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Offroad-Kjöring : Mit Skates übers Auto

  • -Aktualisiert am

Bild: Von Zubinski

Daniel Seitz springt hinter seinem Schimmel über die Schanze, fährt um die Kurve und durch den Slalom. Ortstermin beim Offroad-Kjöring im Rheintal.

          4 Min.

          Es ist später Nachmittag im Schweizer Rheinvorland. Hinter den gelbgrünen Wiesen erstreckt sich ein endloses Panorama aus bewaldeten Berghängen, halb verdeckt von dunstig-grauen Wolkentürmen. Im trüben Licht jagen auf einem kurzgeschnittenen Rasen ein Pferd und sein Reiter über ein Hindernis, dahinter an Seilen hängend ein Mann, ausgerüstet wie ein Motorradfahrer in einem purpurnen Fellmantel. Hier, wenige Meter neben dem Rhein, liegt Kriessern, gleich an der Grenze zum österreichischen Vorarlberg, 417 Meter über dem Meer. Kriessern, das ist Alemannisch für „Ort, wo viel Kies liegt“, und genau das ist das, was Daniel Seitz so sehr gefällt. „Die Bodenbeschaffenheit ist das Wichtigste. Und die ist hier wirklich gut“, meint der 48-Jährige und lächelt verschmitzt. Er gehört zu einem der sieben Teams, die heute zu einer Offroad-Kjöring-Prüfung hier sind. Zusammen mit einer Reiterin und einem Pferd bildet er das „Swiss Power Team Seitz Legal“. Während über die Lautsprecher noch die letzten Gewinner bekanntgegeben werden, verschwinden Daniel Seitz und seine Kollegen zum Umziehen: Helm, Schulterschutz, Rückenprotektor, Knieschoner und Outdoorskates. Denn beim Offroad-Kjöring geht es nicht ohne sie: Hier lässt sich ein Rollerblader von einem berittenen Pferd ziehen, durch Slaloms, über Schanzen oder ab und zu sogar über Autos. „Ich durfte einmal bei einem Anlass mit Pferd und Reiter über ein Polizeiauto springen – das war schon toll. Normalerweise könnte man das ja nie, da haben wir uns schon genial gefühlt“, schwärmt Seitz und wird dabei beinahe von schrillem Pferdewiehern übertönt.

          So müde, dass er nicht mehr aufstehen konnte

          „Wir hatten selbst Pferde und wollten etwas miteinander machen. Dann habe ich in einer Zeitschrift gelesen, dass es Swiss Offroad-Kjöring gibt – so hat alles angefangen“, erzählt der Skater begeistert und fährt sich durch das grau melierte Haar. Offroad-Kjöring, das sich 1998 aus dem Skikjöring entwickelte, bei dem sich ein Skifahrer von einem Pferd ziehen lässt, stammt ursprünglich aus St. Moritz. Dann beschloss man, die Sportart in den Sommer zu übertragen und sie im Rheintal auszuprobieren, wo die Wiesen weniger steil und steinig sind und oft nur als Weidefläche für Vieh benutzt werden. Mittlerweile finden im Jahr drei bis fünf Events statt. „Für uns sind es Wettbewerbe, für die Veranstalter ist es Pausenprogramm“, findet auch Sven Frei, der Vorstand des Swiss Offroad-Kjöring-Vereins und Organisator des Wettbewerbs. Die Offroad-Kjörer liefern anstatt von Musikgruppen und Reden die Show für alle möglichen Festlichkeiten. Unterhaltung gibt es zur Genüge: Mit Kostümen, Teamnamen und Musik fahren die ersten Teams auf den Turnier-Rasen. „Das erste Mal, als ich es ausprobiert habe, war es unglaublich anstrengend. Ich bin zwei-, dreimal umgefallen und habe am Schluss noch eine Blumenkiste umgefahren. Am Ende war ich so müde, dass ich gar nicht mehr aufstehen konnte“, lacht Daniel Seitz, und ein Dutzend kleiner Fältchen erscheint um seinen Mund.

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