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Mercy Ships : Schwimmende Klinik

  • -Aktualisiert am

Sylva Götschl ist Zahnärztin in München und hilft dort, wo andere sich gerne abwenden. In ihren Ferien praktiziert sie auf den Mercy Ships und hilft Armen.

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          Not ist die Mutter der Erfindungsgabe heißt es. Wenn der Generator ausfällt, muss Sylva Götschl sich schnell etwas anderes ausdenken, um den Patienten weiterversorgen zu können. Glücklicherweise ist die Münchner Zahnärztin schon an derartige Situationen gewöhnt und lässt sich deshalb nicht aus der Ruhe bringen. In Cotonou in Benin herrschen andere Zustände als in Deutschland. Unter der Leitung der amerikanischen Organisation Mercy Ships leistet die Medizinerin dort freiwillig Hilfe.

          Erster Einsatz in Nepal

          „Ich hatte schon immer das Helfersyndrom“, gesteht die Ärztin. Da ein derartiges Programm von den Teilnehmern selbst finanziert werden muss, ist es am Anfang der beruflichen Karriere schwer, dies zu verwirklichen. Bekommt man Kinder, stehen sie im Vordergrund, und die Urlaubstage werden für die Familie genutzt. Aber irgendwann sind die Kinder aus dem Haus und soziale Projekte möglich. Unter der Leitung von Zahnärzte ohne Grenzen hatte Götschl vor vier Jahren ihren ersten Einsatz in Nepal. Vor zwei Jahren war sie in der Mongolei und in Rumänien. 2014 kam nach einem zweiten Aufenthalt in Rumänien das Programm Mercy Ships in Benin dazu. Die Einsätze dauern jeweils zwei bis drei Wochen. Länger sei es zurzeit wegen ihrer Praxis nicht möglich. Das bedauert Sylva Götschl, deshalb plant sie nach ihrer Pensionierung längere Einsätze.

          Mit Amerikanern, Neuseeländern und Australiern

          Die Frage nach den Beweggründen beantwortet sie kurz und prägnant: Es sei sinnvoll zu helfen, und zudem habe sie eine Fähigkeit, die viele nicht haben. Außerdem erweitert eine solche Reise den Horizont und birgt die Möglichkeit, ein Land aus einer anderen Perspektive kennenzulernen. Mercy Ships weckte das Interesse der sozial Engagierten durch Berichte. Vor allem die Idee eines Zusammenschlusses von Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen gefiel Sylva Götschl. Das Team von Mercy Ships setzt sich aus freiwilligen Ärzten, Krankenschwestern, Zahnarzthelfern, Schiffspersonal und Dolmetschern zusammen. Die meisten Helfer sind Amerikaner, Neuseeländer und Australier.

          Unten liegen die Operationssäle

          Die Wirkungsstätte der Ärzte ist eine umgebaute Fähre, die mittlerweile als Hospital fungiert. Damit das Schiff auslaufen kann, bedarf es monatelanger Vorbereitung. Danach wird der Zielort angesteuert, das schwimmende Hospital ankert für einen gewissen Zeitraum. Im unteren Teil des Schiffes befinden sich Operationssäle, darüber sind Büros und Unterbringungsmöglichkeiten für das Helferteam und die Schiffsbesatzung. Neben den Operationen auf dem Schiff gab es Einsätze in einer Klinik in der Stadt, berichtet die Zahnärztin. Um mithelfen zu können, muss man eine Bewerbung einsenden und ein striktes Auswahlverfahren durchlaufen. Erfahrungen aus der Praxis seien gerade bei sozialen Projekten wichtig, sagt die Medizinerin. Das stelle für jüngere Leute eine größere Herausforderung dar. Die Ausrüstung in Benin ist nicht vergleichbar mit der in der eigenen Praxis. Statt der modernen, steuerbaren Behandlungsstühle müssen sich die Patienten mit zusammenklappbaren begnügen. Bei der Untersuchung werden sie mit Stirnlampen angeleuchtet. Das erschwert die Arbeit, doch man gewöhne sich schnell daran.

          Eine Behandlung ist für viele zu teuer

          Der Großteil der Behandlungen sind Extraktionen, da der Zahngesundheitszustand es oft nicht anders zulässt. Daher sind in erster Linie Zange und Spritze notwendig. Viele Erwachsene erleben zum ersten Mal eine Zahnbehandlung. Der Grund ist, dass es keine wirklich guten Zahnärzte vor Ort gibt und eine Behandlung für die meisten Einwohner zu teuer ist. Einige der Patienten zeigten sich daher skeptisch angesichts der verwendeten Instrumente, aber die Schmerzen zerstreuen meist die Bedenken. Die Reaktionen auf die Behandlung sind unterschiedlich. Prinzipiell seien alle Patienten dankbar, manche zeigten dies mehr, andere weniger. Die Zahnärztin nimmt das nicht persönlich. Durch die Sprache ergeben sich Schwierigkeiten. „Aber mit etwas Englisch und mit der Hilfe eines Französisch-Dolmetschers kann man das lösen.“

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