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Reiten : Die Pfleger-Fälle des Pferdesports

  • -Aktualisiert am

Die Arbeit als Pferdepflegerin ist harte körperliche Arbeit Bild: Michael Kretzer

Null Privatleben, jedes Wochenende harte Arbeit und das für wenig Geld: Vor allem junge Frauen stehen als Pferdepflegerinnen hinter den guten Turnierreitern. Die meisten sind nach dem Abitur in dem Job hängengeblieben.

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          Ein kühler Donnerstagmorgen in den Messehallen einer deutschen Großstadt. Wo sonst Autos parken, stehen 240 mit Stroh und Spänen gepolsterte Boxen, dazwischen schmale Stallgassen. Vor zwei Tagen sind die Pferde eingezogen, die in den Nachbarhallen an einem Reitturnier teilnehmen werden. Viele Boxen sind mit dicken Stoffplanen verhängt, auf denen das Logo der Turnierställe prangt. Ein wenig Privatsphäre für ihre Pferde erhoffen sich die Pfleger von diesem notdürftigen Schutz.

          Nur ein paar Schritte entfernt absolvieren die Weltstars der Dressur- und Springszene hochdotierte Prüfungen – unter dem Applaus eines Publikums, das so zahlreich erschienen ist wie nie zuvor. Aber der Durchgang zur Stallhalle, gut getarnt durch mehrere Kübelpflanzen und streng bewacht von einem Mann der Security, bleibt den Zuschauern versperrt.

          Finnin ist wohl bekannteste Pflegerin Deutschlands

          Seit den Doping-Fällen während der Olympischen Spiele vor einem Jahr legt man noch mehr Wert darauf, dass kein Unbefugter die Stallhallen der großen Reitturniere betritt. Immerhin sind hier auch Weltklassepferde wie Shutterfly untergebracht. Der dunkelbraune Wallach taucht seinen rechten Vorderhuf geduldig in ein Fußbad, während seine Pflegerin, die Finnin Anu Harrila, Stroh von der Stallgasse in die Box fegt. Anu Harrila ist die wohl bekannteste Pferdepflegerin Deutschlands. „Ein ganz zierlicher, kleiner Mensch“, sagt Springreiterin Meredith Michaels-Beerbaum über sie. „Sie ist sogar noch kleiner als ich.“

          Im Stallbüro können die Pflegerinnen ihre Sorgen loswerden

          Anu Harrila ist 30 Jahre alt, ein hellblondes, viel jünger wirkendes Mädchen, das sich seit neun Jahren um Shutterfly kümmert. „Für mich ist er ein ganz normales Pferd: lieb, normal und ruhig.“ Anu Harrila lernte den sechsjährigen Wallach noch als „Peter“ kennen, denn als Fohlen wurde er auf den Namen Struwwelpeter getauft. Für sie ist er deshalb Pietu, ein finnischer Kosename für Peter. Sie trägt ein Armband aus geflochtenem schwarzen Schweifhaar von Shutterfly und einem goldenen Amulett, darin ein kleiner Brillant und in Schönschrift eingraviert „Pietu“ – ein Geschenk ihrer Arbeitgeber und Kollegen zum 30. Geburtstag.

          Sie wollen die Welt sehen

          Anu Harrilas Biographie ist beispielhaft für den Weg, den die Pferdepflegerinnen der großen deutschen Turnierreiter zurückgelegt haben. „Seit ich sieben bin, habe ich in Ställen geholfen.“ Nach dem Abitur in Finnland lebte sie ein Jahr als Pferdepflegerin in Frankreich und ging dann nach Deutschland, um im Stall der Familie Beerbaum zu arbeiten.

          Ninna Leonoff, die Pflegerin von Markus Beerbaums Pferden, erzählt in der Box gegenüber eine ähnliche Geschichte. Die Dreißigjährige arbeitet seit ihrem Schulabschluss als Pferdepflegerin, auch sie kommt aus Finnland. „In meiner Heimat ist die Reiterei eine eher kleine Angelegenheit“, sagt sie, während der Dunkelfuchs Siep seine Schnauze auf ihre Kapuze stützt. „Finnische Reiter bleiben in Finnland oder starten höchstens mal in Schweden. Ich wollte die Welt sehen. Ich war schon in den Vereinigten Staaten, überall in Europa und sogar in Malaysia. Das hier ist so etwas wie ein Lebensstil.“

          „Ewig kann man den Job nicht machen“

          Ein Lebensstil, für den die jungen Frauen sich einiges zumuten: fast jedes Wochenende auf einem anderen Turnier, körperlich harte Arbeit, Tage im provisorischen Turnierstall, Nächte in den Wohnabteilen der Pferdetransporter, früh aufstehen, nach den letzten Prüfungen spät ins Bett gehen. „Ewig kann man den Job nicht machen“, sagt die 27 Jahre alte Melina Jobst, die anders als viele Kollegen gelernte Pferdewirtin ist. Sie zeigt auf den Mann, der mit einem Schimmel vor ihr in der Schlange auf den Gesundheitscheck durch den Turniertierarzt wartet. „Das ist unser Oldie. Derren ist schon 38. Der macht den Job seit 20 Jahren.“

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