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Luchse : Wirbel um Kuder Lucky

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Kaja, Luna und Lucky streifen durch den Pfälzerwald. Die drei Luchse sollen dort heimisch werden. Das aufwendig begleitete Projekt gefällt nicht jedem.

          Er ist backenbärtig, gefleckt und blitzschnell: der Luchs. Sein Markenzeichen sind die Pinselohren. Ursprünglich war der eurasische Luchs in allen größeren Waldgebieten Mitteleuropas beheimatet. Er wurde gejagt, sein Lebensraum zerstört und bei uns nahezu ausgerottet. Nun soll der Luchs in dem größten zusammenhängenden Waldgebiet Deutschlands wieder etabliert werden. Der Pfälzerwald hat die besten Voraussetzungen dafür, denn er ist nur dünn besiedelt. Die großen, weichen Pfoten und die langen Beine des Tieres sind ideal, um sich anzuschleichen. Bei der Jagd setzt der Einzelgänger auf den Überraschungseffekt. Wenn er Beute verfolgt, kann er bis zu 70 Stundenkilometer erreichen.

          Genetischer Austausch Richtung Vogesen

          Mit Hilfe eines europäischen Förderprogramms führt die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz mit weiteren Partnern das Projekt „Wiederansiedlung von Luchsen im Biosphärenreservat Pfälzerwald“ durch. Seit vergangenem Juli leben in diesem Naturpark drei Luchse, deren Namen von Grundschulkindern ausgesucht wurden: Kaja, Luna und Lucky - zwei Katzen und ein Kuder, so die Bezeichnung für das Männchen. Ziel des Projektes ist es, zwanzig Luchse bis 2020 auszuwildern, die dann eine Population begründen sollen. Sie soll sich auch in den Nordvogesen ausbreiten und im genetischen Austausch mit der Teilpopulation in den Mittel- und Südvogesen und im Jura stehen. So weit die Theorie.

          GPS-Halsbänder und Fotofallen

          Damit das funktioniert, wurde das Projekt mehrere Jahre lang im Austausch mit Interessensgruppen wie Jagd- und Nutztierhalterverbänden geplant. Projektleiterin Sylvia Idelberger bereitete mit einem kleinen Team die Freilassung der ersten Luchse mit intensiver Öffentlichkeitsarbeit vor. Mit der Auswilderung der großen Katzen fangen die Aufgaben und die Sorgen erst wirklich an. Der Verlust eines Tieres wäre ein herber Rückschlag, dieser Sorge wirken ein Monitoring, zum Beispiel mit Hilfe von GPS-Halsbändern, und Fotofallen entgegen. „So bekommen wir wertvolle Informationen. Über die Halsbänder, die die Luchse zumindest für ein Jahr tragen, wissen wir, wie sie sich im Pfälzerwald bewegen und wo sie ihr Revier gründen“, erklärt die Biologin. Auf der Internetseite wird regelmäßig eine Karte zu den Aufenthaltsräumen veröffentlicht.

          Bis das Reh aufgefuttert ist

          In Ausnahmefällen können die dämmerungsaktiven Tiere mehr als 20 Kilometer in der Nacht zurücklegen. „Oft bewegen sich die Luchse aber gar nicht so viel. Wenn ein Luchs ein Reh, das Hauptbeutetier, reißt, kehrt er meist über mehrere Tage wieder zu seiner Beute zurück. Sie bleiben in der Nähe, bis nahezu alles aufgefuttert ist.“

          Bei der Ortung der Katzen gibt es vierbeinige Unterstützung von Bodo und Emil. Sie sind sogenannte „Luchshunde“, die Luchse erschnüffeln können. Sie kommen zum Einsatz, wenn Spuren von Luchsen gesucht werden oder ein Luchs sich verletzt hat und nicht aufzufinden ist. Bodo, ein dunkelbrauner Hannoverscher Schweißhund, ist darauf trainiert. Seine Nase ist empfindlich genug, um der Fährte bis zu 72 Stunden später noch zu folgen. Emil hingegen trainiert die Suche in der Fläche. Der rauhhaarige Foxterrier soll dann anzeigen, ob an einem bestimmten Ort ein Luchs gewesen ist. „Die beiden können so ihren Hundeführer Michael Back zu Kratzspuren, Kot oder Haaren führen“, erklärt Idelberger.

          Er hatte leichtes Spiel

          Glücklicherweise mussten Bodo und Emil noch keinen verletzten Luchs auffinden. Aber es kam zu einem Luchsübergriff auf Nutztierherden im Schwarzbachtal östlich von Johanniskreuz im Herzen des Pfälzerwaldes. Kuder Lucky riss zuerst zwei Ziegen einer Herde. „Leider riss Lucky erneut Lämmer bei einer in der Nähe weidenden Schafsherde“, informierte Idelberger bei einer Veranstaltung in Johanniskreuz. In beiden Fällen hatte Lucky leichtes Spiel, da die Herden nur dreiseitig eingezäunt waren. Auf der vierten, nicht mit einem Elektrozaun versehenen Seite fließt der Schwarzbach. Luchse sind nicht wasserscheu.

          Und wenn man einem begegnet?

          Generell sind Übergriffe auf Nutztiere aber selten. Als Pirschjäger erbeutet der Luchs im Normalfall ein einzelnes Tier. Mehrfachtötungen stellen eine Ausnahme dar. „Der aktuelle Vorfall ist hier auch in dem Zusammenhang zu sehen, dass der Luchs über mehrere Tage unbemerkt in die Weide gelangen konnte“, erklärt die Expertin. Die vierte Zaunseite wurde ergänzt. „Das sind nun zwei ganz unglückliche Fälle. Die Nutztierhalter werden für die Verluste entschädigt“, sagt Silvia Idelberger.

          Schwindet nun die Akzeptanz des Luchses? Freiburger Wissenschaftler führten eine Telefonumfrage durch: Etwa 70 Prozent der Befragten äußerten sich positiv. Was macht man überhaupt, wenn man im Wald einem Luchs begegnet? „Da muss man sich keinerlei Sorgen machen. Normalerweise zieht der Luchs sich langsam zurück und verschwindet leise im Dickicht.“

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