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Serious Games : Für alle, die ernsthaft zocken wollen

  • -Aktualisiert am

Die Schatten der Vergangenheit: Gamer entscheiden über den Verlauf ihrer, nicht der Geschichte – Staatsanwältin Esther Katz in „The Darkest Files“. Bild: Paintbucket Games

Videospiele können sehr viel mehr sein als ein Zeitvertreib. Wer Serious Games spielt, kann viel lernen, zum Beispiel über Geschichte oder ein angemessenes Verhalten in Gefahrensituationen.

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          Innerhalb der Videospielbranche wächst die Sparte der Serious Games. Nach dem Verband der deutschen Games-Branche verspricht dieser Zweig ein durchschnittliches Wachstum von rund einem Fünftel in den kommenden Jahren. Serious Games sind Videospiele, die ein Lernziel haben, eine besondere Botschaft vermitteln oder eine bestimmte Fähigkeit trainieren. Der Spieler entscheidet über das Ergebnis seiner Arbeit oder den Verlauf seiner Geschichte.

          Ein Spiel, das schon in einem frühen Stadium seiner Entwicklung viel Aufmerksamkeit erhielt, war „Through the Darkest of Times“ des Berliner Entwicklers Paintbucket Games UG. Der Spieler übernimmt die Rolle des Anführers einer zivilen Widerstandsgruppe im Dritten Reich. Man erarbeitet eine Strategie, wie man Unterstützer gewinnt und Geld auftreibt. Man plant, wann man Flugblätter druckt und Parolen an die Wände der Berliner Häuser malt.

          Die Erzählung bringt den Spielern die Geschichte näher: Schon allein im ersten Kapitel wird man Zeuge des Reichstagsbrandes, der Bücherverbrennung und der Köpenicker Blutwoche. Begleitet wird das Erlebnis von Schlagzeilen aus der Wochenzeitung und Gesprächen zwischen den Gruppenmitgliedern. Der Spieler merkt, wie die großen Ereignisse den Protagonisten und seine Gruppe beeinflussen.

          „Die meisten Spiele bringen Verluste ein“

          Die Entwicklung des Spiels hat nach Angaben der Entwickler rund 400 000 Euro gekostet. Um eine Förderung beim Medienboard Berlin-Brandenburg beantragen zu können, gründeten Jörg Friedrich und Sebastian St. Schulz ihr Unternehmen. Das Medienboard habe 70 000 Euro beigesteuert. „Es war am Anfang überhaupt nicht klar, ob wir damit irgendwie Geld verdienen würden“, erzählt Friedrich. „Wir hatten einfach Glück, dass wir wahnsinnig viel Aufmerksamkeit bekommen haben.“ Der Publisher Handy Games wurde auf sie aufmerksam und übernahm die restlichen Kosten.

          Die Entwicklungszeit belief sich auf zweieinhalb Jahre. Seine Kosten habe das Projekt eingespielt. „Das ist gar nicht üblich“, sagt Friedrich. „Die meisten Spiele bringen Verluste ein, der Markt ist einfach zu voll.“ Rund 80 000 Kopien seien bis Ende 2021 verkauft worden. Das Spiel wird für rund 15 Euro an verschiedenen Verkaufsstellen angeboten. Es ist auf Englisch, Spanisch, Französisch, Japanisch, Russisch und Chinesisch übersetzt worden. Die Kunden seien etwa 25 Jahre alt.

          Den Entwicklern wurde gestattet, verfassungsfeindliche Symbole wie das Hakenkreuz in dem Spiel zu zeigen. Damit wurde das Potential von Videospielen erkannt, aufzuklären und kritische Perspektiven aufzuzeigen. An dieser Entscheidung gab es aber auch Kritik, zum Beispiel von Annelie Buntenbach, die dem Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes angehörte. Sie befürchtete, NS-Symbole könnten schleichend etabliert werden, auch die sozialen Netzwerke und Videoplattformen könnten mit Hakenkreuzen und SS-Zeichen geflutet werden.

          Digitale Zwillinge

          Ein weiteres Projekt der Videospielschmiede ist „The Darkest Files“; das Spiel soll im kommenden Jahr erscheinen. Der Spieler schlüpft in die Rolle der Staatsanwältin Esther Katz und ermittelt im Deutschland der Nachkriegszeit zu realen NS-Verbrechen, findet Hinweise und bringt Täter vor Gericht.

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