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Naumburger Theater : Ein Internist bereitet Uta von Naumburg eine Bühne

  • -Aktualisiert am

Bild: Moni Port, Labor Frankfurt

Volker Püschel ist Internist, Theatermann und hat sich in Naumburg an der Saale einen Traum erfüllt, indem er ungewöhnliche Wiederblebungsversuche gestartet hat: Er inszeniert historische Stücke.

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          Unweit der Domstadt Naumburg und der Freyburger Weinberge weist eine kunstvoll aus Holz geschnitzte etwa ein Meter hohe Eule den Weg „Zur Ulenaue“. Näherkommend fällt der Blick auf ein von Sträuchern und Weinstöcken umranktes Gehöft, dessen warmer orangefarbener Anstrich einen Hauch von Mittelmeer-Stimmung verbreitet. Neugierige Augen entdecken das am Eingangstor angebrachte Schild „Hoftheater Poeta Historica – Dr. Volker Püschel“ und darunter den Hinweis auf kulinarische Stärkung.

          Zwischen dem Grundstück und der nah vorbeifließenden Saale laden Holztische, Stühle und Bänke unter Weiden Radfahrer und Wanderer zum Verweilen ein. Nach einem Schluck Apfelschorle hat der etwa 1,90 Meter große, sportlich aussehende Wirt Platz genommen und beginnt auch den Wissensdurst seiner Gäste zu stillen. Bilder einer verfallenen Lehmbude in seiner Hand lassen erahnen, welch enormer Arbeitsaufwand nötig war, um dieses kleine Paradies zu schaffen.

          Bewährung in den Kohlebunkern

          „Ja, ich fühle mich wieder wohl in meiner Heimat“, sagt er. „Püschel, den Kapitalistensohn, haben sie mich auf der Penne in meiner Geburtsstadt Weißenfels genannt. Für meine Familie als ehemalige Eigentümer einer Schuhfabrik war das Leben nicht leicht in der sozialistisch geprägten Schuhmetropole.“ Nach einem Jahr „Bewährung“ in den Kohlebunkern der chemischen Werke Leuna und einem weiteren praktischen Jahr im Weißenfelser Krankenhaus durfte er das Medizinstudium an der Halleschen Universität beginnen und später im Alter von 28 Jahren abschließen. Es folgte die Facharztausbildung im Bezirkskrankenhaus Dölau-Halle und in Mecklenburg, ein Stellenangebot als Oberarzt auf der Inneren führte ihn anschließend nach Rudolstadt. Und wieder hat ihn die Saale zurück. Aber auch hier hatte sich der geliebte Fluss inzwischen in eine Kloake verwandelt.

          Doch die Perspektive in seiner beruflichen Laufbahn war durch einen SED-Genossen, der die angestrebte Stelle erhalten hatte, verbaut worden. Das Verbot, die Trauerfeier für seine beiden innerhalb einer Woche verstorbenen Großeltern in Nürnberg zu besuchen, verstärkte den Frust und führte schließlich auch mit zum „Gefängnis-Syndrom“. Er wagte den Ausbruch. Eine fingierte schwere Krankheit seines in Westdeutschland lebenden Bruders erlaubt ihm eine zwölftägige Reise nach Westdeutschland. Viel Zeit zum Überlegen bleibt nicht. Der Neuanfang im Westen fiel ihm jedoch nicht leicht. Püschel beschreibt die für ihn völlig neue Situation, den „eigenen Wert auf dem kapitalistischen Markt“ beweisen zu müssen, als ungewohnt. Durch seinen Flüchtlingsstatus deprimiert, dachte er sogar an die Rückkehr in die DDR. Ein Arbeitsangebot in einem Behindertenheim ließ ihn diesen Gedanken jedoch wieder verwerfen. Die Arbeit dort bereitete ihm große Freude, er blieb.

          Ungebrochene Liebe zur Musik

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