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Reiseschriftstellerin : Die Sehnsucht nach Schwarzbrot bleibt

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Wer schreibt, braucht Lebenserfahrung, findet eine deutsche Reiseautorin, die über ihre Liebe zu Portugal, Klischees und Unsitten ihrer Wahlheimat spricht.

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          Weil man und frau bei Rot die Straße überqueren“, ist nur einer von vielen Gründen, die Annegret Heinold gefunden hat, um Portugal zu lieben. Die Schriftstellerin ist 1955 in Lüneburg geboren und wohnt seit mehr als 30 Jahren in Portugal. In ihrem Buch „111 Gründe, Portugal zu lieben“ gibt sie „eine Liebeserklärung an das schönste Land der Welt“ ab. Das scheint zu überzeugen. „Genauso liebenswert, wie uns die Menschen in Portugal begegneten, ist dieses Buch geschrieben. Ich hätte noch 1111 Gründe weiterlesen mögen, warum ich Portugal auch so gerne habe“, schreibt eine Leserin in einer Internetrezension. Annegret Heinolds Eltern waren Flüchtlinge. Ihre Mutter wurde aus Schlesien vertrieben, ihr Vater verließ 1953 die Sowjetische Besatzungszone. Sie haben sich in Frankfurt kennengelernt. Ihre Tochter findet: „Bücher und Schreiben gehören einfach zu meinem Leben.“ Sie sei in einem „Bücherhaushalt“ aufgewachsen. „Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt“, zitiert sie ein arabisches Sprichwort. Die Autorin von Sachbüchern und Frauenromanen hat nach dem Abitur Damen- und Herrenschneiderei gelernt. Später studierte sie Germanistik, Pädagogik und Naturwissenschaften in Hamburg,

          Amerikanische Online-Schreibkurse

          Sie schreibt Kurzgeschichten, Reisereportagen und eine monatliche Magazin-Kolumne. Annegret Heinold hat amerikanische Online-Schreibkurse absolviert, „da die Kurse in Nordamerika viel günstiger sind“. Sie ist 1983 mit ihren Mann nach Portugal gezogen, wo sie zwanzig Jahre lang ein Gästehaus und Seminarzentrum in Melides an der Südwestküste geleitet haben. Sie verkauften das Haus und wohnen jetzt auf einem kleinen Weingut in Nordportugal. Neben dem Schreiben arbeitet sie seit vier Jahren als Reiseleiterin für eine deutschen Firma, die Studienreisen in Portugal, auf Madeira und in Westkanada anbietet. Schon seit sie klein war, wollte sie Schriftstellerin werden, wusste aber, dass man dazu mehr Lebenserfahrung und Abenteuer braucht. Erst mit 40 Jahren schrieb sie einen Roman und Kurzgeschichten. Zu lesen bekamen die Texte aber nur Familie und Freunde. 2014 erschien dann der Reiseführer. Man entdeckt Sachen über das eigene Land, die man vorher noch nie bemerkt hat. Natürlich geht es auch um Klischees, die endlosen Strände an der Atlantikküste, die gegrillten Sardinen, die Pastéis de Nata, Fado und Kabeljau und um Sehenswürdigkeiten. Ihr Lieblingsgrund, Portugal zu lieben, ist Nummer 56: „Weil ein Keks als Grundnahrungsmittel angesehen wird.“ Die Rede ist von der „Bolacha Maria“. die von 0 bis 100 Jahren „gefuttert wird“. Die Autorin liebt „die Menschen und die Art und Weise, miteinander zu leben, die Klarheit, das Licht, den offenen Himmel. Der Himmel scheint hier in Portugal höher zu sein, und das Licht hat eine schwer zu erklärende Besonderheit.“

          Sie hat Freunde mit Fragen gelöchert

          Natürlich gibt es Schwächen, Annegret Heinold kann die Unsitte von Menschen nicht ertragen, die „schnell mal in die Apotheke oder wohin auch immer fahren. Statt richtig zu parken, blockieren sie, ohne Rücksicht und schlechtes Gewissen, den Weg.“ Aber immer überfällt sie die „saudade“ (Sehnsucht) nach der „gemütlichen deutschen Kneipe um die Ecke, wo man abends sitzen und ein Bier trinken kann, nach Lakritzen, Leberwurst, deutscher Schokolade und Schwarzbrot“. Heinold hat im Alentejo gelebt, lebt seit langem in der Nähe von Viseu, kennt viele Leute. „Ich hab allen Fragen gestellt, meine Freunde mit Fragen gelöchert und online recherchiert.“ So sammelte sie viel mehr als nur 111 Gründe, schrieb sie auf farbige Blätter und legte sie auf dem Boden geordnet aus. Außerdem schrieb sie den „Fettnäpfchenführer Portugal“ mit dem Untertitel „Die Kunst des Improvisierens im Land der Entdecker“. Stephanie und Alex, die Hauptfiguren des Werkes, leben ein Jahr in Portugal, einem „Land mit einer langen Geschichte, einer ruhmreichen Vergangenheit und einer komplizierten Gegenwart“. Die Romanfiguren improvisieren viel, um sich anzupassen, ganz nach dem portugiesischen Sprichwort: „Wer keinen Hund hat, jagt mit der Katze.“

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