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Pathologie : Krankheitsverläufe statt Leichenschau

  • -Aktualisiert am

Bild: Flix

Sensationsgier, angeheizt durch Krimis, führt auf die falsche Fährte: Pathologen begutachten Präparate unter dem Mikroskop. Unspektakulär, aber enorm wichtig.

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          Immer wieder bekommt Werner Püschel zu hören: „Sie sind Pathologe? Schneiden Sie dann auch an Leichen herum?“ „Mit Mord und Totschlag haben wir nichts zu tun“, erklärt der Arzt am Institut für Pathologie Saarbrücken-Rastpfuhl. Geduldig erklärt der Professor mit Kittel und Brille den Unterschied zwischen seinem Fachgebiet und der Rechtsmedizin. Dass viele Leute die Pathologie mit der Rechtsmedizin verwechseln, ist nichts Neues. „Die Leiche kommt dann in die Pathologie“, heißt es schon in der amerikanischen Serie „Quincy“ aus den siebziger Jahren. Dort werden Verbrechensopfer zur Obduktion in die Pathologie gebracht, Quincy jagt nach Feststellung der Todesursache und messerscharfen Rückschlüssen auf den Täter dann direkt noch den Bösewicht. Das hat mit der Wirklichkeit der Pathologie und Rechtsmedizin in Deutschland so viel zu tun wie die Schwarzwaldklinik mit dem Krankenhausalltag.

          Zwischen Sektionssaal und Büro

          Der Sektionssaal der Pathologie sieht so aus, wie man es aus dem Fernsehen kennt: mit sauberen Edelstahltischen, glänzenden Skalpellen und Leuchtstoffröhren an der Decke. In einem solchen Saal arbeitet ein moderner Pathologe allerdings nicht so häufig. Sein typischer Arbeitsplatz ist ein Büro: mit Büchern, Schreibtisch mit Mikroskop und Computer. Anders als man sich das vorstellt, ist die Arbeit des Pathologen die Begutachtung von Präparaten unter dem Mikroskop, Büroarbeit sozusagen. „Eigentlich beschäftigen wir uns mit Krankheiten und ihren Verläufen“, erklärt Püschel. Dabei geht es heutzutage meist um die Untersuchung von Gewebeproben, die während einer Punktion oder Operation entnommen werden. Der Arzt, der das Gewebe zum Beispiel während einer Operation entfernt hat, schickt es in die Pathologie. Während des Transports ist die Probe zur Fixierung und Konservierung in Formalin gelagert. In der Pathologie bereiten die Laboranten die Proben zum Zuschnitt vor. Der Pathologe begutachtet das Präparat zunächst von außen. Beim Zuschnitt zerschneidet er die Gewebeprobe, sofern sie zu groß ist, um auf den Objektträger zu passen, und begutachtet diese Stücke äußerlich. Wenn der Zuschnitt zu Ende ist, bereiten die Laboranten die etwa zweimal zwei Zentimeter großen Stücke für die Objektträger auf. Dabei wird das Gewebestück in eine Kapsel gelegt und gefärbt, damit man unter dem Mikroskop etwas erkennen kann. Im nächsten Schritt werden die Präparate in der Kapsel mit Wachs umschlossen. Zum Schluss schneiden die Laboranten das eingewachste Präparat in hauchdünne Scheiben und tragen es auf den Objektträger auf. „Nach dieser ganzen Prozedur macht der Pathologe die entscheidende Arbeit, die mikroskopische Gewebsuntersuchung“, erläutert Püschel. Er stellt eine Diagnose und übermittelt den Befund an den behandelnden Arzt. „Mit den Patienten kommen wir in der Regel gar nicht in Kontakt“, sagt der Professor.

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