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Schützenschwestern : Links laufen, wenn die Trommel bumms macht

  • -Aktualisiert am

Bild: Andrea Koopmann

Anfangs wurden sie belächelt, das ist längst vorbei. Die 70 Schützenschwestern des Vereins Grinkenschmidt schießen um die Wette. Das zieht junge Frauen an.

          4 Min.

          Abteiluuuuuuung . . . stillgestanden!“, schallt es über den Schützenplatz des Schützenvereins Grinkenschmidt in Altenberge, einem Dorf im Münsterland. Schon stehen die 70 Schützenschwestern in weißer Hose, weißer Bluse und blauem Blazer paarweise in Reih und Glied hinter dem Spielmannszug und den Fahnenschlägern. Sie machen sich bereit, das amtierende Königspaar sowie den Holzvogel von einem benachbarten Hof abzuholen. Zurück am Festzelt schießen die Schützenschwestern dann um die Königsehre.

          Das Schießen auf den etwa 40 mal 40 Zentimeter großen, bunten Holzvogel zieht sich oft über Stunden. Immer wieder treten junge Frauen an das fest verankerte Gewehr und setzen zum Schuss auf den Holzvogel in zehn Meter Höhe an. Frauen, Männer und Kinder stehen in einem Halbkreis hinter dem Absperrgitter und schauen zu. Einige halten sich sogar die Ohren zu. Der Wettbewerb ist für die Altenberger und Leute aus der Umgebung eine willkommene Gelegenheit zu Gesprächen mit Nachbarn und Bekannten. „Da steht Jung bei Alt, Cliquenbildung gibt es fast nicht“, berichtet die Vorsitzende Sandra Lammers zufrieden.

          Der Begriff Schützenverein beschrieb im Mittelalter eine reine Selbstschutzgemeinschaft, die in Kriegszeiten sowohl bei Überfällen und Bränden als auch bei Seuchen und Krankheiten den anderen Mitgliedern zur Seite stand. Diese Aufgaben nahmen in erster Linie Männer wahr.

          Bei der Party sind sowieso alle dabei

          Der im Jahr 2000 gegründete Verein „Altenberger Frauenschützen 2000 e. V.“ hat rund 150 Mitglieder, die Beteiligung steigt seitdem stetig, sagt die erste Schriftführerin der Frauenschützen, Hanna Dertwinkel. Besonders jüngere Frauen interessieren sich für eine Mitgliedschaft. „Man kann selber aktiv mitarbeiten, mitbewegen und den Verein repräsentieren“, schwärmt die 26-Jährige stolz von der Arbeit im Vorstand. Organisationstalent sei für die großen Veranstaltungen wichtig. „Nach dem Schützenfest ist vor dem Schützenfest“, pflegt Sandra Lammers deshalb zu sagen. Auf der „Checkliste“ gibt es die Kategorien langfristig, mittelfristig und kurzfristig. Zu langfristig gehört beispielsweise das Buchen der Musik, einer Thekenmannschaft und eines Imbisswagens. Denn die Verpflegung darf bei einem gelungenen Schützenfest in keinem Fall fehlen.

          Bei der jüngsten Generalversammlung wurde das Eintrittsmindestalter von 18 auf 16 Jahre herabgesenkt. „Bei der Party wären sie sowieso dabei. Weshalb also nicht die vielen Stunden davor?“, begründet Dertwinkel die Entscheidung. Die Männervereine aus Altenberge bildeten hierfür das Vorbild. Geschossen werden darf aber erst mit Beginn der Volljährigkeit. Zwar ist das keine gesetzlich vorgeschriebene Regelung, dennoch hält der Verein sie für notwendig.

          Die Männer unterstützen sie bei schweren Arbeiten

          Der Frauenschützenverein hatte es nicht leicht, sich zwischen den vier örtlichen Männerschützenvereinen zu behaupten. „Am Anfang wurden wir eher müde belächelt“, erinnert sich Sandra Lammers. „Mittlerweile wird unser Verein anerkannt. Wir bekommen sogar viel Unterstützung von den Männern“, berichtet die 37-Jährige. Obwohl die Frauen, besonders bei körperlich anstrengenden Arbeiten, nach wie vor auf die Hilfe der Männer angewiesen sind, ist die dunkelhaarige Frau davon überzeugt, dass auch ein Frauenschützenverein zur Emanzipation beiträgt. Für sie gilt das Motto: „Was die Männer können, das können wir auch!“ Das sei ähnlich wie mit den Berufen, denn nicht nur Männer könnten Maurer oder Tischler werden.

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