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Anti-Mobbing-Verein : Soziales Lernen für ein fruchtbares Klassenklima

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Leipziger Buchmesse: Dambach stellt seine Literatur zur Mobbingprävention vor Bild: Karl Dambach

Vor neun Jahren gründete ein Schulpädagoge aus Eigeninitiative einen Verein zur Mobbingprävention. Heute helfen die Mitglieder Lehrkräften an über 100 Schulen Mobbing zu verhindern.

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          „Auf soziales Lernen und eine ausgeprägte Feedbackkultur kommt es an“ erklärt Karl Dambach, Schulpädagoge und Gründer des Vereins MIPS, „Mobbing-Intervention und Prävention in der Schule e.V.“. In Seminaren, Vorträgen und Workshops geben seine Referenten aus unterschiedlichen Fachgebieten verschiedene Aspekte der Gewalt- und Konfliktprävention an Lehrer weiter. Leitmotiv ist hierbei die Betroffenheit. „Nur wenn Schüler auch fühlen, was Mobbing bedeuten kann, sind sie bereit etwas dagegen zu unternehmen“. Dambach ist davon überzeugt, dass Mobbing und Cybermobbing nicht nur durch einen geschulten Umgang mit Medien eingedämmt werden können, sondern vor allem auch durch Sozialkompetenz.

          Karl Dambach ist Schulpädagoge. Während seines Psycholgiestudiums und in seinen vierzig Jahren als Lehrer, war er stets von Themen rund um soziales Verhalten und gruppendynamische Prozesse fasziniert. Im späteren Verlauf seiner Karriere schrieb er dazu verschiedene Sachbücher und bezog sich dabei auf seine eigens im Unterricht erprobten Inhalte und Konzepte. Zentrale Gedanken sind die ganzheitliche Problemlösung mit der gesamten Klasse, sowie eine gesunde Feedbackkultur unter Schülern, aber auch zwischen Schülern und ihren Lehrern. „Vereinen lässt sich das alles unter dem sozialen Lernen“, sagt er. „In vielen Schulen ist der Begriff durchaus bekannt, wird jedoch sehr nachlässig verwendet und dementsprechend alles andere als nachhaltig unterrichtet.“ Dambach möchte Lehrkräfte dafür gewinnen soziales Lernen in jedem Fach zu thematisieren und zu trainieren. „Mobbing hat sehr viel mit dem Klassenklima und der Unterrichtskultur zu tun. Wenn sich Schüler respektvoll behandeln, weil sie verstehen, wie wichtig ein guter Umgang ist, kommt es erst gar nicht zu Konflikten, die eine Mobbing-Situation auslösen“, erklärt er.

          Annäherung ohne Schuldzuweisung

           Dementsprechend raten die Referenten des MIPS Lehrkräften dazu in der Mobbingprävention immer sowohl an die Gefühls-, als auch die Verstandesebene ihrer Schüler zu appellieren. Eine beliebte Methode in diesem Zusammenhang ist die „No blame approach“, zu Deutsch, die „Annäherung ohne Schuldzuweisung“. Hierbei sollen Lehrer die Täter, oder Beihelfer, nur indirekt ansprechen. Der Lehrer betont von sich aus Probleme oder eine schlechte Stimmung in der Klasse wahrzunehmen. So zeigt er sich am Wohl der Schüler, statt an deren Bestrafung interessiert. „Emotionale Betroffenheit wird hergestellt, ohne mit Konsequenzen zu drohen“, sagt Dambach. Nach Strategien des MIPS zielt der Ansatz darauf ab über einen positiven Weg gemeinsam Lösungen zu finden und Schülern durch das offene Gespräch Wertschätzung und Respekt entgegen zu bringen. „Die Schüler werden ernstgenommen und befinden sich in einer entspannten Situation, was sie eher dazu motiviert  zu helfen, um eine Mobbingsituation zu beenden.“, erzählt er.

          Karl Dambach: „Zu viel Theorie und zu wenig Praxis“ in der Mobbingprävention
          Karl Dambach: „Zu viel Theorie und zu wenig Praxis“ in der Mobbingprävention : Bild: Karl Dambach

          Gerade dieser positive Ansatz, der zur Lösungsorientierung motiviert, begeisterte schon vor Jahren viele Teilnehmer in Dambachs Workshops und viele Zuhörer seiner Vorträge. Heute unterstützen sie ihn in seinem Verein. Der MIPS fand sich 2003 zusammen. Mitglieder waren und sind Lehrkräfte, die sich zur Mobbingprävention inspirieren und für die Arbeit motivieren ließen. Hinzu kamen weitere Kollegen aus Medizin, Recht und aus der Schulsozialarbeit, alle hatten an Dambachs Fortbildungen teilgenommen und wollten helfen.

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