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Rechtsmedizin : Der Knochenjob kommt bei Frauen gut an

  • -Aktualisiert am

Immer mehr Frauen arbeiten in der Rechtsmedizin. Das Fach scheint mit dem Familienleben gut vereinbar zu sein.

          4 Min.

          Temperance Brennon kniet über einer Leiche mitten auf der Straße. Um sie herum hetzen Polizisten, das Absperrband flattert im Wind. Sie geht rational und analytisch vor. Auf ihrem Gebiet ist sie mit Abstand die Beste und wird von vielen Experten um Rat gebeten. Brennon, besser bekannt unter ihrem Spitznamen „Bones“, ist die Hauptfigur der gleichnamigen Fernsehserie, gefeierte forensische Anthropologin und für viele Frauen ein Vorbild. Der Alltag in der Rechtsmedizin ist für Außenstehende dagegen eher ernüchternd. Dennoch zieht es viele junge Mediziner, Biologen oder Toxikologen in diesen Bereich.

          Sie macht DNA-Abgleiche

          Die Rechtsmedizin in Homburg befindet sich in einem grauen Gebäude am Rande des Universitätsklinikums. Tritt man durch die Tür, erwartet einen ein schlichter Eingangsbereich; im Obergeschoss sind die Labore. Es laufen keine aufgeregten Wissenschaftler mit wehenden Labormänteln durch die Flure, auch gibt es keine großen Hallen, in denen mehrere Leichen nebeneinander aufgereiht untersucht werden. Im Institut arbeiten viele Frauen. Sabine Cappel-Hoffmann ist eine von ihnen. Sie ist Biologin und beschäftigt sich hauptsächlich mit DNA-Abgleichen. „Wir führen Analysen für die Kriminalpolizei durch. Es geht zum Beispiel um die Identifizierung von Leichen, wenn dies durch auffällige äußerliche Körpermerkmale wie ein Tattoo oder Ähnliches nicht möglich ist“, erklärt sie. Die Faszination für die Rechtsmedizin entstand bei ihr ebenfalls durch die Medien. Das dort gezeigte Rollenvorbild der klugen und schlagfertigen Rechtsmedizinerin scheint seine Wirkung zu zeigen.

          Probe im Wunderschrank

          Dass die Realität anders aussieht, weiß sie mittlerweile aus eigener Erfahrung nur zu gut: „Einmal kam eine Polizistin und meinte, ich solle die Probe in meinem Wunderschrank machen und sie hätte dann schnell ein Ergebnis. Als ich ihr sagte, dass dies nicht möglich sei, meinte sie, sie würde einfach ins Fernsehen gehen, ,weil da geht das ja‘.“ Es ist Cappel-Hoffmanns letzter Tag, zumindest für die nächsten zwei Monate. Sie erwartet ein Kind, ihr erstes und steht nun vor der großen Aufgabe, Familie und Beruf zu vereinen. Laut einer bundesweiten Umfrage aus dem Ärzteblatt legen 97 Prozent aller Medizinstudenten einen großen Wert auf ein harmonisches Zusammenspiel der beiden Bereiche. In der Realität ist dies jedoch nicht immer leicht umzusetzen.

          Toxikologin in Homburg

          „In Deutschland muss man sich leider oft noch entscheiden für Familie oder Job“, wirft Anna Kiefer ein. Die Ärztin ist 27 und arbeitet seit anderthalb Jahren im Institut. Sie beschäftigt sich hauptsächlich mit der Identifikation von Leichen. Aber nicht nur die Obduktionen sind Arbeitsalltag der Rechtsmediziner. Auch einfache Gutachten bezüglich der Fahruntüchtigkeit oder Schuldfähigkeit aufgrund von Alkohol müssen erstellt und vor Gericht vertreten werden. Nadine Schäfer arbeitet als Toxikologin im rechtsmedizinischen Institut in Homburg. „Wir führen neben den Drogentests oder Ähnlichem auch toxikologische Untersuchungen von Leichen durch. Besonders faszinierend finde ich, wie manche Heilmittel in höheren Dosen tödlich wirken können. Aus diesem Grund habe ich vermutlich auch von der Pharmazie in die Rechtsmedizin gewechselt.“ Nadine Schäfer arbeitet derzeit an einem Forschungsprojekt. Viel Raum für Hobbys oder Familie bleibt nicht.

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