https://www.faz.net/-gum-9573f

Pyrotechnik : Sie lassen es krachen

  • -Aktualisiert am

Angefangen haben sie mit Schwarzpulver für die Schiefergruben der Eifel. Das ist lange her. Heute zündet das kleine Unternehmen Feuerwerke in der ganzen Welt.

          Laute Musik aus verschiedenen Richtungen, Mikrofondurchsagen und lustvoll-ängstliche Schreie von Menschen, die auf den Attraktionen oben in der Luft stehen bleiben und denen sich mit den Geräten ein und das andere Mal der Magen dreht, Menschen dicht an dicht, dazu der Duft von Backfisch und gebrannten Mandeln, Blinken und Blitzen – Jahrmärkte, wie der alljährlich stattfindende Lukasmarkt in der Eifelstadt Mayen, überfluten die Sinne. Doch am letzten Abend legt sich dort der Trubel für eine Viertelstunde. Um Punkt zwanzig Uhr ist ein Zischen zu hören, dann ein lauter Knall. Die Leute bleiben stehen und drehen sich zur Genovevaburg um, die oben auf dem Felsen über der Stadt thront. Die Fahrgeschäfte drehen die Musik leiser, manche schalten sogar die Beleuchtung aus.

          Raketen in den Stadtfarben

          Eine weitere Feuerwerksrakete wird aus dem Burginnenhof abgefeuert. Wieder folgt eine lange Pause. „Mehr jit et net!“, scherzt einer der Zuschauer. Dann werden von der Burgmauer die nächsten Raketen abgeschossen und das Feuerwerk nimmt seinen Lauf. Es folgen Fontänen aus Funken, Raketen in den Stadtfarben Rot und Grün, und als am Ende beim großen Finale scheinbar ein Gewitter aus Feuerwerkskörpern hereinbricht, ist die Burg kaum noch zu sehen, denn sie versinkt im Rauch der vielen Raketenabschüsse. Für das Spektakel ist seit mehr als 50 Jahren die Firma „Steffes-Ollig“ mit ihrem Leiter Helmut Reuter verantwortlich. Beim Zusammenstellen der Feuerwerke verlässt der 60-jährige kleine Mann mit Brille und Oberlippenbart sich vor allem auf seine Phantasie und jahrelange Berufserfahrung: „Ich weiß, was gut ankommt und in sich stimmig ist.“ Außerdem wird jedes Feuerwerk speziell auf den entsprechenden Abbrennplatz zugeschnitten.

          Den Wali durfte er nicht direkt ansprechen

          Doch nicht nur auf Jahrmärkten und Weinfesten in der Region präsentiert er sein Können, sondern er ist auch international gefragt. In Oman, in Kuweit, in Algerien, in Kanada und auf den Philippinen waren seine Feuerwerke schon zu sehen. Dass man in der Welt herumkommt und immer wieder neue Erfahrungen machen kann, macht den Beruf für ihn so spannend. Ein Abenteuer war beispielsweise ein Feuerwerk, das er 1985 in Oman veranstaltete. Um das Feuerwerk an die Abschussstelle zu transportieren, bekam er einen Lkw und einen Fahrer zur Verfügung gestellt. Dieser sprach jedoch nur Arabisch und kein Wort Englisch: „Da muss man sich mit Händen und Füßen verständigen.“ Vor dem Feuerwerk redete Reuter noch mit dem Wali, einem hohen Beamten, den er aber nicht direkt ansprechen durfte. Stattdessen redete er auf Englisch zu einem Übersetzer, der das Gesagte dann ins Arabische übersetzte. Nach dem Feuerwerk jedoch kam der Wali zu ihm und bedankte sich persönlich – in flüssigem Deutsch, denn er hatte in Deutschland studiert.

          Weitere Themen

          „Man kann nicht jung bleiben“

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.

          Doch kein Sturm auf „Area 51“

          Alien-Fans bei Miitärbasis : Doch kein Sturm auf „Area 51“

          Zwei Millionen Menschen erklärten auf Facebook ihre Teilnahme an „Storm Area 51“. Doch tatsächlich kamen am Freitag nur rund Hundert Alien-Fans zu der Militärbasis, die zuvor den Einsatz von Waffengewalt angekündigt hatte.

          Topmeldungen

          Pendler auf der London Bridge

          Mobilität : Wie London die Verkehrsflut meistert

          Die größte Stadt Europas baut ihr Bahnnetz aus und nutzt Big-Data-Analysen, um die U-Bahn zu verbessern. Ein anderes Verkehrsmittel soll hingegen aus der City verbannt werden – und das schon diesen Sonntag.
          Ashton Applewhite

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.
          Zur Arbeit auf dem Pedelc – das schon die Umwelt und langfristig die Geldbörse.

          Klimapaket : Wie teuer wird es für mich?

          Das Klimapaket der Bundesregierung kostet manche Leute Geld, anderen bringt es eine Ersparnis. Wir haben einige Fälle durchgerechnet. In manchen Fällen können Pendler zum Beispiel sogar Geld sparen.
          Das war’s: Antonio Brown zieht die Schuhe nicht mehr an für die Patriots.

          Suspendierter NFL-Star Brown : Der tiefe Fall des Ballfängers

          Das erwartbare Ende einer Football-Karriere: Nach dem Vorwurf sexueller Übergriffe kündigen die Patriots und Nike ihre Millionenverträge mit dem NFL-Profi. Eine Zukunft in der NFL ist so gut wie ausgeschlossen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.