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Schule in der Pandemie : Ein bekannter Ort ist fremd

  • -Aktualisiert am

Bild: Christopher Fellehner

Freunde hinter Masken, Treppenhäuser als Einbahnstraßen. Über den Schulalltag in dem fast nichts ist wie vorher. Momentaufnahmen eines Schülers.

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          Meine Eltern sind keine großen Fans davon, in der aktuellen Situation öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Aber selbst im Auto ist Mundschutz angesagt“, sagt Lena Schleifer. Die 16-Jährige und ihre Freundin Tamina Ruloff werden seit neuestem morgens von den Eltern zum Saarbrücker Ludwigsgymnasium gefahren. Kevin Gaffga dagegen benutzt öffentliche Verkehrsmittel. „Da sind zu viele Menschen, die nicht in der Lage sind, einen Mundschutz richtig oder überhaupt zu tragen; dabei steht an jeder Tür der Bahn, dass und wie man einen zu tragen hat; ich fahre relativ fassungslos in Richtung Schule“, schildert der Schüler seinen ersten Schulweg nach dem Lockdown. Seit dem 11. Mai können die Elftklässler des Ludwigsgymnasiums Saarbrücken wieder zur Schule gehen. Aber fast nichts ist wie vorher. „Seit zwei Monaten ist mein Leben auf Stop, heute sollte es sich anfühlen, als hätte man wieder auf Play gedrückt“, beschreibt Rachel van den Boom ihre Erwartungen an den ersten Schultag. Die meisten sehen ihre Freunde nach acht Wochen zum ersten Mal wieder.

          Strenge Auflagen des Musterhygieneplans

          Das Ludwigsgymnasium (LG), ein langgestrecktes, nüchternes Gebäude aus den 1950er Jahren, liegt in Alt-Saarbrücken. In nächster Nachbarschaft befinden sich weitere Schulen, die Marienschule, die Günter-Wöhe-Schulen, die Friedrich-List-Schule und auch die Gebäude der Hochschule der Bildenden Künste Saar. Vor dem Eingang des LG bietet sich ein seltsames Bild: Lehrer mit Schutzmasken sorgen dafür, dass der Sicherheitsabstand von zwei Metern eingehalten wird. Wer keinen Atemschutz anhat, wird nicht eingelassen. Der „Musterhygieneplan Saarland zum Infektionsschutz in Schulen im Rahmen der Corona-Pandemiemaßnahmen“ macht strenge Auflagen. Im Gebäude erinnern Plakate mit Warnhinweisen alle zehn Meter erneut daran, in was für einer Ausnahmesituation man sich befindet. Die Flure ähneln nun einer Straße: Sie sind durch einen Mittelstreifen zweigeteilt, die Treppenhäuser sind zu Einbahnstraßen geworden. Eingang und Ausgang sind so ebenfalls getrennt. „Ich weiß manchmal gar nicht, wo ich hinlaufen muss oder darf, und verliere in den langen Gängen die Orientierung. Durch den Mundschutz ist meine Brille meistens angelaufen, weswegen ich eh nichts sehe“, sagt Jan Nico Grund ratlos. Die Toiletten dürfen nur einzeln betreten werden. Da die Jugendlichen jedoch vor jeder Unterrichtsstunde ihre Hände waschen müssen, bilden sich schnell Staus. „Noch nie in meinem Leben habe ich an einem Tag so oft Happy Birthday lautlos gesungen, und noch nie habe ich mich so unwohl an einem eigentlich vertrauten Ort gefühlt, es wirkt wie im Traum“, sagt Rachel van den Boom, „einfach nicht real.“ Elianne Strube empfindet das ähnlich: „Der Sicherheitsabstand schafft eine Distanz zwischen den Menschen – nicht nur physisch, sondern auch mental.“ Die fehlende Umarmung, das nicht sichtbare Lächeln und das Verbot von körperlicher Nähe machen aus dem langersehnten Wiedersehen eine Zerreißprobe. Auch dass nicht alle da sind, stimmt traurig. Einige Mitschüler bleiben aufgrund der Gefahr, Angehörige der Risikogruppe anzustecken, lieber noch zu Hause. Sie erhalten Unterricht via Internet und stehen im ständigen Kontakt mit Lehrern und Mitschülern.

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