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Scherenschnitt : Bildhübscher Baumschnitt

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Die Schweizerin Esther Gerber fertigt Scherenschnitte an. Für ein kleines Bäumchen braucht sie manchmal viele Stunden. Aber ihre Kundschaft ist entzückt.

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          Es ist eine Art Meditation“, sagt Esther Gerber über das Schneiden von Scherenschnitten. Seit 25 Jahren übt die grauhaarige Frau das traditionelle Kunsthandwerk aus. Von ihrem Schreibtisch im lichtdurchfluteten Atelier in Rohrbach bei Bern blickt sie auf den von ihr selbst angelegten Garten mit Teich. An den meisten Tagen schneidet, oder wie die Bernerin sagt, „schäärlet“ sie gut acht Stunden ihre filigranen Kunstwerke aus schwarzem Papier. Traditionelle Scherenschnitte aus der Schweiz haben oft ähnliche Motive: Alpaufzüge mit Kühen und Ziegen, Fahnenschwinger, Alphornspieler, Chalets oder Alphütten.

          Ein Jahr Wartezeit

          Esther Gerber schneidet jedoch nicht nur traditionell. „Die Leute wollen Geschichten“, erklärt die 59-Jährige die Konzeption ihrer Arbeiten. So steht dann auf der einen Seite des Baumes etwa ein Kinderwagen und auf der anderen eine Katze. Manche Kunden wollen auch bestimmte Berge mit Wiedererkennungseffekt als Sujet, etwa das Matterhorn. Viele Arbeiten sind Aufträge, sei es für eine Hochzeit, eine Taufe oder einfach als ein spezielles Geschenk für eine besondere Person. Zurzeit hat Gerber so viele Aufträge, dass die Wartezeit ein Jahr beträgt. Die Kunden kommen von überall. „In letzter Zeit kommen häufiger junge Leute als früher“, bemerkt Esther Gerber.

          Fast nicht zu spüren

          Mit ihren feingliedrigen Händen nimmt sie den Bleistift und beginnt auf die weiße Rückseite des Papiers eine Vorlage zu zeichnen. Danach schneidet sie den Linien nach aus. Das Papier ist einseitig schwarz bedruckt und so dünn, dass man es zwischen den Fingern fast nicht mehr spürt. Für ein ungefähr fünf auf fünf Zentimeter großes Bäumchen benötigt sie drei bis vier Stunden. 200 Arbeitsstunden für einen Scherenschnitt sind nichts Außergewöhnliches. Und falls sie sich einmal verschneidet, ist das meistens nicht weiter schlimm. „Wenn bei einem Baum ein Ästchen fehlt, merkt das niemand. Und falls ich einem Pferd den Schweif abschneide, versuche ich es zu retten, indem ich entweder das ganze Motiv wegschneide oder den Schweif wieder anklebe.“

          Anfangs nur ein Hobby

          Vor 25 Jahren nahm die gelernte Floristin an einem Scherenschnitt-Kurs teil und entdeckte so ihre Passion. Anfangs war es nur als Hobby, irgendwann machte sie es hauptberuflich. Sie verkauft auch Karten, Laternen, Kissenbezüge, Topflappen und Geschirr, die mit ihren Motiven bedruckt sind. Mittlerweile hat sie Angestellte, die ihr beim Nähen, in der Buchhaltung oder bei ihrer Website für den Online-Shop helfen. So kann sie sich auf die Scherenschnitte konzentrieren, für die sie ein extra angefertigtes Scherchen benutzt. Eigentlich war es einmal ein normales Scherenschnittscherchen, also ein kleines Scherchen ungefähr so groß wie eine Nagelschere. Jedoch ist die Spitze abgesägt und dann so lange geschliffen worden, bis wieder eine scharfe Klinge entstanden ist. Die Spitze ist wie eine Nadel, so kann man ganz fein schneiden. „Mir gefällt vor allem das Zeichnen“, sagt Esther Gerber. „Schon in meiner Schulzeit zeichnete ich immer sehr gerne, besonders Bäume und das ländliche Leben.“

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