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Whiskybrennen am Schliersee : Reifen muss er mindestens drei Jahre und einen Tag

  • -Aktualisiert am

Bild: Illu Philip Waechter

Am malerischen Schliersee wird seit 22 Jahren bayrischer Whisky gebraut. Ein Rundgang durch die Destillerie mit Blick auf den Wendelstein.

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          Im gleichmäßigen Takt treffen sachte Wellen auf den Kiesstrand. Langsam gleitet eine Ente in das kühle, klare Wasser und taucht auf der Suche nach Nahrung unter. In der Ferne ragt der Gipfel des Wendelsteins empor. Dieser reiht sich neben dem Jägerkamp in die Bergkulisse des Schliersees in Oberbayern ein. Weniger als fünf Minuten entfernt befindet sich die Whisky-Destillerie „Slyrs“. Schon am Parkplatz der Destillerie, die sich durch die Holzverkleidung perfekt in die Natur einfügt, lässt sich erahnen, was hier entsteht. Ein starker Geruch von Alkohol dominiert die Luft der Umgebung. Seit 1999 wird hier Whisky produziert. Die Geschichte des „Slyrs“, ausgesprochen „Schliers“, beginnt aber schon lange davor. In einem abgedunkelten, mit Bänken ausgestatteten Raum, der Erlebniswelt, wird ein Video auf eine große Leinwand projiziert. Ein alter Mann mit weißem Haar und bayrischer Tracht erscheint: „Nix und niemand wa scho immer do. Aber es muss sie so anfühlen, als ob du scho immer do gwesen warst.“ Im Jahr 1928 gründete das Ehepaar Lantenhammer die Enzianbrennerei „Lantenhammer“. Später, 1994, entstand die Idee zum Whiskybrennen. Florian Stetter, Brauer und Destillateurmeister, reiste zusammen mit seinen anderen Meisterkollegen nach bestandener Meisterprüfung nach Schottland. Beim Anblick der Berge und Seen fiel ihm direkt die Ähnlichkeit zu seinem Heimatort in Oberbayern auf, und bereits im Jahr 2002, nach dreijähriger Reifung, wurde hier der erste Single Malt Whisky verkauft. Damit war die Edelbrand-Destillerie eine der ersten in ganz Deutschland. „Einer von hier“, wie der Whisky auch liebevoll von den Mitarbeitern genannt wird, überzeugt auch international bei den Meininger International Spirit Awards und den World Whisky Awards 2015. Bei der Einweihung des Lagers ließ sich die bayerische Kabarettistin Monika Gruber einen „Private Cask“ mit dem edlen Tropfen befüllen. Allein ist sie damit aber nicht, auch Firmen wie Subway oder Privatkunden lassen sich hier ein eigenes Fass befüllen und lagern.

          Nach der Freigabe durch das Labor wird geschrotet

          „Es gibt keinen klassischen Whiskytrinker, Personen aus jeder sozialen Schicht trinken Whisky“, erzählt Kilian Jonscher. Der braunhaarige 25-jährige Destillateur in schwarzer Arbeitskleidung arbeitet seit acht Jahren bei der Brennerei. Am liebsten trinkt er seinen Whisky pur. Wenn Kilian Jonscher, der bis zu 160 Tage im Jahr die Firma als Markenbotschafter auf Messen vertritt, um sechs Uhr morgens zu seiner Frühschicht antritt, läuft die erste Maschine bereits seit anderthalb Stunden. Nach der Freigabe durch das Labor schrotet diese Gerstenmalz aus der Münchner Umgebung. Bevor das Getreide in der Brennerei ankommt, wird es in einer Mälzerei im Münchner Umland gemälzt, um einen Keimvorgang auszulösen. Hat das Malz einen Keim ausgebildet und ist aufgeplatzt, bricht der Mälzer den Keimvorgang ab. Soll der Whisky später ein starkes rauchiges Aroma erhalten, verwendet die bayerische Destillerie hierfür Buchenholzrauch oder Torfmalz.

          Über blaue Rohre wird das Schrot in einen Stahlbehälter mit Quellwasser aus der 800 Meter entfernten Bannwaldquelle gefüllt und zu einer trüben Flüssigkeit, der Maische, überbrüht. Ein stetiges metallisches Rauschen im Hintergrund begleitet den Besucher durch die Produktionsstätte. Unter Rühren und Erhitzen wandeln sich durch die während des Mälzvorgangs entstandenen Enzyme der Malzzucker und die verbliebene Stärke des Getreides in Traubenzucker um und verflüssigen sich. Die Würze trennt sich von den Trebern, den Feststoffen. Diese sogenannte Verzuckerung findet in verschiedenen Phasen statt und darf dabei bestimmte Temperaturen nicht überschreiten.

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