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Schauspieler : Sie lieben Skandale und Applaus

  • -Aktualisiert am

Bild: Andrea Koopmann

Die Honorare sind oft gering, die Arbeitszeiten so gewöhnungsbedürftig wie die Aussichten. Trotzdem mögen viele Schauspieler ihren Beruf.

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          Ich bin ein Gesellschaftsmensch“, sagt die 28-jährige Irina Ries, Schauspielerin am Stadttheater Gießen. Seit 2006 ist die 1,65 Meter große Frau mit dem langen braunen Haar am Stadttheater angestellt. „Es gefällt mir gut in Gießen, ich lebe in einer Zweier-WG und bekomme am Theater viele anspruchsvolle Rollen, die ich wahrscheinlich an anderen Häusern nicht bekommen würde.“ Trotzdem bewirbt sie sich ständig aufs Neue: „Damit ich im Vorsprechen fit bleibe und bei einem späteren Bewerbungsgespräch, bei dem es darauf ankommt, nicht zu aufgeregt bin“, erklärt sie. Sie findet den Gedanken schön, ihren Beruf so lange auszuüben, bis sie „alt und schrumpelig“ ist.

          Schockwirkung und Nacktszenen

          Man sollte den Beruf des Schauspielers aber nur ausüben, wenn man komplett dahintersteht, denn die Theaterbranche lebt von starken Bildern und setzt auf Schockwirkung. Zuschauer werden mit Nacktszenen und viel Blut konfrontiert. Irina Ries hat damit kein Problem. „Ich finde Skandale wichtig und würde sogar selbst eine Nacktszene spielen, wenn ich die Aussage, die dahintersteckt, verstehe. Man kann sich seine Rollen nicht immer aussuchen. Schauspieler sind ohnehin gezwungen, flexibel zu sein.“ Meistens hat man an einem Theater nur einen Zweijahresvertrag und wechselt daher oft den Wohnort. Es kommt auch vor, dass man gar kein festes Engagement bekommt. Dann muss man sich als freier Schauspieler über Wasser halten, der nur für ein Stück, meist für sechs Wochen, an einem Theater spielt.

          Sie selbst war schon während und nach ihrem Schauspielstudium an vier verschiedenen Theatern, und das ist eigentlich noch ziemlich wenig. 1990 begann die damals Achtjährige aus Niedernhausen im Taunus mit der Schauspielerei, zunächst im Jugendchor und im Jugendclub und dann in der Statisterie und mit kleinen Sprechrollen am Stadttheater Wiesbaden. Ihre Eltern wollten eigentlich, dass sie erst einmal etwas „Richtiges“ lernt. Lachend sagt Irina Ries: „Als sie dann gemerkt haben, dass es klappt, und sie mich bei Projekten an der Schule beobachtet haben, fanden sie es dann doch ganz toll. Der Beruf des Schauspielers ist eben nicht einfach, im Extremfall können manchmal 55 Stunden die Woche anfallen, ohne die Zeit, die man ohnehin zu Hause Text lernen muss oder sich auch körperlich fit halten sollte.“

          Nur 1650 Euro Bruttogehalt

          Für den 32-jährigen Dominik Breuer, der ebenfalls am Gießener Stadttheater angestellt ist, sind 55 Stunden noch relativ wenig. Bei ihm kam es sogar schon vor, dass er 100 Stunden in der Woche gearbeitet hat. Kein leicht verdientes Geld, wenn man bedenkt, dass ein Schauspieler unter Umständen in den ersten Jahren nur 1650 bis 2000 Euro Bruttogehalt im Monat bekommt. Dominik ist 1,78 Meter groß und hat eine Glatze. Auch er ist viel herumgekommen, innerhalb von neun Jahren hat er in fünf verschiedenen Städten gelebt. „Dabei ist es nicht leicht, die Schauspielerei mit Familie und seinen Freunden zu verbinden. Man macht diesen Beruf eben nicht fürs Geld“, sagt er.

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