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Portos Café Majestic : Zauberhafte Pracht

  • -Aktualisiert am

Bild: Jörg Mühle

Den Einheimischen ist es inzwischen zu voll und zu teuer. Aber die Touristen strömen ins Café Majestic - auch, weil hier „Harry Potter“ entstanden sein soll.

          Die Legende besagt, dass J.K. Rowling im Café Majestic Notizen für ihre Harry-Potter-Bücher auf Servietten kritzelte. Das 96 Jahre alte Luxuscafé liegt an der Rua de Santa Catarina in Porto. Vor dem Umzug nach Edinburgh unterrichtete J.K. Rowling hier Englisch als Fremdsprache. Während dieser Zeit skizzierte und entwickelte sie ihre Ideen für die gesamte Sieben-Bücher-Reihe und begann Buch Eins. Viele Leute denken, dass alles in diesem Café angefangen hat.

          Die Atmosphäre erinnert an die zwanziger Jahre und die französische Belle Époque. Die schönen Kronleuchter, die an der verzierten Decke hängen, hüllen den Raum in warmes Licht, Spiegel und bestickte schwarze Sitze versetzen zurück in die Zeit des Großbürgertums. Das Café wird aufgrund seines Designs häufig mit dem „Café Central“ in Wien verglichen. Der Schnitt der Spiegelrahmen, die Skulpturen im Stuck, die Gesichter und nackte Figuren darstellen, die marmornen Details und die Büsten, die sich bis zur Decke erstrecken, verleihen dem Café etwas Besonderes.

          Während des Zweiten Weltkrieges verfiel das Café aufgrund der schlechten Wirtschaftslage, es dauerte Jahrzehnte, bis jemand beschloss, die einst zauberhafte Pracht wiederherzustellen. Die Renovierung dauerte viele Jahre bis 1994, 75 Jahre nach der ersten Öffnung, da der neue Besitzer Agostinho Barrias es in seinen ursprünglichen Zustand versetzen wollte. „Ich habe ins Café investiert, da ich das Café Majestic liebte, ohne zu wissen, ob es je profitabel sein würde oder nicht.“

          Lieber 70 Cent statt vier Euro für einen Café

          Heutzutage ist das Café ein Muss für alle Touristen, die 15 Minuten in der Warteschlange stehen, die sich manchmal bis zur nächsten Straße erstreckt. Seit Porto vor wenigen Jahren zu einer bekannten Touristenattraktion wurde, geht die Zahl der Einheimischen, die das Café besuchen, zurück, im Gegensatz zu den Preisen. Die Einwohner trinken ihren täglichen Kaffee eher in einem Café um die Ecke für nur 70 Cents als für vier Euro in einem schicken Café. „Die Angestellten hier können normalerweise Portugiesisch, Englisch und Spanisch sprechen und einige sogar Französisch und andere europäische Sprachen“, sagt Kellner Jao. Das altmodische Café ist voll mit Leuten, die ihr Essen und ihren Wein genießen, lachen und Geschichten erzählen, während sie der Melodie des Klaviers und der Geige lauschen. „Jeden Freitagabend spielen zwei Musiker Klavier und Geige, und mittwochs, donnerstags und samstags gibt es Fado-Nächte.“

          Den besten Nachtisch auf der Karte

          Einige Leute, vor allem die jüngeren, sind ein wenig schockiert, wenn sie sich die Preise ansehen, bestellen dennoch ein typisches portugiesisches Essen. Zwei spanische Mädchen bestellen Wein und Francesinhas, ein typisches Sandwich aus Porto, das aus Toastbrot, Käse, verschiedenen Arten von Fleisch und einer dickflüssigen Sauce besteht. Während sie warten, nutzen sie die Gelegenheit, Fotos zu machen. Nach dem Hauptgang schauen sie lange auf die Karte. „Wenn ihr den besten Nachtisch auf der Speisekarte und ein typischen Gericht Portugals probieren möchtet, solltet ihr eine Rabanada bestellen“, rät eine ältere Frau am Nebentisch. Rabanada besteht aus einer frittierten Brotscheibe, die vorher in eine Mischung aus Ei und Milch oder in Wein getaucht wird. Die Mädchen freuen sich und danken der Dame, als sie das Café verlassen. „Ältere Menschen verbringen mehr Zeit im Café. Sie bleiben manchmal sogar für ein paar Stunden hier, aber die Jugendlichen kommen in der Regel hierher, bestellen das Essen, und sobald sie fertig sind, verlangen sie nach der Rechnung und gehen sofort“, erzählt der Kellner.

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