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Restaurantfachfrau : „Frau Ahmeti, ich erwarte besten Service“

  • -Aktualisiert am

Routiniert arbeiten, wo andere Urlaub machen: Ceziban aus Heidelberg arbeitet als Restaurantfachfrau auf Cran Canaria und genießt ihren Einsatz..

          3 Min.

          Der Blick ist auf das himmelblaue Meer gerichtet. Der frische Morgenwind weht durch ihre braunen, gelockten Haare, als Ceziban Ahmeti mit dem Fahrrad die Allee entlangfährt. Sie ist auf dem Weg zum Seaside Grand Hotel Residencia, Maspalomas. Dort muss sie um neun Uhr ihren Teildienst antreten und ihre spanischen Kollegen beim Frühstücksservice unterstützen. Es ist ihre zweite Auslandserfahrung nach einer anstrengenden, aber lehrreichen Ausbildung im Europäischen Hof Heidelberg. Ceziban ist stolz, dass sie es bis hierher geschafft hat. „Eines Tages auf Gran Canaria zu arbeiten und endlich fließend Spanisch von Einheimischen zu lernen war schon immer einer meiner größten Träume“, sagt sie. „Dort arbeiten, wo andere Urlaub machen, gibt es etwas Schöneres im Leben?“ Sie liebt ihren Job, das sieht man der gelernten Restaurantfachfrau an. Lediglich einen kleinen Rückschlag bringt die Entscheidung des Auslandsaufenthalts mit sich. Sie wurde aufgrund fehlender Sprachkenntnisse zurückgestuft vom Chef de Rang, der Verantwortung über eine ganze Servicestation hat, zum Camarero, dem einfachen Kellner. „Das bedeutet weniger Gehalt, weniger Verantwortung, aber dennoch dieselbe Hingabe zum Job“, erklärt sie. „Ich bereue es nicht, diesen Schritt zurück auf der Karriereleiter gemacht zu haben. Wer weiß, spätestens in einem Jahr wird es sich wieder auszahlen.“ Da ist sich die 32-Jährige sicher.

          Heute lieber ein Tässchen Tee?

          Ein schwarzer Rock, eine weiße Bluse und eine weiß-babyblau gestreifte Weste mit Fliege sind der Dresscode für den Frühdienst. Ceziban hält ihre Mitarbeiterkarte vor die Zeiterfassungsuhr und begrüßt ihre Kollegen mit Küsschen rechts, Küsschen links. Die ersten Urlauber trudeln im Frühstücksraum ein. Ceziban kümmert sich liebevoll um die Gäste in ihrem zugeordneten Servicebereich. „Ein warmer Kaffee wie immer für Sie, oder möchten Sie heute lieber ein Tässchen Tee?“ Es herrscht eine familiäre Atmosphäre im Hotel, die Gäste schätzen ihre freundliche Art. „Wir haben viele Stammgäste, die manchmal auch mehrmals im Jahr kommen, da freut man sich immer wieder, bekannte Gesichter zu sehen und kurz zu quatschen“, erzählt die Heidelbergerin mit jugoslawischen Wurzeln. Einen Gast hat sie an seinen Zigarren wiedererkannt. „Die Welt kann manchmal so klein sein, vor allem in der Hotellerie“, lacht sie. Montecristo No. 2, genau diese hat sie zuletzt bei ihrem Österreich-Aufenthalt im Hotel Schloss Pichlarn in der Hand gehabt. Es gehörte für zwei Wochen zu einer ihrer täglichen Aufgaben, die Zigarrenlounge für eine kleine Runde von gestandenen Männern mit genau dieser Zigarre vorzubereiten. „Wie könnte ich das vergessen. Das sind die Momente, in denen mich mein Job mal wieder zum Lächeln bringt.“

          Diese Aufgabe macht keiner gern

          Ihre Kollegen beginnen mit dem Abbau des Buffets. Gegen 12 Uhr schnappt sich Ceziban einen Servierwagen, um in der Zwischenzeit den Frutas-Dienst vorzubereiten. „Mise-en-place, der französische Fachbegriff für alle Art von Vorbereitungsmaßnahmen eines Arbeitsplatzes, ist die halbe Miete in der Gastronomie.“ Damit pünktlich um 12.30 Uhr mit dem Rundgang gestartet werden kann, fängt sie an, Körbe mit Obst zu befüllen und auf dem Wagen zu plazieren. Diese müssen auf die Zimmer verteilt werden. „Eine Aufgabe, die keiner gerne macht. An jedem Zimmer zweimal anzuklopfen und auf die Antwort der Gäste zu warten, kann manchmal echt nervig sein und kostet Zeit, viel Zeit, die man in der Gastro natürlich nicht hat“, verrät sie.

          Von 14 bis 18.30 Uhr ist Siesta angesagt. Doch Ceziban ist viel zu unruhig, um sich für vier Stunden hinzulegen. Nach 20 Minuten steigt sie auf ihr Fahrrad und fährt erneut die Allee entlang runter an den Strand. „Dafür liebe ich diesen Platz so sehr.“ Gran Canaria bietet nicht nur traumhafte weiße Sandstrände, sondern auch bergige Landschaft im Inselinneren. Idyllische Fischerdörfer begeistern mit bunt bemalten Häuschen. Die Gastfreundlichkeit der Einheimischen scheint grenzenlos. „So schnell, wie man hier neue Leute kennenlernt, so schnell lernt man auch ihre Sprache“, schwärmt sie.

          Es wird nicht gebeten, sondern verlangt

          „Frau Ahmeti, heute haben Sie eine spezielle Verantwortung: Die Familie des Hotelinhabers sitzt in Ihrem Servicebereich. Ich erwarte vollste Konzentration, Ihren besten Service und dass nichts, aber auch gar nichts heute schiefläuft. Kann ich mich auf Sie verlassen?“ – „Selbstverständlich.“ Cezibans Können hat ihren Chef bisher noch kein einziges Mal enttäuscht. Trotzdem gehören diese Anweisungen zum Business. Sie ist es gewohnt, dass nicht gebeten, sondern verlangt wird. „Irgendwann ist man abgehärtet und damit selbstsicherer. Wenn man liebt, was man tut, gibt es keinen Grund, sich verunsichern zu lassen.“ In ihrer Uniform fühlt sie sich sicher. Zum Abendservice trägt sie eine Weste mit schwarzen und goldenen Streifen. Es ist 18.30 Uhr. Ceziban begrüßt ihre ersten Gäste, plaziert sie und reicht ihnen lächelnd die Menükarte für den heutigen Abend. In den nächsten fünf Stunden ist sie gefordert.

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