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Sathmarer Schwaben : An allen vier Ecken einen gebratenen Fisch

  • -Aktualisiert am

Die Mundart der Sathmarer Schwaben in Rumänien schwindet langsam. Im Kommunismus galt es als eine Art kleines Verbrechen, sie zu unterrichten. Das wirkt nach.

          Hui sott i gau, do sott i bleibe, i sott i meinre Muetter

          Krumbüre reibe, i reibe. Wenn deani Schwobemädle

          Lädele tätie zue, Lädele tätit zue.

          „Oh, ich soll gehen, ich soll meiner Mutter Kartoffeln reiben. Wenn deine schwäbischen Mädchen den Laden zumachen.“ Warum gilt die Mundart der Sathmarer Schwaben als ein Schatz? Diese Mundart verbirgt die ganze Geschichte einer Volksgruppe. Die Sathmarer Schwaben sind eine deutschsprachige Minderheit in Rumänien, die vorwiegend im Verwaltungskreis Sathmar, rumänisch Satu Mare, angesiedelt ist. Aber bevor man sich auf das Kennenlernen dieser besonderen Mundart einlässt, muss man der Herkunft und ihrem geschichtlichen Hintergrund nachgehen. Die Sathmarer Schwaben gehören zusammen mit anderen deutschsprachigen Minderheiten Südosteuropas der Gruppe der Donauschwaben an. Sie bilden den Kern der „Sprachschwaben“ unter den Donauschwaben, weil sie mit der größten Berechtigung den Namen Schwaben tragen: Die Sathmarer Schwaben sind nämlich keine „Nennschwaben“, sondern sowohl der Herkunft als auch der Sprache nach echte Schwaben. Die Mundart spielt eine wichtige Rolle im Leben dieser Bevölkerungsgruppe in Rumänien. Sie gehört zum Schwäbisch-Alemannischen, weil die Diphthonge „ie“ und „uo“ geblieben sind und „st“ als „scht“ vorkommt. Außerdem wird auch -en zum schwachtonigen e = ă (kommen – kummă, gegangen – gangă).

          Wie jene der Bauern um Ravensburg

          Vergleichen wir die Mundart der Sathmarer Schwaben mit den Mundarten, die in den Ortschaften gesprochen werden, aus denen diese Siedler gekommen sind, so können wir feststellen, dass sie im Allgemeinen so klingt wie jene der Bauern aus den Ortschaften um Ravensburg und Biberach. Genau wie in Oberschwaben macht man in Sathmar die greschti Spätzle, trinkt e Gläse Wie, isst Gruiba und en Zieger. Die typisch schwäbische Verkleinerungsform „-li“ kommt häufig vor. Auch gibt es im Sathmarschwäbischen die Entrundung von ö zu e (hören – heere, schön – schee, böse – bees).

          Heute wird die Mundart nur von wenigen Leuten gesprochen. Die siebzig Jahre alte Maria Schaffler lernte die sathmarschwäbische Mundart, als sie ein Kind war, aber sie konnte sie ihrer Tochter Laura nicht mehr weitergeben, weil das Beibringen des Deutschen oder des Schwäbischen in den siebziger Jahren im damaligen kommunistischen Rumänien nicht gerade als Tugend, sondern eher als kleines Verbrechen galt. Sie meint, die sathmarschwäbische Mundart sei in ihrem Leben der höchste Wert, den man beschützen sollte, aber die junge Generation würde sie nicht schätzen. Deshalb sehe sie keine Hoffnungszeichnen für die Rettung der Mundart.

          Gleich nach der Wende gegründet

          Auch der Ehrenvorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Sathmar und ehemalige Deutschlehrer Johann Forstenheizler betont, dass, obwohl das Forum viele Aktionen für die Rettung der deutschen und sathmarschwäbischen Kultur und Sprache organisiere, die Mundart in den nächsten Jahren langsam verschwinden werde. Das Forum, das als die Vertretungsorganisation der deutschen Minderheit gilt, wurde 1990, gleich nach der Wende, gegründet und bedeutet eine unverzichtbare Unterstützung für die Deutschen im rumänischen Landkreis Sathmar. Die Tätigkeit des Forums ist vielfältig, zum Beispiel hat das Forum eine deutsche Monatszeitung, „Die Schwabenpost“, und samstags eine Radiosendung in deutscher Sprache, die „Deutsch Express“ heißt. Es gibt einen schwäbischen Männerchor und viele Volkstanzgruppen. Das deutsche Lyzeum „Johann Ettinger“ nimmt aktiv eine Brückenfunktion in der Bewahrung und Pflege der hiesigen Traditionen und Sitten wahr.

          Auch heute gibt es in der Gegend einige Dörfer, in denen ein Teil der Bevölkerung die Mundart noch beherrscht.

          „Mr winschet eich en goldene Tisch,

          A alle vier Ecke en brotene Fisch,

          Z’mitlede nei en rotkiahle Wei,

          Daß dr Vetter und Bäs kann luschtieg sei.“

          Hochdeutsch:

          „Wir wünschen euch einen goldenen Tisch,

          An allen vier Ecken einen gebratenen Fisch,

          In der Mitte einen rotgekühlten Wein,

          Damit der Onkel und die Tante lustig sind.“

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