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Paralympics : Kraft, Technik und der Wille, mehr rauszuholen

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Den Kader-Status zugesprochen

Ende vergangenen Juli wurde sie für die Paralympics in Rio nominiert. „Das war supercool, das Gefühl war einfach mega!“ Sie bekam Sporthilfeförderung, die über den Verband des Behindertensports Leichtathletik läuft und die die Kandidaten, die den Kader-Status zugesprochen bekommen, nutzen können. Zusätzliche Eliteförderung kam von Sponsoren. Gleichzeitig war da aber immer die Angst, dass bis September irgendetwas dazwischenkommen könne. Im Herbst 2015 hatte sie eine Lungenembolie erlitten. Zusätzlich war Anfang Februar vor einem Jahr noch ein Ermüdungsbruch des Beckens dazugekommen. Orthopäden und Ärzte waren genauso besorgt wie ihre Trainerin.

„Es war emotional der Hammer“

Die Eröffnungsfeier mit der Entzündung des paralympischen Feuers erlebte Liebhardt voller Freude: „Es war emotional der Hammer!“ Der Einmarsch bei 80 000 Zuschauern, die grandiose Stimmung: „Das kann man nur mit Gänsehaut-Feeling beschreiben. Man musste nur die Hand heben, und alles bebte im Station.“ Bei den Paralympischen Spielen stoßen die Frauen mit einer Drei-Kilo-Kugel, sonst sind es bei Olympia vier Kilo. Außerdem gibt es verschiedene Größen von 90 bis 108 Millimeter, mit der letzteren Größe trat Liebhardt an und stieß den aktuellen Weltrekord von 13,96 Metern in ihrer Wettkampfklasse. Denn bei den Paralympics treten die Kandidaten je nach Behinderung in einer Klasse an, Liebhardt in der Klasse TF 37. TF bedeutet Track and Field, also die Disziplin der Leichtathleten, 3 steht für die Behinderung, in dem Fall, die der Spastiker und Halbseiten-Spastiker, und die letzte Zahl gibt den Schweregrad der Behinderung an. Je kleiner diese Zahl umso schwerer die Behinderung. Allgemein gibt es relativ viele Spastiker bei den Wettkämpfen, aber wie schwerwiegend die Spastik innerhalb des Körperteils ist, wird nicht unterschieden. Auch die Transplantationen spielen keine Rolle.

Jede Medaillenfarbe hat einen eigenen Klang

Selbstverständlich gibt es Doping-Kontrollen. „Es können jederzeit Kontrollen stattfinden, egal, ob im Training, auf der Arbeit oder bei Freunden, zudem wurde mittlerweile die Nachtruhe aufgehoben. Ein Grund dafür ist, dass es Doping-Medikamente gibt, die nach Stunden nicht mehr nachweisbar sind, aber doch eine Wirkung haben“, erklärt sie. Man muss in Deutschland für jede Stunde des Tages angeben, wo man sich aufhält. Trifft der Kontrolleur einen zweimal nicht an, wird man für zwei Jahre gesperrt. „Ein Kollege hat einmal die Zahlen einer Flugnummer unbeabsichtigt vertauscht und war daher nicht an dem Ort zu der Zeit, die er angab“, erinnert sie sich.

Am Ende der Spiele hält Franziska Liebhardt die beiden Medaillen in Händen. „Das ist ein komplett neuer Lebensabschnitt.“ Denn für Franziska Liebhardt ist es gleichzeitig der Abschluss ihrer sportlichen Karriere. Die Medaillen bewahrt sie in einer Holzschatulle auf. Disziplin und Startklasse sind an den Rändern eingraviert, jede Medaillenfarbe hat ihren eigenen Klang, was die Erkennung für Sehbehinderte erleichtert. Zurück in Würzburg, investiert sie ihren Ehrgeiz nun in ihren Beruf. Gerne nutzt sie den Trubel um Rio, um auf Organisationen wie „Sportler für Organspende“ und die „Kinderhilfe Organtransplantation“ aufmerksam zu machen. Dort ist sie im Vorstand. In Ihrer Freizeit schaut sie gerne beim Volleyball zu und fährt Handbike.

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