor wird lauter, der Pistenbully kriecht den Hang hinauf. Das Fahrzeug ist zwar langsam, doch Mühe, diesen zu bezwingen, hat das 400-PS-Monster nicht. „Über mehr als 15 Stundenkilometer kommt man nicht. Ich war allerdings einmal drüben in Andermatt und habe einen steilen Hang präpariert, damit dort keine Lawine runterkommt. Unter dem Schnee war alles vereist, meine Maschine hat den Halt verloren und ist den Hang runtergerutscht. Da habe ich sicher 40 Stundenkilometer erreicht“, erzählt Flury grinsend.

          Wunderschöne Sonnenuntergänge und Wildtiere

          Seit 22 Jahren fährt David Flury schon. Davon hat er ein halbes Jahr in Disentis verbracht, die restliche Zeit im Skigebiet Sedrun im Vorderrheintal, in der Nähe von Disentis. Jede Nacht fährt er die Pisten entlang und macht sie für den nächsten Tag wieder fahrbar. Das sind vierzig bis sechzig Kilometer in einer Nacht. „Die Pisten sind nie gleich, jede Nacht herrschen hier oben andere Bedingungen in Bezug auf Wind, Temperaturen und Schneefall. Außerdem hat man hier oben wunderschöne Sonnenuntergänge, und man kann Wildtiere sehen. Manchmal höre ich Radio oder unterhalte mich mit den Kollegen in den anderen Fahrzeugen. Manchmal müssen wir auch betrunkene Leute vom Après-Ski nach unten fahren. Es ist zwar ein Einzeljob, langweilig wird einem hier oben aber nicht“, lacht er.

          Dabei wollte der 41-Jährige diesen Beruf zuerst gar nicht ausüben. Ursprünglich hatte David Flury eine Schreinerlehre angefangen. „Im Winter hat es nicht genug Arbeit für einen Schreiner, daher brauchte ich einen Beruf. Da habe ich das Angebot gesehen und dachte mir: Warum nicht?“ Aus einem spontanen Gedanken wurde Realität. Heute ist er der Chef eines fünfköpfigen Teams. Er ist der Älteste und hat am meisten Erfahrung. „Die anderen sind erst seit ein paar Saisons dabei. Ich kann jetzt allerdings noch nicht sagen, ob sie sich für diesen Beruf eignen. Es braucht drei Jahre, bis man’s sieht. Wenn man dann die Maschine nicht in der Hand hat oder immer nur schlechte Pisten macht, ist man nicht für den Job geeignet.“

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