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Musikproduzent : Wunder gibt es immer wieder in der Musikwelt

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Alexander J. Benz aus Berlin arbeitet als Musikproduzent unter anderem für Helene Fischer. Manchmal staunt er über eigenwillige Interpretationen.

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          Eigentlich habe ich schon sehr früh angefangen zu singen und nahm dann im Alter von zehn Jahren Flötenunterricht. Später sang ich auch im Knabenchor des Staats- und Domchores hier in Berlin“, sagt Alexander J. Benz. Der in Polen geborene Berliner schwärmt von seiner Kindheit, die ihn prägte. In Deutschland, während der Ära des Kalten Krieges, mit einer ungewöhnlichen Geschichte aufgewachsen, arbeitet der heute 40-Jährige als selbständiger Musikproduzent, Texter und Songwriter. Der Übergang vom Hobby- zum Berufsmusiker wurde vom Glück begleitet und verlief eher fließend und zufällig.

          An einem erfolgreichen Album mitgewirkt zu haben macht den Musiker stolz. Zu beachten sei, dass nicht der Produzent allein mit den Sängern zusammenarbeite. Um ein Lied auf den Markt zu bringen, werde zuerst ein Song vorgeschrieben. Dieser werde an verschiedene Plattenfirmen und Manager geschickt, die dann darüber entscheiden, ob sie den Song annehmen oder ablehnen. Bei einer Zusage werden erste Aufnahmen mit dem Sänger gemacht. Anschließend wird einiges verbessert, verändert und wiederholt angehört. Dass Benz mit seinem Song „Schmetterling“ auf Helene Fischers aktuellem Album in den Charts auf Platz 1 landete, macht den Berliner mehr als zufrieden, da Helene seiner Meinung nach ein Phänomen und die größte nicht englischsprachige Interpretin ist.

          „Wenn es Nacht wird in Paris“

          Als selbständiger Musiker bekommt er Aufträge von Plattenfirmen und anderen Unternehmen zugeschickt, kann aber auch einen Song schreiben und ihn anderen Künstlern vorschlagen. Ganz selbständig seien er und viele andere in diesem Business jedoch nicht: Die Texter und Songwriter sind auf die Sänger und deren Manager sowie die Plattenfirmen und Unternehmen angewiesen. Das Studio, in dem Benz seine Songs produziert, hat sich über die Jahre hinweg weiterentwickelt. Heute gibt es hier ein Keyboard, Mikrofone, zwei Computer, Gitarren sowie große Lautsprecher und weiteres, den aktuellen Anforderungen entsprechendes Equipment. Neben Helene Fischer arbeitete Alexander J. Benz noch mit Simone und Charly Brunner zusammen. Für sie schrieb er den Song „Wenn es Nacht wird in Paris“ auf deren Album „Wahre Liebe“ und erreichte so in den österreichischen Albumcharts den ersten Platz. Dies beweise ihm, dass man nicht unbedingt einem großen Label angehören muss, um erfolgreich zu sein. Weitere Kooperationen hatte Alexander J. Benz mit Christian Fleps und Dominik Decker von der Gruppe „Marquess“, dem Echo-ausgezeichneten Axel Breitung und Pierpalo Guerrini von Andrea Bocelli, was für ihn eine interessante Erfahrung gewesen sei.

          Dann ist er genervt und schlecht gelaunt

          Je nach Musikrichtung gibt es verschiedene Richtlinien, an die er sich halten muss. Persönlich bevorzugt er es, Pop-, Schlager- und Dance-Hits zu schreiben. „In anderen Genres könnte ich auch Songs schreiben, bräuchte aber dafür einige Zeit zum Einhören.“ Vor sechs Jahren produzierte Benz für den Deutschland-sucht-den-Superstar-Teilnehmer Marco Angelini mehrere Singles und dessen Best-of-Album. Nachdem er von seiner Band „Lohen&Lomax“ bei Sony Music einige Songs übrig hatte, nutzte er sie für Angelinis Album. Im Video zur Single „Wunder gibt es immer wieder“ ist Benz neben Angelini im Studio zu sehen. Bezahlt wird man in der Musikwelt nach Anteilen am jeweiligen Song in Prozent. Je mehr Benz für einen Song schreibt und je größer sein Anteil am Stück ist, desto mehr beträgt sein Anteil an der Gage. „Es kann sein, dass du beispielsweise in einem Jahr einen Song schreibst, dieser veröffentlicht und performt wird, du aber erst zwei Jahre später dafür bezahlt wirst.“ Problematisch wird es für Benz immer dann, wenn ein Sänger den Song nicht so singt, wie Benz es sich als Songwriter und Texter vorstellt. „Dann hast du immer Kopfschmerzen und machst dir Sorgen.“ Höre er diesen Song dann noch im Radio oder auf einem anderen Medium, sei er genervt und schlecht gelaunt, gibt Alexander J. Benz zu. Um weiterhin gute Songs zu schreiben nimmt Benz sich zu passenden Zeiten Ferien oder macht kleine Tagesausflüge ins Schwimmbad, Radtouren mit seiner Lebensgefährtin oder besucht alte Freunde. Songideen werden sofort aufgeschrieben, um später bearbeitet zu werden. „Vorhin hatte ich einen Einfall, den ich, wenn ich nach Hause kommen werde, sofort umsetze.“

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