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Schüler auf der Thor Heyerdahl : Klassenzimmer unter Segeln

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Vulkane und die Westwindzone

Aber was ist jetzt eigentlich mit dem Unterricht? Dafür gibt es sogenannte Unterrichtstage. An Bord können nie alle gleichzeitig Unterricht haben, da immer noch einige Mitsegler das Schiff leiten müssen. Daher gibt es zwei Klassen, die im Wechsel Unterricht haben und das Schiff führen. Die Teilnehmer, die während dieses Törns vor allem aus Deutschland, aber auch aus Österreich, Liechtenstein oder England kommen, müssten in jedem Fach zwei Vorträge halten, einen Test schreiben und bekämen mündliche Noten, erklärt Dürr. Ein weiterer Unterschied zum normalen Schulalltag ist, dass einige Fächer, wie Wirtschaft/Recht, Sport oder Religion, nicht auf dem Stundenplan stehen. „Der Lehrplan ist oft der Umgebung angepasst, in der wir uns gerade befinden. Dann lernen wir zum Beispiel etwas über Vulkane, Wale, Delphine oder die Westwindzone. Das ist noch interessanter, wenn diese Phänomene direkt vor einem passieren.“ Natürlich ist auch das Kus-Projekt durch die Corona-Krise eingeschränkt. Während die Route normalerweise nach Mittelamerika geht und Länder wie Kuba angesteuert werden, wird dieses Jahr eine andere Strecke gefahren. Wie jedes Jahr ist die Reise in Kiel gestartet, von dort aus ging es weiter nach Helgoland, wo die Teilnehmer einen relativ langen Aufenthalt einlegen mussten, da die Windverhältnisse nicht passend gewesen sind. Nach verschiedenen Anlaufstellen, wie zum Beispiel La Coruña, La Palma, La Gomera und Teneriffa sowie einige Häfen der Kap Verde, haben die Segler die Azoren erreicht.

Mehrmals am Tag „die Fische füttern“

Vor allem auf der Insel São Jorge ist Abenteurern und Abenteurerinnen die Gastfreundlichkeit der Einwohner aufgefallen, wie sich Frederick Dürr erinnert. In Kleingruppen wurden sie mit einem Zelt losgeschickt, eine Bleibe für die Nacht zu finden. Nach kurzer Zeit kam den Schülern ein Mann entgegen, der ihnen anbot, in seinem Haus zu schlafen. Das Zelt haben sie dann letztendlich nicht gebraucht. „Natürlich mussten wir aufgrund von der Corona-Pandemie uns an die Regeln der einzelnen Regionen halten. Wir hatten also an Land immer FFP2-Masken auf und haben uns an die Abstandsregeln gehalten, trotzdem bin ich sehr froh, hier zu sein und nicht in meiner Heimat, wenn ich von der aktuellen Corona-Situation dort erfahre“, meint Frederik. Nach jedem Landgang waren die Schüler an Land in Quarantäne, bevor sie zur Weiterfahrt wieder an Bord durften. So können alle sicher sein, das Virus nicht auf das Schiff zu bringen. Zurück auf dem Schiff, haben einige Schüler und Schülerinnen aber manchmal mit anderen Problemen zu kämpfen. Die Seekrankheit setzt auch Frederik Dürr zu. „Bei der Überfahrt von Kiel nach Helgoland musste ich zwischenzeitlich mehrmals am Tag die Fische füttern“, schmunzelt er. „Die Seekrankheit wird zwar besser, aber sie taucht immer wieder auf, was auch sehr abhängig vom Seegang ist. Diese unangenehme Situation wird aber weniger schlimm durch die Hilfe und die Unterstützung der anderen.“

Atemberaubende Sonnenuntergänge

Bald wird dieser Krankheit aber ein Ende gesetzt sein, da das Schiff schon im April wieder vor Kiel auf Reede gegangen ist und die Schüler wieder von ihren Familien begrüßt wurden. Frederik würde aber gerne weiterreisen. „Das ist einfach eine so besondere Erfahrung, die ich gerne noch fortführen würde.“ Berufsschiffer will er aber nicht werden, das wäre ihm dann doch zu anstrengend. Dem 15-Jährigen, der sich schon zuvor für Organisationen wie Fridays for Future engagiert hat, wurden durch das Projekt nochmals stärker die Augen geöffnet, dass es wichtig ist, die Natur zu schützen, da sie so viele besondere Facetten in sich birgt. „Schon allein die Sonnenuntergänge sind immer ein atemberaubendes Erlebnis. Dazu kommt noch, dass manchmal an Deck des Schiffes gerufen wird: ,Wal an Backbord‘ und man so schnell wie möglich zur Schiffsseite rennt, um die gewaltigen Tiere noch zu sehen. Das ist einfach unvergesslich“, schwärmt Frederik.

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