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Phantastische Spielgefährten : Ich sehe wen, den du nicht siehst

          4 Min.

          Marjorie Taylor ist Professorin für Psychologie an der Universität von Oregon im amerikanischen Eugene und Autorin des Buches „Imaginary Companions and the Children Who Create them“. Seit zwanzig Jahren forscht sie zum Thema „imaginäre Gefährten“, sie hat seitdem etwa 300 Kinder aus Eugene sowie deren Eltern über ihre unsichtbaren Begleiter interviewt.

          Katrin Hummel
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Frau Taylor, warum und in welchem Alter haben Kinder imaginäre Gefährten?

          Sie sind normaler Bestandteil ihres Spiels, wir beobachten das schon bei Zweieinhalbjährigen, wenngleich die meisten Kinder vier oder fünf Jahre alt sind. Manche sind auch noch älter, neun Prozent der von uns interviewten Kinder waren sogar schon zwölf Jahre alt. Es gibt viele Gründe, aus denen Kinder sich solche imaginären Gefährten zulegen: Manche benutzen sie als Protagonisten in ausgedachten Geschichten, die sie zum Beispiel ihren Eltern erzählen. Anderen dienen sie als phantastische Spielgefährten, wenn sie alleine sind. Es gibt auch Kinder, die sie hervorkramen, um Probleme zu lösen, wenn sie mit ihren Eltern verhandeln oder kommunizieren. Sie behaupten dann zum Beispiel, dass ihr imaginärer Freund Angst vor dem Nachbarshund habe, statt zuzugeben, dass sie selbst sich fürchten. Der wichtigste Grund ist aber der, dass Kinder sich einfach gern Sachen ausdenken.

          Für Leon und Vanessa mache ich Pfannekuchen Bild: Holde Schneider

          Wie viel Prozent der Kinder haben ungefähr imaginäre Gefährten?

          Absolut unsichtbare Gefährten haben unseren Untersuchungen zufolge 37 Prozent der Kinder, aber wenn man diejenigen hinzuzählt, die zum Beispiel Stofftiere oder Puppen haben, die „lebendig“ sind, dann haben insgesamt 65 Prozent der unter Siebenjährigen irgendwann welche.

          Was zeichnet diese Kinder aus - haben sie Fähigkeiten, die andere Kinder eher seltener haben?

          Sie können sich besser in andere hineinversetzen, sind kreativer, erzählen bessere Geschichte und in manchen Studien fanden wir Hinweise darauf, dass sie sich besser ausdrücken können. Das heißt aber nicht, dass Kinder, die keine imaginären Gefährten haben, weniger kreativ sein müssen. Wir sehen diese Gefährten als eine von vielen Möglichkeiten an, wie kindliche Kreativität sich äußern kann.

          Wie sollten die Eltern reagieren, wenn das Kind über seinen imaginären Gefährten spricht?

          Sie sollten sich freuen und sich entspannen. Es ist gut, wenn Kinder imaginäre Gefährten haben. Und es kann dem Kind und den Eltern viel Spaß machen, wenn man den imaginären Gefährten benutzt, um herauszufinden, was das Kind wirklich denkt. Wenn die Eltern zum Beispiel fragen: „Wie geht es Schnuffi heute?“ und das Kind antwortet: „Er hat Angst davor, zum Arzt zu gehen“, dann ist das eine gute Möglichkeit, um zu kommunizieren. Kinder lieben es auch, wenn die Eltern mitspielen, wenn sie zum Beispiel für Schnuffi den Tisch mit decken. Nur einmischen dürfen sich die Eltern nicht. Sie dürfen nicht über Schnuffi bestimmen (lacht).

          Gibt es Themenbereiche, aus denen besonders viele imaginäre Freunde stammen?

          Nein. Zu Beginn meiner Forschung dachte ich das. Ich dachte: Das werden bestimmt lauter so kleine Wesen sein, die den Kindern ähneln, die sie erfinden. Und manche waren tatsächlich so. Aber insgesamt sind sie extrem unterschiedlich. Es gibt Zwerge, Riesen, Geister, Babys, Tausendjährige und alle Arten von Tieren: Panther, unsichtbare Panther, kleine Vögel, Mäuse, die auf Schultern sitzen . . . Manche Gefährten haben eigene Familien und Jobs und Häuser. Keins dieser Themen kommt häufiger vor als andere. Ich habe viel Respekt vor der Kreativität dieser Kinder.

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