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Pilota : An die Wand gespielt

  • -Aktualisiert am

Im Baskenland liegt meist gleich neben der Kirche ein Frontón. Dort trifft man sich zum Pilotaspiel. Der baskische Handball ist dort beliebter als Fußball.

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          Wer durch die Dörfer des Baskenlandes fährt, findet immer eine Kirche und einen Frontón. Häufig dient sogar die Kirchwand selbst als Wand des Frontóns. Ein Frontón ist ein Ort, an dem man Esku Pilota, wörtlich „baskischen Handball“, spielt. In Dörfern, vor allem in Gipuzkoa und im westlichen Navarra, spielen die Kinder oft mehr Pilota als Fußball. Pilota wird auch professionell gespielt, oft vor 3000 Zuschauern. Während der Spiele wird gewettet. Das Publikum ist nicht in Fangruppen aufgeteilt. Besonders gute Punkte eines Spielers werden mit Mucho-Rufen bejubelt, was „stark!“ bedeutet. Ein moderner Frontón ist rechteckig, 36 Meter lang und 10 bis 11 Meter breit. Vorne, hinten und an der linken Seite befinden sich 10 Meter hohe Wände. An der Frontseite, Frontis genannt, ist in einem Meter Höhe ein Blech angebracht, über das der Ball an die Wand gespielt werden muss. Die offene Seite ist mit einer Außenlinie gekennzeichnet. Zwei Querlinien im Spielfeld kennzeichnen die Grenzen des Aufschlags.

          Handschutz mit Tacos

          Esku Pilota wird meistens als Doppel gespielt. Der Ball wird abwechselnd mit der Hand gegen den Frontis geschlagen. Der Gegner muss den Ball zurückspielen, bevor er das zweite Mal auf den Boden trifft. Kommt der Ball unterhalb des Blechs oder außerhalb des Felds auf, ist es ein Fehler für den Schlagenden und Punkt für den Gegner. Kommt der Ball zweimal auf, bevor der Gegner ihn zurückspielt, ist es ein Punkt für den Schlagenden. Die Querlinien sind nur beim Aufschlag wichtig. Beim Aufschlag muss der Ball zwischen den Querlinien zuerst wieder aufschlagen. Die Bälle sind hart. Nur so können sie so weit von dem Frontis zurückprallen.

          Mikel Estrada ist ein drahtiger 1,75 Meter großer Sportstudent aus der Nähe von Bilbao. Er spielt als Aurrelari, das ist der vordere Spieler, in der Amateurliga, trainiert Nachwuchsspieler und arbeitet als Praktikant für Baiko Pilota, einen von zwei Verbänden, die professionelles Pilota organisieren. Tun die Bälle nicht weh? „Dies ist eines der großen Geheimnisse der Pilotaris. Wir schützen uns die Hände mit sogenannten Tacos. Jeder Pelotari hat seine eigene Art, diese aufzubauen.“ Sie bestehen aus harten Heftplasterstücken, die an die Handinnenseite geklebt und mit Pflaster umwickelt werden. Ein Pelotari verwendet Stunden darauf, sich die Tacos anzupassen. Kinder fangen mit weichen Bällen und ohne Handschutz an. Die handgefertigten Bälle haben einen Holzkern, der mit Latex und Wolle umwickelt und mit Leder überzogen ist. Im Spiel darf jedes Paar zwei Bälle mitbringen. Das aufschlagende Paar darf sich den Ball aussuchen, je nach Stärken und Schwächen des Gegners.

          Den Gegner vom Frontis fernhalten

          In einem Doppel spielt ein Spieler immer vorne und der andere hinten. Der Hintere muss kräftig sein und den Ball über lange Wechsel mit wenig Fehlern zurückspielen können. Der Vordere muss vor allem wendig sein und ein gutes Auge dafür haben, wo die Gegner stehen. Man versucht, den Gegner vom Frontis fernzuhalten. Je länger der Ball fliegt, desto mehr Zeit hat man zu reagieren. Das Spiel ist von den Regeln her zwar einfach, aber vielseitig und spektakulär. Eine Partie dauert zwischen 30 und 70 Minuten. Es war mehrfach bei Olympischen Spielen wie in Paris 1900 und in Barcelona 1992 als Schauwettbewerb dabei. Es wird auch in Ländern gespielt, in die viele Basken ausgewandert sind wie Argentinien, Bolivien, Brasilien und Chile. Den Stellenwert macht Estrada klar: „Die Engländer spielen am 26. Dezember Fußball. Für die Basken gehört Esku Pilota am 25. Dezember nach den Weihnachtsessen dazu.“

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