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Rollsportclub Winterthur : Man rutscht mehr

  • -Aktualisiert am

Eineinhalb Monate trainieren sie für eine Kür. Im Winterthurer Rollsportclub sporteln 72 Kinder, aber die Halle müssen sie sich mit dem Fußballclub teilen.

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          Aso ich han so e Serie glueget, die heisst ,Soy Luna‘ und dür da bini eigetlich zum Rollkunstlaufe cho“, sagt Tenaya lächelnd. Die 14-Jährige sitzt in der Garderobe und lässt die Füße mit den Rollschuhen baumeln. „Soy Luna“ ist eine argentinische Telenovela, ausgestrahlt im Disney Channel, die das Leben von Luna erzählt, in dem Skaten und Rollschuhlaufen eine wichtige Rolle spielen. Rollschuhlauf kann man sich vorstellen wie Eiskunstlauf, nur ohne Eis und auf Rollschuhen. Auch wenn die Sportarten ähnlich sind, gibt es feine Unterschiede: Im Eiskunstlauf fährt man auf nur einer Kante anstatt auf zweien, man rutscht mehr, „und es isch halt chalt“, erklärt die 13-jährige Alba und hebt ihren Fuß mit dem Rollschuh, um die Kanten entlang der zwei mal zwei Rollen zu zeigen.

          Im Sommer haben sie mehr Platz

          Der Winterthurer Rollsportclub, in dem Alba, Tenaya, Jael, Lena und Lana trainieren, muss die Halle mit dem örtlichen Fußballklub teilen. Schon von der Zuschauertribüne der großen Turnhalle aus hört man die Rollschuhe der etwa 25 Mädchen, die an diesem Freitag trainieren – und die Musikboxen der Fußball-Jungs aus den Garderoben im unteren Stock. „Im Sommer haben wir mehr Platz, weil die Fußballer dann draußen trainieren“, sagt Christian Meyer, einer der Trainer. Im Winterthurer Rollsportclub sind 72 Kinder – davon nur drei Jungs – die von drei ehrenamtlichen Trainern trainiert werden. Die meisten Kinder kommen zwei- bis dreimal in der Woche. Die jüngste Läuferin sei drei Jahre alt, die älteste 21, berichtet Meyer weiter. Der Besitzer einer Schreinerei freut sich, dass der Club in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist.

          Fahren auf vorgegebenen Kreisen

          In der Schweiz gibt es im Jahr vier bis fünf Wettkämpfe, inklusive Schweizermeisterschaft. Dabei sind die Jugendlichen in verschiedenen Kategorien eingeteilt und je nach Wettkampf in zwei Disziplinen, der Pflicht und der Kür. „Es ist immer speziell, eine Kür zu laufen, das sind einfach wir, und niemand hat die gleiche Kür“, sagt Tenaya. Bei der Pflicht müssen die Sportler auf vorgegebenen Kreisen fahren und vordefinierte Figuren zeigen. Christian Meyer könnte sich vorstellen, dass die Pflicht in zehn Jahren nicht mehr gefahren wird, da die Beliebtheit zunehmend abnimmt, obwohl es die Kategorie schon seit hundert Jahren gibt. Schon in den 1860er Jahren gab es den ersten Rollschuh-Boom in den Vereinigten Staaten und Europa, zwanzig Jahre später gab es in Paris vierzig Rollschuhbahnen und in London sogar siebzig. Ebendort wurde für einige Zeit sogar die größte Rollsporthalle, ungefähr so groß wie ein Fußballfeld, betrieben. Auch Frankfurt bekam sein „Rollodrom“ wenig später im Palmengarten. In ganz Deutschland gab es nach 1876 etwa fünfzig Bahnen. Zwischenzeitlich war der Rollsport nahe daran, beliebter als das Radfahren zu werden. Seit 1911 werden Deutsche Meisterschaften im Rollkunstlauf veranstaltet. Anfangs wurden sogar Wettbewerbe im Weitspringen durchgeführt, der Rekord lag dabei bei 6,84 Meter, im Hochsprung überwand man 110 Zentimeter. Ein australischer Professor lief 1913 108 Stunden lang für den Dauerlaufrekord.

          Auch Kleider und Frisuren sind beim Wettkampf wichtig

          Heute dauert ein Wettkampf den ganzen Tag. Was auch auf keinen Fall fehlen darf, sind die passenden Kürkleider und Frisuren. Im Club gibt es sogar eine Friseurin, die für das Styling sorgt. „Denn hemmer immer mega schöni Frisure“, schwärmen Lana und Lena. Die Freundinnen fahren seit zwei Jahren im Verein. Sie geben zu, nervös zu sein, genießen es aber, wenn sie die Bahn für sich haben und zeigen können, was sie draufhaben. Man brauche etwa eineinhalb Monate, bis die Kür sitze, sagen die 12-Jährigen. Ein Höhepunkt für alle ist jedes Jahr das Trainingslager in den Frühlingsferien, das vom Club organisiert wird. Eigentlich sei es eher ein Mix zwischen Trainingslager und Familienferien, erklärt Christian Meyer. Am Morgen wird trainiert, der Nachmittag steht den Familien zur freien Verfügung. Alle wohnen in dieser Woche in einem Feriendorf in der Nähe von Folonica in der Toscana. Meistens unternehmen alle zusammen etwas oder gehen abends essen. Auf die Frage, weshalb ihr Sport so toll sei, meint Lena noch, dass es halt echt cool sei, und auch wenn es kein Teamsport sei, sei man mit allen anderen zusammen.

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