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Römermuseum : Im Kettenhemd den Römer spielen

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Ein Medusa-Relief gießen

Das Limesmuseum gehört seit elf Jahren zum Unesco-Weltkulturerbe, vor allem aufgrund von Fundstücken wie Waffen oder den unzähligen Schuhpaaren, von Kinder- bis zu Erwachsenengrößen. Jährlich kommen 45 000 bis 50 000 Besucher, und es finden um die 6000 Projekte oder Kindergeburtstage statt. Dabei können verschiedene Aktionsprogramme gewählt werden, zum Beispiel römische Münzen gießen, einen römischen Reiter, Limeswachtürme oder Lederbeutel basteln, wofür sich die Ulmer Klasse entschieden hat. Außerdem kann man ein Medusa-Relief gießen, eine römische Halskette anfertigen oder das Schreiben wie in der Antike lernen.

Im Kampf um die Lederfarben

„Ich hatte einmal einen Kindergeburtstag, von dem die Hälfte aller Kinder schon einmal hier war. Diese wussten alles noch. Es ist einfach schön zu sehen, dass so vieles hängenbleibt“, sagt die Frau in schwarzer Lederhose. Gespannt schauen alle 22 Augenpaare zu ihr auf, während sie erklärt, wie die Lederbeutel gemacht werden. Dann beginnt der Kampf um die verschiedenen Lederfarben, es stehen zur Auswahl: schwarz, grau, braun und weiß/beige. „Ich möchte Schwarz!“, „Ich möchte Hellgrau!“, schallt es durch den kleinen Raum, der komplett von dem großen Tisch ausgefüllt wird. Auf ihm liegen Scheren, Kugelschreiber und Schablonen, in die Löcher vorgezeichnet sind. Zuerst müssen die Schablonen von den Grundschülern möglichst ledersparend angebracht, dann nachgezeichnet und ausgeschnitten werden. Anschließend werden die zuvor angezeichneten Löcher durchgestochen. Was sich in der Theorie einfach anhört, ist für die Drittklässler nicht leicht. Meist muss eine der Lehrerinnen helfen. Zum Schluss zeichnen sie noch das Mühlenspiel hinein und ziehen einen Faden durch die Löcher, damit es nun zum wirklichen Täschchen wird.

Mit Fibeln stecken sie die Hemden zusammen

Einige möchten schnell fertig werden, denn als Belohnung wurden ihnen sechs Edelsteine und eine Erklärung des Spiels versprochen. Andere wiederum wollen alles perfekt hinbekommen. Die es geschafft haben, binden sich die Beutel gleich an den Hosenbund. Vor dem Raum stehen die Mühle-Spielbretter in Groß. Nach der Erklärung werden die ersten Partien gespielt.

Zum Schluss dürfen sich die Kinder verkleiden. Schnell sind die Schubladen mit den Kettenhemden leergeräumt, die Helme aufgesetzt und die Schwerter und Schilde in der Hand. Die Mädchen reißen die Frauenkleider von dem Ständer und wollen am liebsten so aussehen, wie es Frau Baumgärtner vorgemacht hat. Mit Fibeln, die wie Anstecknadeln aussehen, werden die Hemden oben zusammengesteckt, sodass sie an den Kinderleib passen. Noch rasch die Haare hochstecken, und schon rennen lauter kleine Römerinnen und Römer durch das Gebäude und stellen sich zum Fotografieren hin.

Ausziehen und Aufräumen

„Mach von mir auch noch ein Bild!“ Die Lehrerinnen kommen mit dem Fotografieren und Anziehen gar nicht mehr hinterher. Die Kinder holen sich ihre Fotoapparate und fotografieren sich nun gegenseitig. „Das Tolle an Römern ist, dass man sie immer wiedererkennt, zum Beispiel an ihrer Kleidung oder Bauweise“, sagt die sympathische Führerin, „und sie haben immer ihr Ding durchgezogen.“ Mit Applaus wird Katja Baumgärtner von den kleinen Römern verabschiedet, bevor es ans Ausziehen und Aufräumen geht. Danach kommt das langersehnte „Spiiieelen!“. Schon sind alle draußen zwischen den wiederaufgebauten Mauerresten.

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