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Musik-Jungstudent : Viel Stress in Hoffnung auf die Sologeige

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Er ist 17 Jahre jung, diszipliniert, begabt, besucht das Gymnasium und die Universität der Künste. Jungstudent Takashi Waschkau über seine Leidenschaft.

          Von früh bis nachmittags Schule, dann Geige- und Klavierspielen üben, am nächsten Tag das Ganze von vorne. Am Wochenende Konzerte. Klingt nach Stress. Takashi Waschkau ist 17 Jahre alt, befindet sich im dritten Semester auf dem Weg zum Abitur und im vierten Semester eines Jungstudiums. Er ist ein aufgeweckter, junger Mann mit japanischen Wurzeln und hat viele soziale Kontakte. Unter seinen Freunden verbreitet der Abiturient mit seiner lebensfrohen Art Freude. Zum Interview trägt er einen blauen Pullover, der sein Gesicht mit den dunklen, lebendigen Augen strahlen lässt. Mit seinem Geigenkoffer sieht man ihn häufig durch das Berliner Droste-Hülshoff-Gymnasium laufen. Seine Mutter ist Konzertpianistin und begeisterte ihn vor allem durch ihre Auftritte. Sie spielte mit vielen Geigern auf Konzerten – überall auf der Welt. Besonders dieser Klang gefiel Takashi. Mit vier Jahren begann er mit dem Unterricht. „Erst mal war die Idee eines Jungstudiums gar nicht da“, sagt der Musikus. Nachdem jedoch sein Geigenlehrer in Rente ging, musste ein neuer Professor für den Violinenunterricht gefunden werden. Schließlich nahm er am Unterricht eines Professors an der Universität der Künste, UdK, teil. Durch Freunde kam er auf die Idee, sich zum Jungstudium anzumelden. Er bestand die Aufnahmeprüfung, bestehend aus einem Vorspiel und einer mündlichen Prüfung. Seitdem ist er Jungstudent am Julius-Stern-Institut an der UdK und lernt privat das Instrument seiner Mutter: Klavier. Ein zweites Instrument spielen zu können, ist relevant, um später an Hochschulen ein Instrument studieren zu können.

          „Dann braucht man nur noch vorspielen“

          Die Jungstudenten können an Projekten teilnehmen und spielen mit anderen Orchestern zusammen. So fuhr Takashi mit Kommilitonen nach Griechenland, wo sie mit einem Orchester musizierten. Auch Solo spielen muss Takashi üben, weshalb er „ein Zimmer zur Verfügung hat“. Dies ist für Takashis angestrebten Studiengang, die Sologeige, wichtig. Die Zeit des Jungstudiums soll auf das Studium an der Universität vorbereiten. „Man merkt richtig, dass man auf das Studium vorbereitet wird. Es kommen jedes Mal neue Konzerte.“ Aber auch Theoriestunden, Gehörbildung und Korrepetition fehlen nicht. Ebenfalls motivieren sich die Musiker untereinander in Gesprächen und streben weiter den Erfolg an, während sie sich nach dem aktuellen Lernstatus der anderen erkundigen. Wenn alle vier Semester absolviert wurden, schreibt man zum Schluss eine Prüfung. „Wenn man diesen Test sehr gut besteht, hat man schon die theoretische Aufnahmeprüfung für die UdK. Dann braucht man nur noch vorzuspielen.“ Dies gilt jedoch nicht automatisch für andere Hochschulen.

          Tonleitern auf der Geige und dann ans Klavier

          All die Aktivitäten kosten viel Zeit. Ein normaler Tag von Takashi sieht so aus, dass er ab acht Uhr Schule hat und um 15 Uhr zu Hause ist. Es kommt auch mal vor, dass er nicht am Schulunterricht teilnimmt, diese Stunden entschuldigt sind, da er sie zu Hause nacharbeitet. Dann beginnt er mit der Geige die Tonleiter und Stücke zu üben. Nach einer kleinen Pause lernt er weiter das Klavierspiel. Abschließend macht er meist seine Hausaufgaben. Doch das ist nicht jeden Tag so. Er hat dreimal in der Woche Theorie und am Freitag für beide Instrumente Praxisunterricht. Meist geht er öfter zur Universität der Künste. „Ich persönlich gehe auch fast jeden Tag zum Üben an die UdK.“ Am Wochenende finden Konzerte statt. „Wenn man nicht strukturiert ist, schafft man es einfach nicht“, sagt er. Ihm bleibt kaum Zeit, um an anderen Aktivitäten oder Arbeitsgemeinschaften, wie zum Beispiel Basketball, teilzunehmen. Trotz des stressigen Alltages verliert das Talent seine Disziplin nicht und ist motiviert. Nach dem Jungstudium möchte sich Takashi Waschkau an verschiedenen Hochschulen bewerben und seinen Horizont erweitern. Sowohl an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ und der UdK als auch in den Vereinigten Staaten an der „Juilliard School of Music“ oder in England an der „Royal Academy“. Er hat schon Vereinbarungen für Probestunden an den Hochschulen getroffen.

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