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Schokoladenmanufaktur : Froh nach dem Löwenkuss

  • -Aktualisiert am

Zwei Schweizer Schwestern sind glücklich in ihrer kleinen, feinen Schokoladenmanufaktur in Zürich, mit der sie alle Hände voll zu tun haben.

          Ich liebe Schokolade“, strahlt Fabia Löw. „Unsere essen wir jeden Tag, mindestens eine Tafel.“ Sie steht an der Industrieherdinsel in der Mitte des hellen Raumes und schmelzt in Chromstahltöpfen die Ingredienzien für die Schokoladen und Pralinés. Ihre langen, braunen Haare hat sie zum strengen Zopf gebunden. Sie trägt eine schwarze Schürze und ein schwarzes T-Shirt mit dem Firmenlogo, einem Löwen mit wehender Mähne, darüber „Löw Delights“ in goldener Schrift. Zusammen mit ihrer 33-jährigen Schwester Laura gründete sie 2014 in Zürich ihre Gourmetschokoladen- und Pralinenmanufaktur. Seither produzieren sie täglich handgemachte und zum Teil vegane Süßigkeiten. Laura, in Pulli und Jeans, trägt ihre langen Haare offen. Dauernd meldet sich ihr Handy. Anders als ihre Schwester, die gelernte Köchin, Confiseurin und Patissière ist, kommt Laura aus der Produktentwicklung. Fabia ist für die Produktion zuständig, Laura für das Marketing. „Manchmal haben wir ein paar Heinzelmännchen aus dem Familien- und Freundeskreis, doch meistens erledigen wir alles zu zweit.“

          Alle haben ein Bio-Label

          Die Schokoladenmasse kaufen sie bei den Schweizer Schokoladenherstellern Felchlin und Carma ein. Ihre Firma ist zu klein, um die nötigen Maschinen zu erwerben. Die Massen stehen in Kübeln auf den Tischen und dem Herd. Alle tragen ein Bio-Label. „In unserer Produktion spielt Ethik eine wichtige Rolle“, erklärt Laura. Ihre Produkte verkaufen sie online oder über vegetarische oder vegane Läden in Zürich. „Unsere Kunden sind bereit, mehr für ein faires Produkt zu bezahlen. Nach einem Löwenkuss sind sie glücklich.“ Aus den tiefen Chromstahlschränken und den drei Kühlschränken holt Fabia Zutaten für die Pralinés heraus. Heute stehen die Löwenküsse auf der Liste. Nach dem Polieren der Formen kommen ein Pinsel und eingefärbte Kakaobutter zum Einsatz. Die Formen werden mit der flüssigen Kakaobutter bespritzt. „Mit der Zeit hatten wir beide immer mehr den Drang, selber etwas aufzubauen“, berichtet Laura. Inspiriert wurden sie von ihren Großeltern, sie waren die Inhaber der Schuhfabrik Löw. „Wir wollen die bis jetzt verstaubte vegane Schokolade sexy machen“, betont Laura.

          Für einen schönen Bruch und Glanz

          Unter Löwenbildern steht ihre Temperier-Maschine, die hilft, die Schokoladenmasse in der richtigen Temperatur zu halten. „Für einen schönen Bruch und Glanz muss die Schokolade beim Verarbeiten in einer bestimmten Temperatur sein. Ich kühle die Schokolade, jetzt von 50 Grad auf 31,3 Grad.“ Aus einem Hahn zirkuliert ein ständiger Schokoladenstrahl. Nachdem die Kakaobutter im Kühlschrank fest geworden ist, werden die Formen von der Temperier-Maschine mit Schokolade übergossen. „Den Strahl der Maschine kann ich mit diesem Pedal dosieren“, zeigt Fabia, streicht die überflüssige Schokolade mit einem Metallspachtel weg und legt die Formen auf einen in der Maschine eingebauten Vibrationstisch. „Die Vibration dient dazu, dass alle Luftblasen herausgehen und sich keine Bläschen oder Löcher bilden.“ Nun werden die Hüllen über dem Gitter der Maschine gestürzt. „Durch das Stürzen kann ich genau bestimmen, wie dick die Hüllen der Pralinen werden.“ Die Füllungen der abgekühlten Pralinés sind vielfältig, oft bildet eine Nuss die Grundlage. Eine Variante enthält Kokosnuss, Maracuja, Mandeln und Passionsfrucht. „Wir probieren ständig neue Geschmacksrichtungen. An Ideen fehlt es uns nicht“, erklärt Laura. Neben dem Verkauf bieten die Unternehmerinnen Kurse an. Dort produzieren die Teilnehmer ihre eigene Schokolade.

          Das machen Laura und der Grafiker

          Das Aussehen, die Verpackung und Vermarktung spielt ebenso eine große Rolle. Dafür ist Laura zusammen mit einem Grafiker zuständig. „Wir entwickeln die Formen und Farben unserer Produkte. Die Schokoladentafel zum Beispiel sind mit Wellen verziert. Diese sind auch in unserem Logo, also in der Löwenmähne und in unserem Löw-Herz zu finden“, erklärt Laura, während sie das Gipsmodell der Schokoladentafeln zeigt. Beim Einpacken legen beide Hand an. Dieser Arbeitsschritt dauert etwa gleich lange wie die Herstellung. Auch hier gilt Handarbeit. Jede einzelne Praline wird in ein farbiges Aluminiumpapier eingepackt. Die Farbe des Papiers ist auf den Geschmack des Pralinés abgestimmt. So ist der Frühlings-Löwenkuss in einem pastellfarbigen Rosaton eingepackt. Nach einer Viertelstunde werden die Formen mit ihren feinen Schokoladenhüllen aus dem Kühlschrank genommen. Die Pralinenhüllen bekommen jetzt ihr Herzstück. Fabia füllt die fertige Pralinémasse in einen Spritzbeutel und alle Formen mit der nussigen Schokoladenmasse. Nachdem sie gekühlt wurden, werden sie von der Temperier-Maschine mit Schokolade überzogen. Sind alle mit Schokolade überzogen, streicht sie Fabia mit dem Spachtel glatt. Da klingelt es an der Tür. Davor steht ein Postkurier. Fabia läuft schnell zum Kühlschrank und holt drei verschiedene Löwenküsse heraus. „Er erzählte mir, dass der Ramadan heute Abend fertig sei. Da dachte ich, dass die Löwenküsse ein schönes Fastenbrechen sind“, sagt sie und lacht.

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