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Naturpark Risnjak : Immer Ärger mit den Bären

  • -Aktualisiert am

Bild: Claudia Weikert

Der kroatische Naturpark Risnjak ist eine bedrohte Märchenwelt. Von flüchtenden Luchsen, Abschüssen und seltsamen Souveniren.

          Die Kvarner Bucht im Nordosten der Adria zieht jedes Jahr Hunderttausende Touristen an. Doch nur eine knappe Autostunde von den weltberühmten Badeorten Rijeka und Opatija entfernt liegt ein kleines Naturparadies, in das sich nur etwa 14 000 Besucher im Jahr verlaufen. Es ist der 1959 gegründete Nationalpark Risnjak. Auf einer Fläche von nur 64 Quadratkilometern, mit Wäldern und Bergen bis zu 1500 Meter hoch, wachsen an die 1000 unterschiedliche Pflanzen, leben Bären, Wölfe und eigentlich auch das Tier, das dem Park seinen Namen gab: der Luchs, kroatisch Ris. Vier Ranger arbeiten im Park. Tanja Ranković, die Chefin, ist auch für den Waldlehrpfad zuständig. Der ist etwa vier Kilometer lang und informiert über Fauna, Flora und auch ein wenig über die traditionelle Arbeitswelt der Region. Doch diese kleine Märchenwelt ist aus unterschiedlichen Gründen bedroht. So haben zum Beispiel Wind-, Eisbruch und saurer Regen in der Region zu massiven Schäden geführt. Tanja Ranković ist jedoch mit ihrem Team optimistisch: „Man kann alles schaffen, wenn man sich das wirklich wünscht. Die Natur ist der wertvollste Schatz des Lebens, und der muss geschützt werden.“

          Als Designer ins Schwarze Wäldchen

          Danijel Popović sieht das genauso. Der begeisternde Erzähler mit weißem Haar und fröhlichem Blick arbeitet derzeit an einem Buch über die Braunbären im Risnjak. 1948 wurde er in Crni Lug, dem kleinen Dorf am Eingang zum Nationalpark, geboren. Crni Lug, auf Deutsch etwa „Schwarzes Wäldchen“, war ein typisches Dorf von Bauern, Handwerkern, Selbstversorgern. Heute leben jedoch nur noch etwa 200 Menschen, überwiegend Pendler, hier. Es gibt eine Grundschule mit insgesamt sechs Kindern, jedoch keinen Kindergarten mehr. Danijel Popović zog es schon in jungen Jahren hinaus in die „große weite Welt“. Doch nach Studien- und Arbeitsjahren als Designer und Journalist in Zagreb, Schweden, Finnland und wieder Zagreb entschied er sich 1997 bewusst dazu, mit seiner Frau und den beiden Söhnen nach Crni Lug zurückzukehren. Es war die Ruhe und saubere Umgebung, die er an seinem Heimatort schätzen gelernt hatte. „Und bei den technischen Möglichkeiten heute ist es fast egal, wo man als Designer arbeitet.“ Der Erfolg gibt ihm recht, denn die bekanntesten kroatischen Briefmarken stammen aus seinem Studio in Crni Lug, Entwürfe seiner Briefmarken wurden sogar im Vatikan eingereicht. Für die 2009 in Kroatien ausgetragene Handballweltmeisterschaft schuf er das Corporate Design. Und noch heute ist der 71-Jährige als Kapitän des kroatischen Ski-Teams der Journalisten sogar bei internationalen Wettbewerben sportlich aktiv.

          Der Briefträger kennt 40 Bärenfamilien

          Doch der Einsatz für seine Heimat liegt ihm besonders am Herzen, denn Popović sieht die Entwicklung in der Region mit großer Sorge. Er fürchtet, dass der Nationalpark schon bald seine eigene Grundlage zerstören könnte. „Ich war 15 Jahre alt, als ich den ersten Bären hier gesehen habe. Heute kommen sogar Bärinnen mit ihren Kleinen bis auf fünf Meter an uns heran, wenn sie uns und unseren Geruch über eine längere Zeit kennengelernt haben und wir uns ruhig und gelassen verhalten.“ Auch Željko Stipeć kann das bestätigen. Der 55-Jährige arbeitet seit Jahrzehnten als Briefträger in Crni Lug. „Doch er kennt nicht nur alle der etwa 200 Menschen im Ort, sondern auch etwa 40 Bärenfamilien“, berichtet Popović. „Die Tiere sind an sein Verhalten, seinen Geruch, sein Flüstern in ihrer Gegenwart gewöhnt. Wenn der Briefträger aber von einem Fremden begleitet wird, lassen die Bären sich nicht sehen, sondern halten vorsichtig Abstand.“

          So sei es bisher in der Region auch noch nie zu Zwischenfällen gekommen, „doch die Gefahr wächst, dass es zu Konflikten zwischen den Tieren und den Menschen kommt“. Popović erklärt das mit der großen Veränderung, die in der Region durch den Menschen stattgefunden hat. „Bis 1984 gab es noch 811 registrierte Kühe im Ort; Bergweiden wurden gemäht, auf den Höhen gab es Streuobstwiesen. Waldwege wurden vom Schnee geräumt, und für die Tiere wurde Futter ausgelegt. Dadurch fanden die Bären Nahrung in den Höhenlagen. In Crni Lug gab es früher keine Bäume. Heute ist die Landschaft bis an die Häuser mit Büschen zugewachsen. Das bietet den Bären viel Deckung, um fast unbemerkt bis ins Dorf zu kommen.“

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